Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1885)
- Article
- Bemerkungen zu den Verhandlungen und Beschlüssen der Rabbinerversammlung zu Berlin
- Date
- 1885-07-16
- Page
- 453 (sequence 3)
- Language
- German
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453 Orthodorer hätte in [einer Bcschränkheit die Situation gar nicht erfassen können und wäre geradeaus plump fürbaß geschritten. Ja, so Einer ist allezeit fertig und bedenkt nicht das Schwierige. Er hätte sicherlich an Dr. Vogelstein's Stelle in kt Einfalt seines nicht ge; schulten Verstandes etwa folgenbenua\]cu gesprochen Wir wollen berathcn, wie der religiöse Sinn in unseren Gemeinden zu heben und zu beleben ist — so laßt uns bei uns anfangcn, Brüder, die wir der Gemeinden Lehrer und Bildner sein wollen und sollen. Gehen wir ihnen vor Allen! mit gutem GcisM durch unser Leben und das Leben unserer Frauen und Kinder voran. Zeigen wir ihnen, daß unö das Judenthnm das höchste nnd heiligste Gut ist und wir keine höhere und heiligere Aufgabe kennen, als dessen Geboten unbedingtesten Gehorsam zu leisten, daß uns hier lein Opfer zu schwer, keine Entbehrung zu schmerzlich ist, daß wir von keinem Kompromiß etwas wissen, wenn eö sich um die Beachnmg einer Neligionssatznng handelt, daß wir keine Furcht kennen vor Vorständen und Ncpräjcutanten und Gemeinden, keine Rücksicht auf Neichthnm und Stellung, daß wir unerschrocken für das ganze biblijch-talmndischrabbinische Gesetz cinstehcn, cs lehren, erklären und dessen unbedingte Ersüllnng fordern von Jung und Alt, Reich und Arm, von Gebildeten und Ungebildeten. Wir haben nicht von den Gemeinden zu hören, was ihnen von dem Judenthume noch genehm ist oder nicht, sondern ihnen ins Gewissen zu reden, wo sie den An׳- forderungen des Jndenthnms nicht entsprechen. Wir haben uns mit dem Geiste des Jndenthnms zu durchdringen und diesen Geist ans unsere Gemeinden zu übertragen durch Beispiel, Mahnung und Belehrung. Wir haben die Gewissen der Einzelnen zu schärfen, daß die heilige Scheu in den Gemeinden Israels wieder einziehc vor dem Unerlaubten; wir haben der Lüge entgegcnzntretcn, daß man ein guter Jude sein könne, wenn man auch die Gebote des Jndenthmns im praktischen Leben nicht beachte, und dem Wahne, als ob das Judenth'.lm eine Religion des Tempels sei, als ob eine andächtige Stunde im Gotteshause Ablaß gewähren könne von der slriUcn Befolgung des Gesetzes im häuslichen und öffentlichen Leben, im Geschäfte und Amte. — So ungefähr und in diesem Sinne mehr hätte ein Orthodoxer gesprochen, der von der Pastoratklugheil unserer Reformer sreilich keine Ahnung hat. Diese schauen sich fein bedächtig zuvor um und erforschen das Herz der Herren Vorsteher und Nepräsentauten und deren Frau Gemahlinnen, wie weit sie in ihrer Mahnung gehen, dürfen» welche Satzungen noch wohl einigermaßen Gnade bei der Mchrhcii der Einflußreichen in der Gemeinde siüdcn könnten, damit ja keine .,unliebsam.e Bewegung" hcrvorgcrufen werde; und dabei nennen sie sich Lchrer der Indischen Religion, Verkünder des Gottesworts, Diener des Herrn, Führer der Gemeinden. Rein und abermals nein. Sie sind die Sklaven der Vorstands- und Gemeindelannen, Berkündcr des Tages Weisheit und Thorheit. Doch folgen wir nach dieser Unterbrechung weiter der Liede des Herrn!)!׳. Volgelstein. (Fortsetzung folgt.) Die Mmu-ß des Girrtmliilnnult gaubffrtiglititsüBtmiiljt» hi kr jlikfdp Wkssttzule. Die Erziehung, d. i. die Erweckung und Leitung der in dem Unmündigen schlummernden Kräfte und Anlagen für eine gedeihliche Bethätigung im Leben, sowie der Iugenduntcrricht, d. i. die Zuführung von bestinimten Kenntnissen und Fertigkeiten an den Zögling, werden um so heilbringender und ersprießlicher sich gestallen, je größer die Summe der zur Entwickelung gebrachten Fähigkeiten und je. kräftiger diese selbst einerseits und je umfassender und nützlicher andererseits das zur Aneignung gebrachte Wissen und Können ist. Jede Bestrebung, welche die Erweiterung. Stärkung und Vermehrung nützlicher Anlagen, Kenntnisse und Fertigkeiten in beut jungen Wesen zum Ziele hat, wird deshalb von jedem Menschenfreunde dankbar begrüßt werden. Wenn aber die Erziehung und der Unterricht sich stets vergegenwärtigen muß, für welche kommende Lebensaufgabe und Lebensstellung des Kindes die erziehende und lehrende Einwirkung stattsinden soll, so wird man nicht gedankenlos und ohne sorgfältige Prüfung, namentlich in der Wahl des UtlierrichtSstosfeS, handeln dürfen. Je mehr Erziehung und Unterricht sich der Besonderheit des Kindes, sowohl in Bezug auf dessen Beanlagung, wie aus dessen zukünftige Lebensbestimmuttg, anpassen, desto bcsscr wird deren Zweck erreicht werden können. Diese Jndividualisirung wird durch denkende Eltern wohl in. Betreff der Erziehung, bei dem Unterricht aber stets nur mangelhaft zur Geltung zu bringen fein, weil der letztere meistens nur an Kindergruppen crtlicilt zu werden pflegt. Diese verschiedenen Gruppen von. Schülern werden nach Maßgabe der einander ähnlichen häuslichen Verhältnisse und mnthmaßlichen^ zukünftigen Lebensstellung gebildet, und man wird sich deshalb die Frage vorzulegen haben: ist dieser oder jener Lehrstoff für diese bestimmte! Gruppe von Kindern geeignet, wünschenswcrth oder | nothwendig. Wir haben darum in Betreff der in > der Uebersch-ist genannten Unietrichrszwcigc dieselben