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Jeschurun · 1885-06-18 · Heft 25 (18.6.1885) · p. 392

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 25 (18.6.1885)
Article
Prozeß Stöcker gegen die Freie Zeitung
Date
1885-06-18
Page
392 (sequence 4)
Language
German
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391 wohlthätigen Zwecken bestimmte Gelderzu Wühlzwecken benutzt Huben, zu fügen. — .Zeuge: Das ist absolut unwahr. Zeuge erzählt, daß bei Begründung der christlich-sozialen Partei ein ftreinib eine Summe von 2000 Mk. zur Begründung eines Jnvaliderihauses gespendet habe. Dieselbe sei leihweise für akute Zwecke hergegeben worden, sie sei aber im Besitze der Partei geblieben und regelmässig verzinst worden. — Präsident: Sic bestreiten also in Uebereinftimmnng mir dem Zeugen Grüneberg, daß Sie jemals eine Vermischung der verschiedenen Kassen haben stattfinden lassen? — Zeuge: Das bestreite ich ganz entschieden. — Rechtsanwalt Sachs: Ich frage den Zeugen, ob die 2000 Mk. etwa die für das .,Wilhelmsheim" gesammelten Gelder waren? — Zeuge: Herr Präsiden, ich bitte, Last ich nur Ihnen und nicht den beiden Bertheidigeru zu antworten brauche. — Nachdem der Präsident darauf ausmerksanr gemacht, daß eine solche Fragestellung allerdings zur Besugniß der Bcrtheidignng gehört, antwortet Zeuge, daß jene 2000 Mark für das Wilhelmsheim ihn absolut nichts angehen. daß dies nur den ״Staatssozialist" betreffe und das seines Wisiens die Summe auch au die v. Bodelschwingh'scheu Arbettcrlolonien gegangen sei. — Präsident: Was wissen Sic über Herrn Löschmann? — Zeuge: Ich habe gewußt, daß Herr Löschmann wegen Unterschlagung von Mündelgeldern bestraft worden war; er war mir aber von geistlicher Seite empfohlen worden, und da die Besserung bußfertiger Strafgefangener ein Theil meiner Lebcnsaufgäbe ist und ich weiß, das es nichts Ungewöhnliches ist, wenn talentvolle Leute, die im Leben einmal Schifsbcuch gelitten haben, bei der Presse beschäftigt werden, so habe auch ich nichts darin gefunden Herrn Locfchmann zu beschäftigen. Derselbe war für die ihm gestellte Aufgabe aber absolut unfähig. — Rechtsanwalt Sachs: Geben Sie zu, daß Sie in öffeutiidjer Rede es als eine Hauptaufgabe der Presse hingestcllt haben, daß sie nur moralisch intakte Menschen anstelle. — Zeuge: Das gebe ich zu. — Präsident: Sie geben auch wohl zu, daß der Portier Aschenbrenncr in dem Parteiblatt beschäftigt war? — Zeuge: Auch das gebe ich zu. — Präsident: Wie war die Sache mit Ihrem Amtsbruder Witte? — Zeuge: Ich gestehe zu, daß ich seiner Zeit mit Herrn Grüneberg über Herrn Pastor Witte gesprochen habe. Ich besinne mich, daß ich meine Mißbilligung darüber auögesprochen habe, daß Pastor Witte selbstständig mit einer Wahlagitation hervortrat. Ich habe mich etwa dahin geäußert, daß ein Mann, der selststäudig mit einer konservativen Agitation ins Leben tritt, doch vor allen Dingen solche Sachen nicht treiben sollte. — Präsident: Was den für Sachen? — Zeuge: Es kam einmal ein jetzt verstorbener adliger Herr zu mir und überreichte mir eine auch vom Prediger Witte uuterzeichnrte Bittschrift, die dahin ging, daß ein jüdischer Lvmmcrzieurath den Titel ״Geheimer Kommcrzicnrath" erhalten sollte. Ich habe meine Unterschrift natürlich abgewicsen. — Präsident: Und in welcher Weise haben Sie etwaige ״Geschenke" damit in Verbindung gebracht? — Zeuge: Wir hatten seiner Zeit einen Bazar für das- Oberlinhans. Für denselben erhielt ich von jenem Kornmerzicnralh ein Pianino, ich dankte ihm sehr dafür, war aber nachher um so erstannler, als mir dann die Bittschrift für denselben Herrn überreicht wurde.—Präsident: Wie war der Name des betreffenden Herrn? — Zeuge: Ich glaube, es war Cäsar Wollheim. Nach kurzer Pause legt Rechtsanwalt Sachs dem Zeugen Stöcker die Frage vor, ob er nicht Vorträge gehalten, in denen er zum Beweise, daß nach dem Talmud die Juden es mildem Eide nicht genau zu nehmen haben, sich ans den berühmten Talmudisten Simon May bezogen habe. Dieser sei rin bereits wegen Unterschlagung mit Gefängnis; bestrafter Mensch und habe ft'.ne Strafe in Prötzemee abgebüßt. Möckers Früher;?