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Jeschurun · 1885-06-25 · Heft 26 (25.6.1885) · p. 407

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 26 (25.6.1885)
Article
Die Juden Roms
Date
1885-06-25
Page
407 (sequence 2)
Language
German
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waren, loskcmfen mußten. Es läßt sich Nachweisen, daß gar manche Judcnverordmmgen nur erlassen wurden, u!n für die Wiederaufhebung derselben die Juden stets von Neuen! brandschatzen zu können. — Man zwang sie, bei dem Karneval zur Belustigung des Pöbels, des hohen wie niederen, in für sie kränkender und entehrender Weise mitzuwirkcn; zuerst mußten sie einen Zehnten bezahlen, später bei den Wettrennen mitlaufen; eine Deputation der jüdischen Gemeinde wurde gezwungen, bei dem Fcstzuge in possierlichen Kleidern dein römischen Magistrate voranzugehcn, um so der Lachlust der Zuschaucrmcngc Stoff zu bieten. Außerdem mußten sie zu den Kosten der Feste N 30 Gulden beisteuern; es wird in den betreffenden Erlässen ausdrücklich erklärt, daß der Bruch von 30 Gulden nur zur Hauptsumme geschlagen wurde zur Erinnerung an die 30 Silberlinge des Judas. Das Unrecht allein genügte eben nicht, es mußte sich mit Beleidigung und Kränkung paaren, und dabei hatte man die Menschenliebe in Gcneralpacht! Im Jahre l 668 hob Clemens IX. die Verpflichtung zur persönlichen, passiven Thcilnahme au den Volksbelustigungen auf, dagegen wurde ihre Beisteuer auf 1800 Kronen erhöht. Eine der erniedrigsten Beleidigungen mußten die Juden sich gefallen lassen, wenn ein neuer Papst den Thron bestieg. Eine Deputation mit dem Rabbiner, die schwarz eingehüllte Thorarolle im Arme, an der Spitze, hatte sich am Wege, den der neue Papst entlang kan!, aufzustellcn; wahrend der Rabbiner huldigend vor dem Papste kniete, mußte er ihm die Thora anbieten, die dieser nach einem flüchtigen Blicke darauf mit den Worten zurückwies: ״Wir ehren das Gesetz, aber verurtheilen euch, denn das Gesetz ist erfüllt durch das Werk des Erlösers, den das Volk Israel in seiner Blindheit noch erwartet." Nach dieser harten Beftrafung zog der Papst weiter, und der Pöbel benützte die gute Gelegenheit zur Verhöhnung der Juden; daß es dabei auch zu Gewaltthätr'gkeittn kan!, bedarf ja kaum noch erwähnt zu werden. In früheren Zeiten mußten die Juden vor der Anbietung der Thora erst eine Steuer in Gold oder Waare erlegen;, so stndet sich in alten Chroniken verzeichnet, daß sie unter den Gewürzen auch ein Pfund Pfeffer und zwei Pfund Zimmt zu liefern hatten. Unter den Päpsten, die den Juden einiges Wohlwollen erzeigten, verdient Sixtus V. in erster Reihe genannt zu werden. Im Jahre 1586 erließ er eine Verordnung, daß alle Vergünstigungen, welche den Juden von seinen Vorgängern bewilligt worden, aber wieder abgeschasst oder in Vergesjenheit gerathen waren, wieder hergestellt sein sollten. Es wurde ihnen darin gestattet, sich in allen Städten des päpstlichen Reiches niederzulassen, jeden Beruf ausznüben, sich dem Handels in allen Artikeln mit Ausnahme von Fleisch, Wein und Gcireide zu widmen, mit Christen Verbindungen anznknüpfcn und zu unterhalten und, was früher strengstens verboten war, in den christlichen Schlächtereien Einkäufe zu besorgen. Sic dursten Schulen und Synagogen errichten, einen eigenen Begräbnißplatz anlegen, und die christlichen Hausbesitzer mußten ihnen die Wohnungen zu gleichen Preisen wie an Christen vermiethen, während Paul IV. verordnet hatte, daß der MiethprciS für Juden um ein Drittel höher berechnet werden nlüsse. Ferner erlaubte ihnen SixtuS V. hebräische Bücher zu haben, doch dürften diese nichts enthalten, was gegen die katholische Kirche streitig war, und außer manchem Anderen wurde auch das besondere Erkennungszeichen als Jude, der gelbe Fleck, eine gelbe Tafel auf der Brust, eine rothe Mütze und dergleichen, abgeschafft. Unter seinen Nachfolgern, besonders unter dem argen Judenfeinde Clemens VIII., gingen diese Errungenschaften jedoch nach und nach wieder verloren. Die oben erwähnte erniedrigende Art des HuldigungS* aktes bei Antritt eines neuen Papstes scheint im Anfänge des siebzehnten Jahrhunderts in Wegfall gekommen zu sein, natürlich wurde die Judcnsteuer dafür entsprechend erhöht, auch mußten sie dasür einen Theit des Weges, den der Papst entlang kam, vom Titusbogcn bis zmn Kolosseum, auf ihre Kosten ausschmücken. Dieser barbarische Zwang, ein Denkmal verzieren zu müssen, das zur Erinnerung au den schmerzlichsten Theil ihrer Geschichte errichtet worden war, blieb übrigens bis׳- in unsere Zeit bestehen, und die Jahrbücher des römischen Hofes enthalten in ausführlichster Weise die Beschreibung des AntheilS, welchen die Juden bei den Krönungen Gregor XVI. und Pius IX. zu nehmen hatten. Die meisten Päpste ließen es sich stets sehr angelegen sein, die Juden zum Christenthume zu bekehren. Den Predigten in den Kirchen in der Nähe des Ghetto mußte stets eine große Anzahl Inden beiwohnen, und cs waren besondere Aufseher angestellt, um die Abwesenden zu notircn, die daun bestraft wurden. Der Erfolg dieser Bekchrungsversuche war jedoch ein sehr geringer, in trauriger Weise crwähnenswerth ist vielleicht der ÜebcrtriU eines gewissen Elia, der in der jüdischen Gemeinde eine sehr hervorragende Stellung einnahm; er war mit dem Kardinal Ghislicri gut bekannt, und ans dessen wiederholte, oft im Scherz gethane Frage, wann er sich endlich Laufen lassen wolle, enviderte er einst lachend: ״Wenn Du Papst wirst." Indessen Ghislieri wurde wirklich zum Papst gewählt, und sobald er als Pins V. den päpstlichen Stuhl bestiegen, forderte er Elia auf, sein Wort einzulösen. ES scheint, daß dieser sich nicht allzu sehr gesträubt hat; nur hatte sein Uebertritt die traurige Folge, daß m Folge seine-

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