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Jeschurun · 1885-08-13 · Heft 33 (13.8.1885) · p. 518

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 33 (13.8.1885)
Article
Noch einmal die Juden auf den Leipziger Messen
Date
1885-08-13
Page
518 (sequence 3)
Language
German
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518 hiesigen RathS-Ofsiziantcn und sonst vielsältig wieder׳, fahrende harte und geringschätzige Behandlung." * Um diese Auszüge nicht über Gebühr auSzndehnen, schließe ich dieselben hiermit, obwohl die ihnen zn Grunde liegende, wiederholt genannte Quelle noch sehr rcichhatt tigcS Material bietet. Aus den Berichten der Kommerz׳ deputationcn habe ich nur das ansgczogcn, waS für uns hier spezielles Interesse hat, dieselben verbreiten sich in ausführlichster Weise über alle Nationen und Artikel, welche für die Leipziger Messen in Betracht kamen. — Eine Bemerkung sei mir noch gestattet: Es gab, wie dieses lehrreiche Geschichtswerk beweist, Zeiten, in denen man die ״hosenverkanfenden Jünglinge" des Herrn Treitschke mit anderen Augen betrachtete und gar sehr ihre Gegenwart wünschte. Das war aber allerdings vor über hundert Jahren, als die Sonne des erleuchteten neunzehnten Jahrhunderts noch nicht ihre Strahlen herniedersandte. Ein jüdisches Charakterbild von Samuel Berthold Rosuer. (Nachdruck verboten. Nebersctzungörccht Vorbehalte». (Fortsetzung.) ^Die WarnungSrnfe des religiösen Gewissens, welche mir von der Lektüre des gefährlichen Buches abriethcn, brachte ich durch die ehrlich gemeinte Vor׳ nähme zum Schweigen, daß ich nkich unter keinen Umständen von den Gründen der Philosophie über׳, führen lassen werde; daß ich mich von vorncherein ans dem Standpunkte des positiven Glaubens verbarrikadircn will, ans welcher Stellung mich die stärksten philo׳ sophischen Demonstrationen nicht erschüttern sollen; daß ich das Buch nur lesen wolle, um meinem mach- Ligen, unwiderstehlichen WissenSdrange zn genügen. Ja, ich wußte mein Vorhaben sogar durch theologische Sentenzen und durch viele übrigens allbekannte AnSsprüche unserer Weisen zu unterstützen. Genug — dcS Abends, als ich vom Maariwgcbet nach Hanse gekommen war, setzte ich nlich hin und begann, fieberhaft aufgeregt, in der ״Ethik" zu lesen. Meine Freunde! Noch heute, nachdem meine Haare längst gebleicht, das Jngcndfcucr meiner Augen erloschen, und der glühende Lavastrom der Empfindungen im Eise des Alters erstarri ist, noch heute grant'S mich, wenn ich mich an meinen damaligen GemüthSznstand erinnere! Ich möchte einen jeden Jüngling beschwören, dem die Ruhe seiner Seele theuer ist, sich nicht vor eine so gefährliche Krise zn stellen, wie ich eS damals leichtsinnig gethan habe. Doch was sage ich, leichtsinnig? — Nein, wahrlich ich thue mir unrecht — nichts war mir damals ferner als Leichtsinn! -- Also ich vertiefte mich ins Lesen und vergaß darüber sogar mein gewohnliches, frugales Nachtmahl zu mir zu nehmen. Die Ueberschrift des ersten Kapitels lautete: Von Gott! Diese schlichten zwei Wörter schienen mir zwei weitengroße Sonnen zu sein, deren ozeanische Lichtflnth das unnießbare Schattenreich der Ewigkeit aushettt. Sei mir gegrüßt, kühner Geist, der sich an die Lösung des verworrensten Knotens gewagt hm! — Es ist also nicht wahr, was mich immer so schmerzlich berührt hat, daß eS eine Grenze gicbt, an welcher dem gewattigsten menschlichen Geiste ein endlos widerhallendcS, unwiderrufliches: Halt! — zngcdonncrt wird. — Ein Wonneschauer umschwebte meinen Geist, als ich dem Sinn der orakelhaft dunkeln Sätze nachgrübelte, mir war, als stände ich vor dem Bilde zu SaiS, dessen Schleier sich eben zu lüften beginnt. Ich laS und las — die ganze Welt war für mich untergegangen und meine ganze Seele hatte sich in bem vor mir liegenden Buche konzentrirt. Plötzlich gewahrte ich, daß der rothe Lampenschein auf den Blättern deS Buches erbleichte, ich blickte auf und sah, daß es das Helle MorgenLicht sei, welches den Schein der Lampe abschwächte. Ich seufzte tief auf, machte das Buch zu und erhob mich. Mechanisch nahm ich Gebetmantcl und Tephillin, legte die letzteren ebenso gedankenlos an und begab mich ins BethanS. Meine Kollegen fragten mich mit unverholener Theilnahme, ob mir etwas fehle, daß. ich so blaß sei und daß meine Augen so glanzlos aus den tiefen Höhlen heranSblickten. Ich murmelte zur Antwort einige unverständliche Worte und ging ans meinen gewohnten Platz. Dort starrte ich an die Wand und dachte nnablässig über die tiefen Gedanken Spinoza S nach. An die Gcbctstücke brauchte ich nicht zn denken, sic waren nur mundgcläufig und ich konnte sie auch gedankenlos rezitiren. Als ich vom Bethanse wieder in meine Wohnung zurückgekehrt war, aß ich hastig einige Bissen Brod und las weiter. Und so ging das fort, Tage und Wochen lang. Um mich im Lesen nicht zu stören, ging ich nicht zu meinen Freitischen, welche ich nach landläufigem Gebrauch innchatte, meine Nahrung bestand in jener Zeit ans Wasser und Brod. Und wenn ich nicht laS, dann versenkte ich mich in endlose Grübeleien. Die Gedanken, die unanfhörlich in meinem Gehirne wühlten, bewegten sich nahezu in folgender Richtung. Die Art, wie dieser Mensch seine Resultate von den Axiomen (Fnndameritalsützcn) ableitcte, ist eine wunderbar schöne und korrekte, waS auf diese Art demonstrirt wird, das ist logisch und demzufolge auch wahr. Dieser Mensch lehrt, daß eS einen Gott giebt, ich aber sagte mir, das, was da für einen Gott ausgegeben wird,

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