Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1885)
- Article
- Noch einmal die Juden auf den Leipziger Messen
- Date
- 1885-08-06
- Page
- 507 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2933101-2933133-2961980--19393-2962026- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
507 furt a. O. und Breslau sich immer mehr und mehr Mühe giebt, die Polen, sowohl Juden als Christen, zu avantagiren und jene diesen vollkommen gleich traktirt, dahingegen diese polnischen Inden im hiesigen Lande unterwegs und selbst hier in Leipzig gleich den geringsten Bettcljudcn mit hohem Lcibzoll belegt und also gchandhabt worden, daß dieselben anders nicht iraftirt werden könnten, wenn sie wirklich dem Meßkommerzio schädlich wären und dieselben zurückzuhalten das Königliche allerhöchste Jnteresie erforderte; daher es gar natürlich, daß diese dem Commercio so nützlichen׳ jüdischen Handelsleute sich nach und nach von uns hinwcgwenden und dasjenige aus Frankfurt a. O. erholen, was sie in Breslau nicht bekommen können. Ich erzittere, wenn ich Vorschläge thun soll, welche zu direkter Verminderung der Königlichen Revenuen abzielcn; wenn aber dieses Nevenu so wie der Leibzoll d e r p o l n i s ch e n I u d c n beschaffen ist, so Lhuc ich dieselben nach theuersten Pflichten mit Freuden, zumal eine Probe von ein paar Jahren wenig Verlust bringt, hingegen die Ueberzeugung geben dürfte, daß die Frequenz der polnischen Juden nach Leipzig sich bald wieder finden und den direkten geringen Verlust mit indirekten! zehnfachem Gewinn ersetzen würde. (Schluß folgt.) Korrespondellzeu Md Nachrichten. Deutschland. #־ Hannover, 4. August. Wir konstatiren gern, daß die ״N. Pr. Krcnzzeitung" von unserem die Grund - steinlegung der Synagoge zu Kreuzburg betreffenden Artikel in Nr. 30 Kcnntniß genommen und denselben abgedruckt hat. Wir wollen mit derselben nicht darüber rechten, daß sie unserer Kennzeichnung dieses Vorgangs als .,brüderlich" ein höchst erstauntes Ansrufungszeichen in Parenthese hinzngefügt hat. — Die kürzlich »erstorbcne Frau Amalie Cohen hat für den Ban des Krankenhauses den Betrog von!8000 Mark letztwillig gespendet. Sie hat außerdem verschiedene wohlthätige Stiftungen in Beträgen von zwei Mal 7500 Mark und 3000 Mark gemacht. *=* Ans dem Neg.-Bezir? Kassel, im Juli. Am 6. Juli fand zu Eschwegc die diesjährige Konferenz der israelitischen Lehrer Hessens statt, zu welcher sich nahezu 00 Lehrer cingefnnden hatten. Nach Absingnng eines Chorals eröffnete der Vorsitzende, Herr Seminar-Direktor Dr. Stein-Kassel, die Konferenz, indem er in einer schwungvollen, begeisterten und für die Stündesintcressen begeisternden Ansprache die Konfe renztheilnehmcr begrüßt, seiner ganz besonderen Freude darüber Ausdruck gebend, daß die diesjährige Versammlung trotz des etwas abgelegenen VersammlungSorteso zahlreich besucht sei. Er berührte zugleich in geschickter Weise den hauptsächlichsten Gegenstand der Tagesordnung. Hierauf folgte eine kurze Begrüßung dcS Herrn KreiSrabbinerS Goldmann-Eschwege, des ältesten Rabbiners Hessens; derselbe zählt nänllich 52 Dicnstjahre. — In einer längeren Ansprache begrüßte der Detegirte des D. I. G. B., Herr Synagogenältester Gott Hel st-Kassel, namens seines Auftraggcbers die Versammlung und dankte ihr für die Müheleistungen, denen sich viele Lehrer z. B. durch Samm-!:::!gen für den D. I. G. B. unterzogen hatten, und ersuchte diese, auch ferner recht eifrig für dieselben zu wirken. Nach Erledigung dieser und einiger anderen Formalitäten erstattete der Hauptausschuß den Jahres- und der Rendant den Kassenbericht. — In die eigentliche Tagesordnung trat die Versammlung ein durch den Vortrag dcS Herrn Cornelius- Rotenburg: ״Die Chanuckafeier in der Schule". Dieser Vortrag stand schon im vorigen Jahre und im Jahre 1883 auf der Tagesordnung und wäre muthmaßlich auch diesmal nicht zur Geltung gelangt, wenn er nicht als der erste in den Vordergrund gestanden. Alle Wärme und aller Eifer, womit der Referent für seine Idee und Lieblingsschöpfung emtrat, vermochten jedoch nicht, bei den Konfcrenzmitglicdern Sympathie für die ״Chanuckafeier in der Schule" zu erwecken, und so bleibt es denn bei dem Alten, d. h. die Chanuckafeier verbleibt dem hänSkichen Kreise. — Als zweiter Vortrag war das Thema: ״Der israelitische Lehrer als Vorsänger" im vorigen Jahre bestimmt worden. — Nach einer halbstündigen Pause wurden die von Konserenzmitgliedern Angegangenen Anträge zur Berathung gestellt; die meisten derselben (Veröffentlichung der Anträge in der ״Hess. Schnlztg."; gleichmäßige Versetzung vakanter israelitischer und christ« licher Schulen; Gleichstellung israelitischer Lehrer im Minimalgehalt mit den nichtjüdijchen Kollegen u. s. w.) wurden mit großer Majorität angenommen, einer — die Neuwahl zweier Ausschußmitglieder betreffend — wurde nochmals für das nächste Jahr znrückgestellt, und ein Antrag konnte gemäß der Geschäftsordnung nicht dem Plenum zur Abstimmung vorgelegt werden. — Nachdem der Vorsitzende noch einige ״Mittheilungcn" gemacht und die Tagesordnung für die nächstjährige in Kassel abzuhaltende Konferenz festgestellt war, wurde die diesjährige Versammlung geschlossen. — Soll ich schließlich noch dem allgemeinen Urtheil über den Verlauf der Konferenz Ausdruck geben, so kann ich zu meinem Bedauern nur konstatiren, daß fast alle Konferenzbesucher darin übercinstimmen, daß noch nie eine unserer sonst so schönen und verbrüdernden Konferenzen