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Jeschurun · 1885-07-02 · Heft 27 (2.7.1885) · p. 427

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 27 (2.7.1885)
Article
Prozeß Stöcker gegen die Freie Zeitung
Date
1885-07-02
Page
427 (sequence 3)
Language
German
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.427;enZUNg zu beeinflussen, irgend etwas abzuschncideu, was nicht erheblich ist. Meiner übrigen richterlichen Uebcrzeugung, welche ich allein gar nicht zum Ausdruck bringen kann, präjudizirt dres :::!eurer Weise. Von diesem Gesichtspunkte aus bitte ich jede persönliche Auslassung auszusassen. — Ich schreite nunmehr zur Bernehmrmg der von der Bertheidiguug geladenen! Zeuge». — Zeuge Stadtv. Tutzaucr sagt aus, daß er in jener Versammlung, in welcher Ewald und Stöcker anwesend waren und ersterer sich gegen die Vorwürfe, mit letzterem bezüglich einer Vereinigung mit den Christlich-Sozialen pattirt zu haben vertheidigte, nicht zugegen gewesen sei. daher auch nichts Näheres über die Begegnung bekunden könne. In dem Lerhandlnngstcrmin in Sachen Ewald u. Gen. wider Berndt am 24. Januar d. I. ist Zeuge jedoch anwesend gewcse», als Herr Stöcker sagte, er. habe nicht versucht, mit ihm zu verhandeln und sehe Ewald überhaupt dort zum ersten Male. — Präsident: Ob dies nun richtig war, das wissen Sie nicht? — Zeuge Tutzauer: Das kann ich nicht behaupten und nicht bestreiten. — Präsident: Wurde denn nun da Herrn Stöcker vorgchalten: ״aber Ewald ist ja in der Versammlung gewesen, wo Sie zn ihm sprachen?" — Zeuge Tutzaucr Nein, in der Verhandlung nicht, aber später. Da schüttelten Viele aus dem Zuschauerraum die Köpfe, welche Herrn Stöcker in der Versammlung, zu der er von Herrn Ewald eingeladen war, gesehen hatten .und meinten: ״Herr Stöcker hat ja da mit Ewald gesprochen, selbst das Wort erhalten; Herr Stöcker hat sich nicht korrekt znm mindesten ausgedrückt, als er sagte, er sehe ihn zum ersten Male." — Es folgt nun die Vernehmung des Stadtv. Görcki als Zeugen. Präsident: Sind Sie in der Versammlung gewesen, wo Herr Ewald und Herr Stöcker erschienen waren und wo es sich darum handelte, ob er sich von seiner Partei getrennt und zur christlich-sozialen gegangen sei oder nicht? Wie war der Vorgang? — Zeuge Stadtv. Görcki: Ja, ich war damals anwesend. Unser Kollege Ewald war von einem gewissen Engen Richter im Parlamente angegriffen worden und, da diese Aussagen im Parlamente unwahre waren, so wollte er sich öffentlich schützen und hatte zu einer Versammlung Herrn Stöcker uni Herrn Richter eingeladen. — Präsident: Was war dies für ein Herr Richter! — Zeuge Görcki: Der bekannte Engen Richter. (Heiterkeit.) — Präsident: Ich muß doch meine Bitte von vorhin dringend der Zuhörerschaft gegenüber wiederholen. Fahren Sie fort. — Zeuge Görcki: Also in der Ver> sammlnng führte mein Freund Licfländer den Vorsitz, Herr Lücke war Schriftführer. Es wurde nun au die Versammelten die Frage gerichtet, ob Herr Eugen Richter oder Herr Stöcker .da wären. Engen Richter war nicht da, Stöcker war anwesend. Nachdem nun Herr Ewald sich vcrtheidigt hatte . . . Präsident: Wie waren denn die Plazemcnts, war da ein Podium? — Zeuge Görcki: Ja-wohl. — Präsident: Auf dieser saß Ihr Freund: — Zeuge: Ja' wohl. — Präsident: Wo fand sich Herr Ewald? — Zeuge: Auf dem Podium und sprach. — Präsident: Wo fand sich Herr Stöcker? — Zeuge: Minen in der Versammlung, ' bis er das Wort nahm und auf die Tribüne ging. Da richtete Ewald laut und deutlich an ihn die Frage: ״Herr Slöcker, ich richte an Sie die Frage . . . (Zeuge wendet sich hierbei direkt zurück an Herrn Stöcker.) — Präsident: Herr Zeuge, Sie sind hier nicht in jener Versammlung, Sie haben hierher zu sprechen. — Zeuge: Er sagte: ״Ich richte an Sie die Frage, bin ich mit Ihnen in Verhandlung gckreten: Auf Ehre und Gewissen!" ״Nein!" rief da Herr Stöcker und sprach hernach noch längere Zeit, warnte , die Arbeiter, wie er es gewohnlich thnt, gegen die Idee, die Ewald vertrat. Hernach wollte ich erwiedern aus Herrn Stöcker, cs kam aber Freund Kayser und sprach, und währenddem wurde aufgelöst. — Präsident: Also Ewald stand auf