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Jeschurun · 1885-06-11 · Heft 24 (11.6.1885) · p. 381

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 24 (11.6.1885)
Article
England : London [Nachricht]
Date
1885-06-11
Page
381 (sequence 2)
Language
German
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381 fange die schmerzlichen Gefühle, welche unsere ko»- tincntalcn Brüder ob bei* ia^U&cn Angriffe bc[cc!c!1. Ich halte cö nicht für interesselos, als ein Moment auf die Kämpfe hinzuweisen, welche seiner Zeit hier in England für die Emanzipation der Inden geführt wurden. Bor mir habe ich die Verhandlungen des Oberhauses vom l. August 1833, über die Gleichstellnug der Juden, ans welchen ich das Folgende mitznthcilcn mir erlaube. Der Erzbischof von'Dublin sagte u. A.: ״Ich suhle mich berufen, die Gründe meiner Abstimmung zu Gunsten der Bill darznlcgen. Ich beginne mit der Behauptung, daß die Beweissührung den Gegnern der Bill obliegt. Können die Gegner keinen Grund für die Fortdauer der Beschräuknngen angeben, so müssen diese, da sic schlecht an sich sind, fallen. Die Gegcngründc aber sind zwiefacher, Lheils politischer, thcils religiöser Art. Ich werde mich so viel wie möglich aus die letzteren beschränken, da ich, als Prälat, politische Erörterungen gern vermeide. Man hat gesagt, daß. da die Inden dem alten Erbe ihrer Väter wicdergcgebcn zu werden hofften, sie dem Staat, den sie bewohnen, keine innige, warme Auhänglichkeit zollen könnten. Es fehlt indcß dieser Be- Häuptling der Beweis, daß bürgerlicher Gehorsam von Glaubenssätzen abhängt; sie ist daher bedeutungslos um so mehr, da die Erfahrung aller Nationen, unter welchen Juden wohnen, ihr widerstreitet. Man hat gesagt, daß, da der Jude das Christeuthnm tadelt und ihm Hohn spricht, er nicht Mitglied eines christlichen Parlaments sein darf. Ich gebe zu, daß cS nicht leicht ist, dieser Einwendung zu begegnen: denn das Parlament macht Gesetze für die herrschende Kirche; man kann also fragen, ob, wenn eS auch den Anspruch der Inden zugiebt, eine Stimme zu haben bei der Abfassung der Gesetze, denen sie gehorchen, bei .der Auslegung von Stenern, die sie zahlen sollen, — ob man ihnen denn auch gestatten wolle, an der Gesetzgebung für die Angelcgenheiten einer christlichen Kirche Autheil zu nehmen? Indcß paßt jede Antwort auf diese Frage auch auf die katholischen uud preSbhtcrianischen Parlamentsglieder. Warum soll ein Katholik für eine protestantische, ein Presbyterianer für eine episkopale Kirche Gesetze machen? Hat nicht ein Jude so viel Recht dazu, wie beide? Die Sache ist die, daß das Parlament überhaupt keine andere, als bürgerliche Funktionen ausüben, die Kirche aber nur von ihren Mitgliedern Gesetze empfangen sollte; sic sollte von einer aus ihrer Mitte gewühlten Behörde geleitet werden und vom Parlamente so wenig, wie die Mährischen Brüder, die Onüker und andere Sekten abhängen. Die gegenwärtige Anomalie wird so lange bestehen, als die gesetzgebende Gewalt sich um kirchliche Angelegenheiten bekümmert. Was mich betrifft, will ich aus Grundsatz lieber einen achtbaren Inden an der Gesetzgebung für eine christliche Kirche The׳.! nehmen lassen, als einen, der sich zu einer feindlichen christlichen Sekte bekennt. Je näher verschiedene Sekten einander in ihren Glaubenslehren sichen, desto eingewurzelter ist ihr Haß, desto unversöhnlicher und blutiger sind sie in ihrer Verfolgung. Oie ganze Geschichte beweist die Wahrheit dieses Satzes aus eine nur allznschmcrzliche Weist. Niemand wird heutzutage religiöse Verfolgung im Allgemeinen verthcidigcn; Jeder wird zugeben, daß sie sich nur als ein Mittel der Selbsterhaltung, als Schutzmittel gegen religiöse Verderbniß oder bürgerliche Gefahr rechtfertigen läßt. In keiner dieser Beziehungen aber ist es gut zu heißen, daß die Inden vom Parlament ausgeschlossen werden. Ich wiederhole eS, cS ist von ihnen weniger Gefahr für die herrschende Kirche zu erwarten, als von jenen christlichen Sekten, denen die Episkopalkirchc ein Gräuel ist. Welche Kriege waren die blutigsten? Wann wurden Mitleid und Menschenliebe am wenigsten geübt? Welches sind die schwärzesten Seiten der Geschichte? Die Verfolgung wetteifernder christlicher Sekten. Die Katholiken verfolgten die Prote« stauten; die Protestanten wiederum die Katholiken; die eine christliche Sekte verfolgte bis zum Tode gerade diejenige unter den übrigen, welche ihren Lehren am nächsten kam. Man hat gesagt, daß, wenn unsere gesetzgebende Gewalt nicht mehr protestantischer, sie doch streng christlicher Natur sei, daß daher, so weit man auch den Grundsatz der Duldung ausdehne, Juden nicht als Mitglieder jener könnten zngclassen werden. Ich begegne dieser Einwendung, indem ich die Gegner auf andere Staaten, welche auch ausschließend christliche genannt werden, verweise, — ans Spanien z. B. Ich frage sic, ob sic als Protestanten, was die freie Aus- Übung ihrer Religion betrifft, nicht lieber in einem Mohamcdanischcn Staate, wo sie für die Erlegung einer geringen Geldstrafe den protestantischen Kultus verrichten könnten, als in Spanien mit seiner Inquisition leben wollten? Je weiter und je weniger ausgleichbar der Unterschied des Glaubens ist, desto geringer ist die Verfolgung, desto größer die Sicherheit. Es ist von dem sehr ehrwürdigen Prälaten als ein Grund gegen die Bill geltend gemacht worden, daß die Inden ein Denkmal der göttlichen Rache seien, in deren Werk wir nicht eingrcifen sollten. Auch ich betrachte sie als ein wunderbares Denkmal göttlicher Leitung, wie sie die Weissagungen der Propheten erfüllen, und ihre Strafe für die Verwerfung des Messias erleiden. Aber darf der schwache, blinde, sündtiche Mensch daö Amt des Vollziehers der göttlichen Rache über sich nehmen? Wir haben nicht den Willen der Gottheit zu crgrübeln, sondern ihre Befehle zu vollziehen. EhristnS hat unS befohlen, einander zu lieben und .nicht zu verfolgen.

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