׳.ihm Simon May absolut nnbelannt geblichen. Nicht au; die;en, sondern ans Doktor Morgenstern hcrbe er sich bezogen, daß das Zolnidrr- Gebet eine Entartung der jüdischen Gebete sei. Als er mit dem Prosesssr Strack in Streit gericth, habe sich ihm Herr Simon May vorgcstellt. Aus die bei einer Redaktion eingezogene Erkundigung sei ihm May als ein wahrhafter und redlicher Mann bezeichnet worden. Erst später habe er einen Brief erhalten, in welchem Mittheilung von der VorLcstrafung des May gemacht wurde. Er habe diesen dem May übersandt mit der Aufgabe, entweder zu klagen oder vom öffentlichen Leben abzutrelen. Durch die Beweisaufnahme soll sodann sestgestellt werden, ob Herr Stöcker seiner Zeit die Unwahrheit gesagt, als er behanpiete, er habe sich seiner Zeit auf der bekannten thüringer Kirchenkonferen; zu Eisenach am 2. und 3. Mai 188k bei der Frage der Berufung eines orthodoxen ProseflorS ' nach Jena gar nicht an der Debatte betheiligt. Superintendent Braasch in Jena hat bekanntlich in einer Broschüre und in öffentlichen Erklärungen das Gegcittheil behauptet. — Hofprediger Stöcker: Dies sei eine der größten Infamien, die mit diesem Thema bcrührt werde, und daß so etwas von Seiten einer theologischen Fakultät geschehe, mache die Sache nur noch trauriger. Er habe auf der Kirchenkonferen; einen Vortrag über ״moderne Theologie" gehalten. Nach dem Vortrag habe als zweiter Theil eine Petition um die Berufung eines gläubigen Professors nach Jena auf der Tagesordnung gestanden. Er habe vorher von diesem zweiten Theil gar nichts gewußt und trotzdem sei dieser Antrag von der Fakultät in Jena mit unbegreiflicher Leichtsertigkeit ihm in die Schuhe geschoben. Die theologische Fakultät sage völllg Unwahres und er könne auch gar nicht begreifen, wie der Dekan Hase bei seinem Alter und seiner Würde sich solche Unwahrheiten erlauben darf. Die Broschüre des Superintendenten Braasch strotze von Unwahrheiten. Er habe sich an der Debatte über den zweiten Punkt nicht betheiligt. Ein junger Pfarrer Zink habe ein Gewiffensbedeuken angeregt, indem er es als einen Gegensatz hinstcllte, daß man zuerst der modernen Theologie auf Kanzel und Katheder das Bürgerrecht abspreche und dann um Gleichberechligung mit derselben Petitisniren wolle. Da habe es eine gewisse Stille gegeben und der Leiter der Versammlnng habe sich min an ihn mit der Frage gewandt, wie er darüber denke. Da soll ich denn gesagt haben: Wir fordern in Jena nur unser Recht? Wenn man ihn oussordcrte, habe er nicht stumm bleiben können, wenn er aber nichts weiter sprach als jene sechs Worte, so habe er damit doch das Bestreben bekündet, sich nicht an der Debatte zu betheiligen. ״Ich habe mich auch nicht daran betheiligt, ich bin gefragt worden und habe aus diese Frage kurz geantwortet, daß ist alles. Pfarrer Zink, der ein ehrlicher Mann war, was man nicht von sämmtlichen Herren sagen kann, hat in einem vorliegenden Briese eine vollständig richtige Auffassung der Sache bekundet. Es waren bereits Monate vergangen, als lch mit vollem Rechte behauptete, mich mit keinem Worte an der Diskussion betheiligt zu haben und jeder ebenso unbefangene Mensch, wie Herr Pastor Zink, muß mir Recht geben. Da kam aber Herr Braasch mit seiner Broschüre, um mich der Unwahrheit zu zeihen, während doch die FaruliSi in Jena mit gröblichen Unwahrheiten begonnen und Herr Braasch diese Unwahrheiten in seiner Broschüre sortgesctzt hat." — Superintendent Braasch: Ich bin in Eisenach selbst gewesen und habe mit meinen Ohren selbst gehört, das Hofprediger Stöcker einzegrissen hat in die Debatte über die Frage der Berufung eines orthodoxen Professors nach Jens und zwar eingegriffen in einem kritischen Moment. Als Hosprediger Stöcker später dieses Eingreifen ableugnrte, hat mich daso empört, daß ich in meiner Broschüre darauf zuckkam. Hätte der Herr Hofprediger SScker einfach erklärt, daß er sich getäusch! hatte, indem -r behauptete: ״Ich habe mich mit keinem Wort betheiligt," so würde ich darauf nicht weiter znrückgekommen sein. Da Herr Stöcker statt dessen aber, sich darauf beschränkte, nun die Bedeutung seiner Worte nach seinem

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