dem Podium und Stöcker ans der Tribüne? — Zeuge: Podium und Tribüne sind identisch. — Präsident: Sie waren also räumlich zusammen? — Zeuge: Jawohl. — Präsident: Also eng;usarnme»!, und haben Auge in Auge Worte gewechselt? — Zeuge: Jawohl; Ewald hat ja au Stöcker die Frage gerichtet. — Präsident: Sind Sie nun später darüber vernommen worben in der Sache Ewald und Gen. wider Berndt? - Zeuge: Ich war mir einer der Kläger, und die Vertherdiguüg von Berndt harte einen großen Apparat iu Bewegung gesetzt,!nie sie unseren Charakter verdächtigen könnte. — Präsident: Warum drehte es sich? -״ Zeugen: Man wollte uns allerhand unterschirven, daß wir würde!׳, käuflich sein u. s. w. und deshalb hatten wir geklagt. Die Benheidignng hatte also einen großen Apparat in Bewegung gesetzt, gegen 25 bis ‘30 Zeugen für den Beweis vorgeschlagcu, rnrter anderen auch Herrn Stöcker. Dieser sollte bekunden, daß Ewald mit ihm in Unterhandlung getreten sei. Herr Stöcker wurde vereidigt und ließ sich dahin aus: ״Ich kenne den Herrn nicht, ich habe nicht in Unterhandlung mit ihm gestanden, ich sehe ihn hier zum ersten Male." Da war ich so pcv'plcr. daß ich glaubte zuerst etwas sagen zu müsien, was ich aber nicht that, um nicht eine unliebsame Szene zn veranlassen, sonst hätte ich sofort daraus aufmerksam gemacht. Nachher wurde aber sehr deutlich ausgesprochen, daß sich Herr Stöcker in einem großen Jrrthum befunden, als er dies sagte. Es sagte Einer znm Andern: ״Wie konnte das möglich sein, daß ein solcher Vorfall aus dem Gedächtnisse Stöckers entschwinden konnte?" — Präsident: Ist der Herr Ewald in seiner Persönlichkeit irgendwie besonders bemerkbar? Was ist er für eine Persöulichkert? — Zeuge: Es ist ein Gesicht, wie man es nicht alle Tage zu scheu bekommt, er ist mitteler, kräftiger, untersetzter Statur, hat ansgeschorenen Backenbart. — Staatsanwalt Weichcrt widerspricht der Vernehmung des Zeugen.Kreutz und des Zeugen Etvald: ersterer ist noch nicht von der Verteidigung geladen, des Letzteren Ladung, wie oben mitgethcilt, nicht ausführbar gewesen. — Rechtsanwalt Sachs: Ich erkläre, daß die Vrrtheidigung auf die Zeugen Ewald, Kreutz und Tischler Beck nicht verzichten kann. — Rechtsanwalt Munckel: Ich glaube, der hohe Gerichts- Hof wird im Interesse deö Hospredigers Stöcker selbst eine recht eingehende Untersuchung dieser Angelegenheit nicht umgehen können. Herrn Stöcker wird unter Anführung deutlicher Thatsuchen ein Vorwurf gemacht, der doch nun daraus hiuausläuft eine falsche eidliche Aussage gemacht, daß heißt einen Meineid, mindestens einer׳ fahrlässigen Meineid — wenn nicht mehr — gemacht zu haben. Bei dieser Sachlage wird doch für den hohen Gerichtshof die Persönlichkeit des Herrn Ewald selbst von großem Werth sein. Herr Stöcker ist von Herrn Ewald selbst zu einer Versammlung eingeladeu;vorder!, es wird behauptet, daß er mit ihm bei Gelegenheit vou Vorfällen gesprochen, die sich als höchst auffällige dem Gedächtniß einprägcn müssen, und da ist es doch wohl Pflicht, riueu solchen Verdacht nicht in der Schwebe zn belassen, sondern ihn entweder zn beseitigen oder zur richterlichen Gewißheit zu erheben. Ich glaube, es wird der Zeuge Etvald geladen werden müssen, und cs wird der Herr" Mmrster des Innern seinen Wwdersiaud unter solchen Umständen ausgeben, da eine Gefahr bei der Hicr!;e!knnft Ewalds nicht vorliegt. — Staatsanwalt: Da der BewerSautraa sich ans einen zweiten Vorgang in einer Versammlung iu der Tonhalle erstreckt, so kann ich demselben nicht widersprechen und gebe dem Gerichtshof anheim, darüber zu entscheiden. — Präsident: Herr Zeuge Stöcker, wie stehen Sie denn zu re» Vorgängen in der Tonhalle? — Zeuge: Die Sachen liegen soweit hinter mir, daß ich die Nichtigkeit der behaupteten Thatsarhrn nicht bestätigen und auch nicht bcstreitcrr kan». Ich erinuere nrrch, daß em Mann in jener Versammlung in der Tonhalle unnütz war und hirrauSgrleitct wurde. Daß derselbe polizeilich sistirt worden ist, rveiß ich nicht. — Der Gerichtshof zieht sich hierauf zur Be׳ schlnßsassuug über dir Anträge der Brrtheidiger zurück. (F.f.)

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