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Jeschurun · 1885-08-06 · Heft 32 (6.8.1885) · p. 499

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 32 (6.8.1885)
Article
Israel - Segenbringer
Date
1885-08-06
Page
499 (sequence 2)
Language
German
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499 Sein Recht nnd Seine Liebe, der Welt zu verkünden, indem er überall, wo er sein Zelt aufschlug, Ihm den Altar errichtete, jede Stätte seiucr Wanderschaft zu einem Tempel gestaltete, Ln welchem durch die in der Stille ausgeführte aber laut redende Thal Gott die Huldigung dargcbrachtwurde, aljokanncSanchscincr Enkel Aufgabenimmcr sein, einzustimmen in die Vergötterung eitlen Menschenruhms und nichtiger Menschcngröße, sondern überall in jeder Hütte, die sich ein Abrahamssprößling erbaut, einen Tempel erstehen zu lassen, in welchem Gott gedient wird mit jeder Regung des Herzens, mit jedem Schassen in jeglichem Augenblicke. Dann steht jeder Jude, und wäre er in Lumpen gehüllt, und imfyme er auf der von Menschen errichteten Stufenleiter der Rangordnung bie allerletzte Sprosse ein. gleich seinem Ahn als נשיא אלוד׳, als ein von Gott Geadelter im Kreise der Menschen, mögen diese gleich, seinen Werth und seine Bedeutung verkennend, ihn schmähen und verachten. Er ist doch der Träger des Wcltsegens, der Heilcszukunft, und das zu seinem Ahn gesprochene Wort GottcS ״der dich segnet, werde Ich segnen und wer dir Fluch bringt, dem werde Ich fluchen" bleibt doch eine Wahrheit bis zum Ende der Tage. Wenn in jedem Enkel Abrahams ein treuer Vollstrecker des abrahamitischen Testaments ersteht, ושמת דרך ד׳, den Gottesweg zu hüten, auf daß er dereinst von der gesammtcn Menschheit gewandelt werde, und ein jeder Sohn Israels dadurch des Cherubim- Wächteramts zum Eingang in das verlorene Parradies für den Weg nach. dem Baum des Lebens waltet, wenn so alle Zionskinder sich als echte Gottesjünger erweisen — 'ובל בניך למודי ד, dann wird das Heil Israels erblühen und mit ihmdas Heil der Welt. Dann wird das in Trümmern liegende Zion Herrlicher, leuchtender und glänzender aus der Asche wiederum erstehen — Israel hat den Segen erwählt und ist zum Segen geworden für alle Nationen der Erde. ieieiliiüiieit!n den DerkMAWe!! und DeWssen der RMim׳msM!׳MW!11 Kerlin. (Fortsetzung.) Des nun folgenden Redners Herrn D1\ H a m - burger's Vortrag erscheint in den! Berichte leider als ein Torso. ״Hier muß der Redner abbrechen" heißt es anr Schlüsse von nur achtzehn Zeilen. Der Grund für diesen augenscheinlich unfreiwilligen raschen Schluß ist leider nicht angegeben. Man ist deshalb auf Muthmaßungen angewiesen. Sollte den,Kollegen der Inhalt der Rede nicht recht behagt haben? Wir würden dieses aufrichtig beklagen. Herr Di׳. Hamburger ist der erste Redner, welcher dem Gegenstand der TagcSordnung ״Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes״ unseres Erachtens sehr nahe getreten ist, indem er den gewiß sehr wahren und der ernstesten Beachtung werthen Gedanken auSsprach: ״wenn wir im Religionsunterricht vom Sabbath und anderen Gegenständen lehren, und das Kind zu seinen Eltern nach Hause kommt und das Entgegengesetzte sieht, dann ist die Fruchtlosigkeit unserer Mühe da;" und er verlangt demgemäß eine Weckung des religiösen Sinnes der Eltern, wobei der Rabbiner aber sich nicht auf die Kanzel beschränken dürfe. Herr Di׳. G h 11 m an 11 meint: ״nicht die Rabbiner treffe die Schuld am Verfalle des religiösen Lebens; sie können nur — und dazu fehlte bisher die Gemeinsamkeit — aussprechen, was Noth thut; die Vorstände müssen ihnen zur Seite treten-wenn die Versammlung das ausspricht, wird ein gedeihliches Resultat nicht fehlen." Wir haben schon früher zu erkennen gegeben, daß wir dieser, die Rabbiner gänzlich entlastenden Ansicht, keineswegs beipflichten können, vielmehr im völligen Gegensatz zu derselben vermeinen, daß die Rabbiner sehr wesentlich den Verfall deS religiösen Lebens mit verschuldet haben. Würde nicht dem Abfall dadurch Vorschub geleistet worden sein, daß Rabbiner, leider in nicht geringer Anzahl, durch Rede, Schrift und eigenes Beispiel die Heiligkeit und ewige VerpflichtungSkraft des tradirtcn jüdischen ReligionSgcsetzeS angetastet und geleugnet hätten, würden sie vielmehr in edler Begeisterung durch Rede, Schrift und eigenes Beispiel der Verirrung ihrer Zeitgenossen, welche in Verkennung des JudenthumS und im praktischen Zuwiderhandcln gegen seine Satzungen in die Erscheinungen getreten, entgegengcwirkt haben, so hätte der Verfall des religiösen Lebens innerhalb des gegenwärtigen Jahrhunderts nicht so erschreckende Dimensiouen annehmen können. Ja, der den Rabbinern gebührende Antheil an demselben ist ein so bedeutender, daß wir keinen Anstand nehmen, unserer innersten Ueberzeugung dahin Ausdruck zu verleihen: die Mehrzahl derjenigen Kreise, in welchen der Verfall des. religiösen Lebens heute so erschreckende Verheerungen angerichtet, daß selbst die Prediger der Reform sich darob entsetzen, sind beinahe als völlig unzurechnungsfähige Irrende zu betrachten, während die eigentlich wissenden Abtrnnnigcn gerade im Kreise der geistigen Führer und Häupter der Gemeinden, der Lehrer und Rabbiner, zu suchen sind. Wie wollen diejenigen mit dem Volke ob seines religiösen Verfalls richten, die die Grundpfeiler deS JudenthumS erschüttert haben, die den göttlichen Ursprung der mündlichen Lehre leugnen, das Gotteswort der Propheten als wirkliches Wort Gottes nicht

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