Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1885)
- Article
- Noch einmal die Juden auf den Leipziger Messen
- Date
- 1885-08-13
- Page
- 517 (sequence 2)
- Language
- German
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- Plauen 1× ep/1045447
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517 man aber das Doppelte schätzen kann, so crgiebt sich, daß sie für circa eine halbe Million Thaler Waarc gekauft. Ostermesse 1 7 74. Fünf jüdische Häuser aus Brod nnd Nnmmeloff brachten 125 000 Dukaten mit, dafür sie viele Bandnnd .vorzüglich aber seidene Maaren cingckauft. Außer den 30 Wagen, womit sie zur Messe gekommen, sind von ihnen 40 befrachtete Wagen nach Bielitz abgcschickt worden. Die den polnischen Juden angcdiehene gute Be- Handlung auf ihrer Anherreisc hat viele ermuntert, sich ihre Maaren in Person in Leipzig zu erholen und ungeachtet die Regie in der letzteren Frankfurt a. O. Messe die Kanfleutc weit glimpflicher als sonst behandelt, so haben sie doch dort weniger Geschäfte gemacht! Michael i ömesse 1 7 8 8 verlief günstig entgegen den gehegten Befürchtungen. Bon den russischen, sowohl christlichen als jüdischen Kauflcutcn nämlich, welche sonst die Leipziger Messe in nicht geringer Anzahl besucht und die wichtigsten Geschäfte gemacht hatten, war nicht einmal der vierte Theil cingctroffen. Die Ursache hiervon ist lediglich in den Kriegsunruhcn nnd bei den Russen vorzüglich irr dem großen Geld- Mangel, so dermalen in Rußland herrscht, zu suchen. Insbesondere wurden die mehreren beigcgangcncn Besorgnisse wegen Außcnblcibens eines der ansehnlichsten russischen Kaufleule, des Juden Nathan Chain! aus Szkloff bei Mohilcw, welchem Ew. Chnrfürstl. Durchs, die Erlaubniß, zwischen den Messen in Leipzig einen jüdischen Handelsbcdicnten halten zu dürfen, sowohl als Höchstdero Lande unter gewissen Bcgüustigungcu in Handelsgeschäften zu bereisen, gegen gewisse zu bezahlende, jedoch zur Zeit noch rückständige Aversional- Geld-Quanta erlhcrlet haben, durch die, gegen Ende der Messe von seinen Umständen cingcgangcnen Briese, gar sehr vermindert. Nach solchen hat er selbst dermalen das Feldlazareth der russischen Armee, unter dem Feldmarschall Grafen von Romanzow, zu besorgen, wird aber demungeachtet zwei seiner Handelobcdienten auf die Martini׳ messe nach Frankfurt a. O. absendeu und nicht geringe Zahlungen machen. Auch wurden die fehlenden russischen Handelsleute durch -die in größerer Anzahl als ehedem angckommcnen polnischen Juden ersetzt. Diese haben sehr viele Geschäfte gemacht nnd würden noch weit mehr gemacht haben, wenn man ihnen mchrern Kredit cinräumen wollte. Man trug aber hierunter Bedenken, da viele von ihnen diese Messe zum crstenmale besucht und von ihrer Solidität noch keine Beweise gegeben hatten. Michaelismcsse 1 789. Der nachthcilige Einfluß der russischen Krcditverhältnisse machte sich immer schärfer geltend. Der früher erwähnte große russische Handelsmann Nathan Chaim ans Szklosf bei Mohilew hatte schließlich doch Bankerott gemacht und die ausblcibenden Zahlungen setzten Leipziger, Chemnitzer und Plauen'sche Handelshäuser in die äußerste Verlegenheit. Die Forderungcn der Leipziger Firmen beliefen sich auf eine Million Thaler, die der Chemnitzer auf 150000, der Plaucn'schcn auf 120 000 Thaler. ...... Während vorbeschriebcnermaßen der russische Handel, wenn auch nicht auf inuncr, doch auf geraume Zeit für hiesigen Platz verloren gegangen zu sein scheint, hat dagegen der Handel der polnischen Juden über Erwarten zugenommcn. Nach der großen Verschiedenheit seiner Bestimmung ist auch der Waarcneinkanf der polnischen Juden diesmal, sehr mannigfaltig. Wie gewöhnlich ist dieser Einkauf zum Theil gegen Zahlung, zum Theil auf Kredit geschehen. Es mag wohl der Verkäufer Willfährigkeit in langweiliger Kreditirung der Maaren für diesmal gegen die polnischen Juden größer und allgemeiner als vorhin gewesen sein, da auf der einen Seite diese Juden durch den richtigen Abtrag ihrer in jetziger Messe fälligen Zahlungen sich mehr Zutrauen erworben, nnd auf der anderen die Verkäufer sich nothgedrnngen gesehen haben, jede nur einigermaßen annehmliche Gelcgcnheit zu ergreifen, um etwas von der ihnen, in Ermangelung des russischen Einkaufs, auf dem Lager gebliebenen beträchtlichen Waarcnvorräthcn abzusctzen. Nach der heutigen Beschaffenheit der Handlung überhaupt - und insbesondere auch des Meßverkchrs sind ohnehin Waarenge schäfte von einiger Erheblichkeit gar nicht ohne Risiko zu machen und gesetzt, der Handel der polnischen Inden wäre mit mehr als gewöhnlichen Gefahren verbunden, so ist doch entschieden gewiß, daß auf selbigem dermalen die Aufrechterhaltung der Leipziger Messen und eines Thcils der hicrländischcn Manufakturen wesentlich beruht, wie denn auch ihm hauptsächlich zu verdanken ist, daß die jetzige Messe im Waarenabsatze sowohl als im Geldumläufe statt des Anfangs besorgten schlechten, den obbeschriebenen leidlichen Erfolg gehabt hat. Um so mehr Aufmerksamkeit verdienen daher im gegenwärtigen Augenblicke die unlängst von den polnischen Juden, in Verbindung mit dem übrigen Theilc der auf hiesigen Messen handelnden fremden Judenschaft, beim geheimen Finanzkollegium dargebrachtcn Klagen, über mancherlei aus der bisherigen E1> hcbnngsart der jüdischen persönlichen Abgaben entstehende, selbst von den mit Freipässcu versehenen Handclsjuden nicht zu vermeidende Beschwerlichkeiten und noch mehr über die, nach ihren Angaben, ihnen als jüdischen Glaubensgenossen, sowohl unterwegs als hier zu Leipzig von Seiten der Zoll-, Geleits-, Akzis- und Post-, auch