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Jeschurun · 1885-06-25 · Heft 26 (25.6.1885) · p. 405

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 26 (25.6.1885)
Article
Über Israels Wohlstand
Date
1885-06-25
Page
405 (sequence 2)
Language
German
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405 zermalmend — ohne Rettung!" — BemerkenSwerth ist ferner, daß der diesen beiden Versen gemeinsame Einleitungssatz והיה שארית יעקב ובו׳ im zweiten durch den Zusatz בנוים erweitert wird. Wir können aber in diesen prophetischen Verkündigungen eine sehr treffende Eharaktcrisirung dessen finden, wie der mit dem siegenden Humanismus fortschreitende Aufschwung und Wohlstand des jüdischen Stammes in Mitte der anderen Volksstämme zu bcnrthcilcn wäre und wie er andererseits bcurtheilt wird. Allerdings mag eö so Manchem als ausfallende Erscheinung gelten, daß der jüdische Stamm, dem vor einem halben Säkulum noch fast alle Wege, die zum Erwerb und Wohlstand führen können, verschlossen waren, dennoch selbst unter den niedrigen Ghetti-Dächcrn cs zu einer gewissen Wohlhabenheit bringen konnte, die so häufig den Neid unb die Beutcgier des Herrschcnden VolkSstamnics rege machte. Und kaum, daß ihm eine gerechtere Anschauung die so lange vorenthaltenen Menschenrechte eingcräumt und die Pforten zu Erwerb, Besitz und Rang eröffnet hatte, hat dieser Stamm allenthalben ein rasches Aufblühen bekündet und sich bald in den meisten zivilisirten Staaten eine Stellung errungen, die kräftig in die Entwickelung des sozialen Lebens mit tausend Armen eiugreift. — Es haben daher ältere und neuere ethnographische Forscher vielfach versucht, die Charakterisirung dieses merkwürdigen Volksstammes mit seiner ausgezeichneten Erwerbs- und Entwickclungsfähigkeit zum Gegenstände ihrer Studien zu machen; doch hat das Vornrthcit der polemischen und die nicht von aller Voreingcnommenheit freie Darstellung apolopctischcr Schriftsteller die Urtheile über eS nur verwirrt, so daß eö noch manchen Federkampfes bedarf, ehe cs gelingen wird, einer richtigen Auffassung die erwünschte Geltung zu verschaffen. Wir rechtgläubige Israeliten bedürfen zur Lösung dieses Problems keiner tiefen Studien. Wir fühlen uns überzeugt, daß jede günstige Wendung im Geschicke des jüdischen Volkes, daß der Aufschwung sowohl einzelner unter uns zu Neichthum, Rang und Ehren gelangten Persönlichkeiten, als der der 'jüdischen Gesammtheit, auf jene besonders über uns waltende göttliche Vorsehung השתהה פרטית zurückzuführcn sei, deren wir auch in der Zerstreuung allenthalben thcilhaftig werden. Wir erkennen cS gläubig an, daß der Herr es ist, der in die Geschicke der Einzelnen wie der ganzen Volksstämme eingrcift, daß Er cs ist, der die Zeit gekommen sah, um das so lange im Staub der Niedrigkeit, der Noth, der Dürftigkeit und des Elends schmachtende Häuflein Israel emporzuhcbcn, ihm seinen reichen Segen angcdeihen zu lassen und es in der Völker Kreis zu Wohlstand, Rang und Ehren zu bringen. Das ist für uns der genügende und beste Aufschluß zur Würdigung unserer so rasch aufblühenden und sich entwickelnden Stellung in der Gegenwart. Die nicht gläubigen jüdischen, wie auch die mit minderer Voreingenommenheit urtheilenden nichtjüdischen Forscher finden die natürliche Erklärung des so rasch sich entwickelnden jüdischen Wohlstandes in den diesem VolkSstammc angeblich besonders cigenthümlichen sozial׳ wirthschaftlichcn Vorzügen, als da sind: Arbeitsamkeit, Fleiß. Betriebsamkeit, Emsigkeit, Wirthschaftlichkcit, Sparsamkeit, Nüchternheit, Mäßigkeit re. re. — Diese Auffassung beruht allerdings insofern auf Nichtigkeit, als ja eben die Entfaltung dieser Tugenden und Fähigkeilen daS Medium bildet, durch welches der בהשגחה פרטית UNS bestimmte himmlische Segen auf natürliche Weise בדרך הטבע uns zngcführt wird, wie es ja auch der Weiseste, aller Sterblichen ausgesprochen *ויו חרוצים תעשיר. Doch wie wird das Aufblühen jüdischen Wohlstandes in den feindlich gesinnten nichtjüdischen Kreisen bcurtheilt? Da heißt eS gleich: die Juden haben einen zähen, erfinderischen Schachergeist, sind gcborne Wucherseclcn; mit dem ihnen natürlichen Nasfinemeut vcrstehen sie es, die schwachen Seiten der nichtjüdischen Bevölkerung für sich auszubcutcn; wo ein Jude Wurzel faßt, da ist bald der Wohlstand des KlcinbürgerthnmS untergraben; wo Juden geschäftlich dominircn, da zeigt sich bald zu deren Gunsten eine große Verschiebung des unbeweglichen Gutes — denn die Juden sind rechte Vampyre, ihren tausendfachen Fangarmen kann man nicht so leicht entgehen; jählings fallen sic über ihr Opfer her und rasten nicht, bis sie ihm alles Blut und Mark ansgesogcu und ihn seines ganzen Besitzstandes beraubt haben; die Wirthe, Hansirer, Handelsjuden am Lande betreiben cs so in niedern Kreisen im Kleinen — die Großhändler, Bankiers in den Städten machen cs so in höheren Kreisen im Großen — und so kommt cS, daß die Juden immer reicher, die Christen aber ärmer werden re. :c. So der Liebenswürdigkeiten mehr, die wir täglich in der antisemitischen Presse zum Besten bekommen; Anklagen, die ebenso wenig begründet sind, wie die Eingangs unserer Sidrah angeführte moabitische Befürchtung עתה ילחבו הקהל הזה ובו׳. Also urtheilt ein leider nicht geringer Theil der nichtjüdischen Welt über jüdische Wohlhabenheit. Die Charakterisirung der im Vorhergehenden dargelegtcn Auffassungen finden wir in den Worten unseres Haphtora-Propheten treffend wiedergegeben. ״Und es wird sein der Ucberrcst Jakobs in der Mitte vieler Völker, wie Thau vom Ewigen u. s. w." In diesem Bilde wird der einstige Wohlstand und Aufschwung des jüdischen Stammes in Mitte anderer Volksstämme durch den Propheten vorausgesagt und

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