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Jeschurun · 1885-07-16 · Heft 29 (16.7.1885) · p. 451

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 29 (16.7.1885)
Article
Bemerkungen zu den Verhandlungen und Beschlüssen der Rabbinerversammlung zu Berlin
Date
1885-07-16
Page
451 (sequence 1)
Language
German
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451 im Kreise der Genossen. Kein Ministerportefeuille und Offizierpatcnt, kein Rang und Titel — und wäre er noch so hoch — verleiht dessen Inhaber und Träger eine Anwartschaft auf besondere Anerkennung und Hutdigung als Jude seitens der Juden. Wer sich von der praktischen Bcthätigung des JudcnthumS diSpensirt wähnt, weil eine solche mit seiner bürgerlichen Stellung, seiner Bildung oder sciucm Berufe nicht vereinbar ist, gleichwohl aber meint, ein treuer Jude zu sein und die Führung in der jüdischen Gemeinschaft übernehmen zu können, der befindet sich in einem verhängnißvollen Jrrthum, und die dazu beitragen, diesen Jrrthum zu verbreiten und zu bekräftigen, versündigen sich an der Wahrheit. Da meinen sic aber in! jüdischen Kreise Namen ״als Zierden dcS JudcnthumS" glorifiziren zu sotten, die auf anderen Gebieten, als: Politik, Wissenschaft, Industrie und Kunst zwar mit Recht gefeiert werden mögen und vielleicht auch um die materielle Wohlfahrt ihrer StamnrcSgenossen Verdienste haben, aber z. B. den Sabbath entweihen, die Spcisegcsetze nicht beachten u. dergl. 111., und begrüßt sie als die glorreichen Dertreter dcö JudcnthumS, während sie vom Judenthume kaum eine Ahnung haben, trotzdem nur demjenigen die Leitung gebührt, welcher durch unverbrüchliche opfcrfreudige Treue seinen Brüdern in dem Gehorsam gegen das jüdische Gesetz als nachahmungSwertheS Vorbild dastcht. Man glaubte, in der gewährten Möglichkeit deS Strcbenö nach den hervorragendsten Stellungen im bürgerlichen und politischen Leben das Höchste erblicken zu sollen und vergaß gänzlich der hehren Bestimmung des jüdischen Stammes, vergaß gänzlich, daß wir Königthum und Machtstellung nur cingebüßt, weil wir hierin das höchste nationale Gut erkannten und deS PricstcramtcS nicht eingedenk waren, für welches Gott uns geweiht. Und jetzt, da die Zeit sich wiederum geändert und der Uhuruf des finstersten Judenhasses durch die Lande schallt, sind sie da ihres JrrthumS iune geworden, haben sie endlich erkannt, daß nicht da ihnen das Heil' winkt, wo die Bahn vom Gottesgesetz hinwegführt, und wollen sie nun zurückkchren zu der Treue und dem Gehorsam? Wohl dämmert hier und dort eine Ahnung des JrrthumS aus, in welchem man sich befunden, aber zum klaren Bewußtsein ist er noch nicht gelangt. Man wird vergebens nach einer Manifestation dieser Erkemttniß im Kreise der Gemeinden suchen, vergebens auch nach einer solchen in den vielen Versammlnngcn, welche Rabbiner und Lehrer mehr denn je in unseren Tagen veranstalten, vergebens auch in den Erzeugnissen unserer Literatur. Dagegen tauchen Spuren einer. Anschauung auf, welche nicht minder jener verhängnißvollen Auffassung entstammt. ״Wir nehmen den Kamps mit euch auf," läßt diese Anschauug zu den Feinden sprechen, ״wir fürchten ihn nicht. Ihr schmäht den jüdischen Namen, gerade er ist unser Stolz. Wir wollen unser Stammcsbcwnßtscin kräftigen und setzen dem germanischen, ungarischen, russischen Nationalgefühl das jüdische entgegen." Eine solche mannhafte Sprache wäre allerdings zu loben und könnte das Heil anbahncn, wenn nur mit diesem jüdischen Nationalbewußtsein der wahre Begriff verbunden wäre, daß nämlich unser jüdisches Nationalbewnßtsein in dem געשה ונ״&מע seinen treffendsten Ausdruck finde und man demgemäß mit der vollen uneingeschränkten Rückkehr zu Gott und dem Judcnthnm in Gesinnung und Thal zu beginnen habe. Aber hieran wird kaum gedacht. Auch diese Trunkenen verherrlichen die äußere Wohlfahrt und begreifen nicht Israel und sein Gottesgesctz, Israels Aufgabe und Geschichte im Kreise der Menschheit, Israels Untergang und seine Klage und seine Hoffnung. Salomo Gabirols Ruf ergeht darum auch an diese; nicht um deine niedrige Stellung klage, nicht um das verlorene Reich, nicht um die Beschränkung und das sich gegen dich wendende Vorurthcil, sondern ״weine vor Gott ob der Vernichtung deines Tempels und der Zerstörung deiner Hciligthümer!" So lange wir um irdischen Verlust jammern und nach irdischen Gütern nnS sehnen, so lange werden wir stets Enttäuschungen erfahren. Nur aus der rechten Trauer und der berechtigten Sehnsucht Israels erblüht sein und der Menschheit Heil. Ikiiiciliunsp!» de» Nerhandlunge» und KeWsse» der R»bdineroech!nr»!nng!11 gcrliit. (Fortsetzung aus Nr. 27.) Nachdem Herr 1)1׳. Joel dergestalt das Ziel festgestellt hatte, galt es, den Kollegen die Berechtigung zu dem vorsichtig geplanten Reformwerke zu vindizircn, und der Redner vollbringt solches durch eine sehr feine Falschdeutung des Ausspruchs: יפתח בדורו כשמואל ״ .בדורוOie Alten" haben diesen Satz keineswegs ausgesprochen, um etwa der Ansicht enkgegenzutreten, ״daß Menschen erst gestorben sein müssen, um etwas zu bedeuten" und ״weil sic jeder Gegenwart Pflichten, aber auch Recht zutheilen," jo daß denn auch die versammelten Rabbiner sich die gleiche Autorität vindiziren dürsten wie die Tanaim, Soferim und die frommen Könige aus dem Davidshause. Wenn die bösen Orthsdoxen vielleicht oder gewiß anderer Meinung wären, so irrten sie sich gewaltig und lehnten sich gegen ״die Alten" aus. Daß das Verzeichniß der Rabbiner-

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