Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1885)
- Article
- Die Ellul-Mahnung
- Date
- 1885-08-13
- Page
- 514 (sequence 2)
- Language
- German
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514 Schealtiels unb dem hohen Priester Jchoschua. dem Sohne Jchozadaks, zurückgekehrt nach Judäa und hatten das Werk des Wiederaufbaues, des Heiligthnms begonnen. Aber neidische Feinde der Juden brachten Verleumdungen gegen sie bei dem Könige vor und verdächtigten das auf Anregung und unter ansdrücklicher Billigung deS früheren Monarchen begonnene Werk. Dadurch waren die Juden eingeschüchtcrt worden, und jo wurde die Arbeit an dem Hciligthume unterbrochen. Da erging das Wort Gottes durch den Propheten Ehagga! an die Führer Sernbabel und Jehoschua am ersten Ellnl, im zweiten Negicrungsjahre des Königs DariuS: Dieses Volk spricht: cs ist nicht an der Zeit das Haus Gottes zu bauen-ist es denn nicht wohl Zeit für euch in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus in Trümmern liegt? — — Richtet doch euer Herz auf euren Wandel: wohl säet ihr viel, aber nur wenig heimst ihr ein; ihr genießt und werdet nicht satt, ihr trinket und werdet nicht angeregt, ihr kleidet euch ohne warm zu werden, ihr verdinget euch, und der Lohn wandert in einen durchlöcherten Säckel." - Ihr meint, cS sei nicht an der Zeit, den Bau des Gottcsheiligthums auf Erden zu fördern, ihr haltet cs für zeitgemäßer, euch dem Wohlleben hinzugeben und der Ruhe zu pflegen; die Trümmer aus Zion kümmern euch nicht — Thoren! Ihr glaubt damit reichliche Saat in den Acker eurer Zukunft zu streuen, ihr werdet nur Geringes dafür ernten. Euer Genuß gewahrt euch doch keine Befriedigung. Für Gottes Heiligthmn wollt ihr nicht wirken, für euere hohe Ausgabe könnt ihr euch nicht begeistern. Mag Jerusalem verödet sein und der Tempel zerstört, euch kümmert daS nicht; ihr widmet euch andern Idealen, ihr fördert andere Zwecke. Vergebliches Mühen! Euer Heil ist unauflöslich mit eurer Leistung für daS Gottcshciligthum verknüpft. Jedes andere Streben ist erfolglos; ihr bleibt arm und elend, nackt und kalt, und was ihr erreicht zu haben glaubt, geht euch sofort wieder verloren. Würde Israel zu Serubabels Zeit durch daS babylonische Exil vollständig geläutert und gebessert worden, hätte es in der Erlcnchtnna KorcschS und der von diesem selbst ausgehenden Aufforderung zur Wiederherstellung Zions die Hand Gottes erkannt, welche ihm die verlorene Selbständigkeit wiederum gewähren wollte, um fortan in dem jüdischen Staatsleben ein wahrhaftes Gottcsreich auf Erden erstehen zu lassen, dann hätte schon damals die endliche Erlösung sich vollzogen, der wir noch immer sehnsüchtig entgcgcnharrcn. Die damalige geistige Erhebung ergriff aber nicht ganz Israel, sondern nur einen kleinen Theil, und gerade die Angesehensten und Vornehmsten schlossen sich derselben nicht an. Die thcilweise Rückkehr der Exilirten, die zeitweise Wiederaufrichtung deS Tempels, das erhabene Werk der ״Männer der großen Synode", wie die Reihe der großen Führer und Meister genannt wurde, welche unserem Volke damals voranlenchtete, kräftigte daS Gottcsbcwußtsein in Israel, befestigte seinen Ban und rüstete es ans für den langen, langen Gang, der ihm bcvorstand durch die Geschichte der Menschheit und befähigte cS, in derselben trotz vielfacher Abirrungen und schwankenden Gehorsams den hervorragenden Platz zu behaupten, den der Vater der Menschheit ihm angewiesen. Mehr als zweiundzwanzig Jahrhunderte sind seit jenem ersten Ellnl verstrichen, da Gott seinen Propheten Chaggai an die Häupter der damaligen Gola entsendete. Znm zweiten Male ist seitdem das Haus Gottes auf Zion dem Erdboden gleich gemacht worden, und die römischen Kohorten haben Israel in die Gefangenschaft getrieben, lieber den ganzen Erdball ist Israel zerstreut, bald hier ein freundliches Heim, bald dort Verfolgung und Elend findend. Auch an das gegenwärtige Israel ist daS ewige Wort des ewigen Gottes gerichtet: Könnt ihr nicht Muße finden, für das Gottesheiligthum zu wirken? Soll euer ganzes Streben in die Mehrung eures Wohlstandcs ausgchen? Habt ihr nichts mehr übrig für die eigentliche Ausgabe eures Daseins? שימו לבבכם על דרביבם, richtet cucrn Sinn auf euren Wandet, ermannet euch zur wahrhaftigen Rückkehr, ermannet euch zu begeisterten! Schaffen für Gott und sein Heiligthum, ermannet euch zun! Gehorsam und zur Treue. Der Schofar, der Ruf Gottes, ertönt wiederum mit dem ersten Ellnl in Israels Lager: שימו לבבכם על דרכיכם! — daß er endlich überall Eingang finde in alle Herzen, und wir alle unS cinmnthig zusammenschaarcn zum Bau des HciligthumS unseres Gottes! Der MMW Mmd. Zu den unsäglichen Bedrückungen und Erniedrignngen, welche daS Loos der Israeliten Rumäniens so überaus leidensvoll gestalten, zählt auch der Eid niore judaico, der noch heute auf Antrag einer Partei im Zivilprozcß und auf Verfügung des Richters ge» leistet werden muß. Dieser die finstersten Zeiten deS Mittelalters für die Gegenwart lebendig erhaltende barbarischc Justizakt vollzieht sich in folgender Form. Der Schwörende hat sich zuvor durch ein rituelles Bad, מקוה, zu reinigen und darf während des ganzen TageS bis nach abgeleistetem Eide nicht die mindeste Nahrung, weder Speise noch Trank, zu sich nehmen. Er muß barfüßig bei der Prozedur erscheinen, angethan