Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1885)
- Article
- Reb Mausche
- Date
- 1885-07-02
- Page
- 423 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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423 meiner Stube noch einmal so unwirsch Vorkommen würden, wenn ich die Abende einfam in ihrer Mitte zubringen müßte. Also kurz und gut, cS kommen bei mir jeden Abend einige junge Leute zusammen, und wir vertreiben uns die Zeit mit allerlei Kurzweil, so gut es eben angcht, einmal besser, einmal ärger. Sehen Sie, die braven jungen Menschen üben ein wirklich gutes Werk, indem sie mich auf meine alten Tage nicht einsam verkümmern lassen, und ihnen geschieht auch kein großes Unrecht dabei — denn sie befinden sich recht wohl bei mir, wie sie selbst mich oft versichern. Also kurz und gut, Sie werden — Ei, warten Sie doch ein wenig — was ich da nicht Alles zusammenschwatze! — Sie sind doch Handlungöbeflissener, — wie?" ״Glauben Sie mir, mein Verehrlester, ich bedaure es aufrichtig, daß mich mein Vater nicht in die Heerfolge des geflügelten Merkur cingcrciht hat, aber wie die Sachen nun einmal stehen, läßt sich der Geschichte schwer abhelfen und-" ״Also nein," fiel mir.mein Gegenüber ungeduldig in die Rede, ״was sind Sie also denn, — etwa ein Handwerker? Ist mir auch recht." Das ging mir denn aber doch über die Gemüthlichkeitl War kein übler Kauz, den ich da vor mir hatte — weil'S ihm recht ist, mußte ich ein Handwerker sein! ״Aber was denken Sie sich, mein Herr," schrie ich am Rande der Verzweiflung, ״giebt es denn für Sie nichts auf dieser Welt, außer Kaufleuten und Handwerkern? Oder bin ich etwa so vierschrötig, daß Sie mich nothgedrungen für einen Schmied halten müssen, oder bin ich so fadenscheinig und durchsichtig dünn wie ein Flickschneider?" Der kleine Mann machte eine besorgte Miene und kraute sich nervös im kurzen Bart. Er murmelte etwas so leise, daß ich es offenbar nicht hören sollte. Ich hörte es aber dennoch: ״Ein hartgesottener Kerl, der — schwer fertig zu werden mit dem!" Dann sagte er laut: ״Aber Etwas müssen Sie ja doch sein!" ״Darüber ließe sich im Nothfalle auch noch streiten," versetzte ich mit einem Anflug von Mißmuts), denn der Wind hatte mich mittlerweile so abgekühlt, daß mich ein Frostschauer überiicf. ״Ich kenne Leute, die wirklich absolut nichts sind, es wäre denn, daß man Aufdringlichkeit für etwas nehmen wollte." In dem heitern Gesichte des guten Alten spiegelte sich auf diesen Hausmeister mäßig groben Ausfall eine tiefe Betroffenheit ab. Er murmelte verwirrt wieder etwas, was ich aber nicht mehr verstehen konnte, machte Kehrtum und trippelte eilig von dannen. Jetzt aber war die Reihe des VetrosfenseinS an mir. Eine tiefe Beschämung überkam mich wegen meiner Pöbelhastigkeit und drückte mich schier zu Boden. Wodurch hatte denn jener freundliche, heitere Greis die rohe Verletzung verdient? Ich schämte mich 'vor mir selbst und empfand eine jo tiefe Reue, wie sie nur das Bewußtsein der größten Ruchlosigkeit erwecken kann — ich fühlte, daß ich nicht zur Ruhe werde kommen können, bevor ich den alten Mann versöhnt habe. Ich sprang ihm nach und hatte ihn in einigen Sätzen eingeholt. ״Mein Herr." stammelte ich, nicht wagend, ihm ins Angesicht zu schauen, ״verzeihen Sie mir — eine mir selbst unbegreisliche Gereiztheit — Brutalität—" ״Sie haben sich also anders besonnen," rief der Greis im srühern ungetrübt heitern Tone, als wenn nichts vorgefallen wäre, ״Sie wollen mir also doch sagen, was Sie sind?" Es wäre nur lieber gewesen, wenn mir der alte Mann einen gelinden Verweis erthcilt hätte — denn, daß er harter Worte unfähig ist, das hatte ich im Vorhinein geahnt. — Dieser hohe Edelsinn aber, auf welchen die empfangene Verletzung nicht den geringsten Eindruck gemacht zu haben schien, machte mir die Last des Schuldbewußtsein noch unerträglicher. (Fortsetzung folgt.) riumphe. Von Jedidjah. Horch! die Fanfaren tönen durch die Straßen — j Aus, Volk von Rom, der Triumphator naht! 1 Wirf jubelnd ihm des Ruhmes Lorbeerkränze,? Ihm werd' der Dan? vom ganzen Römerstaat. > Er zwang ins Joch den eisenharten Nacken i Des Volks, das dir zum Kampf sich kühn gestellt, > Von dessen Schwert das Nömerblnt vcrgosien? Des KidronS ärmlich Wasser angeschwellt. i Die Thore sind erstürmt, die Mauern sanken, Herodes' Bau Morijah nimmer schaut, Die Tempelburg ein wüster Trümmerhaufen, Auf deren Schutz das zähe Volk vertraut. Den Diener Gottes zwang der Götzendiener — Der Tempel Jupiters stolz strahlend steht,' Und im Triumph zum Dienst den Götzenbildern Schleppt jetzt der Heede heiliges Geräth.