Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1885)
- Article
- Über Israels Wohlstand
- Date
- 1885-06-25
- Page
- 406 (sequence 3)
- Language
- German
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406 zugleich auSgcdrückt, wie dieser Wohlstand faktisch nur der besonder!! göttlichen Fürsorge zu verdanken sei. — Aber dies wird leider von den anderen Volksstümmcn, in deren- Mitte Jakobs Rest weilt, nicht anerkannt. והיה שארית יעקב נידם, בקרב עסיס רגיש es gilt der Ucberrcsl Jako'd's den gewissen Volksstammen im Kreise vieler Völker ״als wäre er ein Löwe unterm Gethicr des Waldes," ein junger Leu unter Schaf- Herden, so er einbricht niedertritt und zermalmt, und vor dem keine Rettung ist!" Als Unterstützung dieser letzteren Anschauung wird gewöhnlich auch die Anklage ins Treffen geführt, daß die Inden vorzugsweise die gemächlichere, größeren Gewinnst in Aussicht stellende Handels-, Bank- und Wechsel Brauche kultiviren, daß sie aber die eine anstrengendere ThätigkeiL erheischenden und minder hohen Profit vcrsprechenden Erwcrbszweigc, als: Landwirthschaft, Kunst und Industrie scheuen und meiden. Die -Haltlosigkeit dieser Anklage crgiebt sich jedoch bei jeder objektiven statistischen Untersuchung und ist eben jetzt wieder durch die ungarische Bandes-Ausstellung in glänzender Weise bestätigt worden. Nicht weniger als 60, sage Sechzig Prozent der Aussteller sind Juden, und gerade auf dem Gebiete der Agrikultur, Kunst und Industrie stehen die Juden.mit dem größten Kontingente da. ES ist nicht zu verkennen, daß dieses AuSstellungS-Resultat für die ungarische Judenheit einen glänzenden Sieg bedeutet. Denn es ist Thatsache, daß seitdem der Antisemitismus hier zu Lande in merklichem Niedergange begriffen ist; die judenseindliche Presse wagt auch nicht mehr eine herausfordernde freche Sprache. Der jüdische Fleiß und Arbeitssinn hat also wieder einen Sieg zu verzeichnen, auf welchen — um unfern Text auSzuführen — anspielungsweise die Worte angewcndet werden können: הרוס ידך על צריך. Indem Deine Hand, Deine wirthschaftliche und gewerbliche Thätigkeit, sich hoch über Deine Widersacher erhebt, da müssen alle Deine Feinde zu Nichte werden und -er Mund Deiner Ankläger;miß verstummen. —- בל כלי יוצר עליך לא יצלה ובו׳. Die Men Roiiig?) 8. Die Geschichte -er Juden in Nom ist eine sehr schmerzensreiche, sic hatten von dem Hasse der Heiden wie von der Erbitterung der katholischen Kirche zu leiden, während der Kämpfe zwischen Hcidcnthum und Christenthurn befanden sie sich wie zwischen Hammer und AmboS. *) Nach einem Aussätze in der »vibtiotbsgne Univer■ 8elie et R<=tuö suisse,“ Als Pompejus Judäa besetzte, kamen zuerst Inden nach Nom, ihnen wurde ein Stadttheil jenseits der Tiber zum Wohnsitze angewiesen; unter AugustuS stieg ihre Zahl auf 8000. Ihr Loos war ein sehr Wechselvolles und von der Laune des jeweiligen Herrn von Rom abhängig, gerade so wie später unter den Päpsten. In ihren Gesinnungen den Juden gegenüber reichten Heidenthunt und Ehristenthnm sich brüderlich die Hand. — Die römischen Inden widmeten sich den! Handel und verrnitteltcn besonders die Einfuhr von Spezereien und kostbaren Stoffen des Orients. Verschiedene Mitglieder der jüdischen Gemeinde wußten sich bereits in den ersten Jahrhunderten eine sehr geachtete Stellung in der Gesellschaft zu erwerben. Der Sohn eines von diesen, Pierro Leone, begab sich, nachdem er seinen Glauben abgeschworen, in das Kloster von Ennh, empfing von Papst Pascal II. den Kardinalshut und wurde später als Anaclct II. zum Gegeupapst gewählt. Einzelne Juden wurden selbst an die päpstlichen Höfe zugelassen, besonders wenn man ihre guten Dienste als Aerzte in Anspruch nehmen wollte. Die Gemeinde als solche wurde jedoch stets mit Härte und Verachtung behandelt, und man könnte Bücher voll schreiben, wollte man all' die Beschlüsse aufzcichnen, die von den Päpsten erlassen wurden, um Juda'S Sklavcnketten fester und sester zu schmieden, zuweilen auch, um sie etwas zu lösen. Letzteres ließ n׳.an sich in der Regel gut bezahlen. Der Schachcrgeist ist durchaus nicht spezifisch jüdisch, er ist cs nie gewesen. Ein Jahr vor seinem Tode ließ Papst JnnocenzIII. durch eine Kirchenversammlung seinen Befehl bestätigen, daß die Juden ein Abzeichen tragen sollten, an dem sie sofort zu erkennen wären. Johann XXIII. behandelte sie wohlwollender und richtete Briefe an die Kirchensürsten, in denen er sie ermahnte, mit den Juden sanfter zu verfahren, doch verletzte auch er ihre religiösen Ueberzeugungen ans die fühlbarste Weise, als er den Talmud verdammte und verbrennen ließ. Trotz mancher kleiner, durchschnittlich sehr unsicherer Vergünstigungen, wurden die Inden von den Päpsten stets als verächtliche Geschöpfe behandelt, deren Berührung entehrend sei und mit bei Würde des katholischen Glaubens sich nicht vertrage. Es war den Christen verboten, bei ihnen zu dienen, mit ihnen zu essen, ihr Zcugniß vor Gericht anzurufen, mit ihnen unter einen! Dache zu wohnen; auch das Recht, sich zu gemeinsamen Religionöübungen zu versammeln, wurde ihnen wiederholt bestritten, aber ihr Geld wußten dieselben Päpste sehr wohl zu schätzen. Pins II. legte ihnen im Jahre 1459 unter dem Vorwände eines Beitrages zu den Kriegskosten gegen den Sultan eine besondere Steuer auf, wie die Juden gar oft mit schwerem Gelde sich von gewissen Verpflichtungen, die krankend für ihren Glauben