Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1885)
- Article
- Menschthum und Judenthum
- Date
- 1885-06-11
- Page
- 378 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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378 jüdische Geists und die Begierde des Menschen sich dagegen auflehnen möchten, als: dic Vorschrift von der rothcn Kuh, dem Asascl-Bock u. dergl. m. (Auch die von den Späteren sogenannten Vernunftgcbote müßten schlechthin Gesetze genannt werden.) p \ <i* crgicdt sich hieraus deutlich, hinsichtlich welcher überwundenen Neigungen der Tugcndübung ein höherer oder geringerer Werth beigelegt wird. Maimonides stellt demnach die Ansicht aus, daß die Ausübung der spezifisch den Juden allein geltenden Vorschriften des GoiteSgesetzcS, die vollkommene Beobachtung der allgerneinen mensch-- lichen Pflichten zur Voraussetzung habe, wie ja die den Juden als solchen obliegenden besonderen Gesetze ihnen nur für ihren priesterlichen Berns, dessen sie im Kreise der NLenschen für die Menschheit zu walten haben, crthcilt worden sind. Die vollendetste Unterordnung des ganzen Menschenweseus unter dem göttlichen Willen ist die hohe Ausgabe, welche von dem Juden zu lösen ist. ד׳ חפץ למען צדקו יגדיל תורה ויאדיר. -<1- Die fiiku auf den Leipziger Messeu. Der soeben erschienenen ״Geschichte der Leipziger Messen von E. Hasse, Leipzig, S. Hirzel, 1885,״ entnehme ich die folgenden interessanten Daten: Es besuchten alle drei Messen im Jahre 1 754: 5852 - 86"/» Christen, 884 13 ־־"/.. Juden, 1799: 6734 - 73 > ״ <" 26 - 2486 ״ 1815: 19469 — 74"/» 6413-25«/.» ״ 1830: 22 096 - 84 ״ ../" 4133-15 ״ 0/״ . Es besuchten die Neujahrsmesse Ostermcsse Michaelismessc 1 Jahre Christen Juden Christen Juden Christen Inden 1747 — — — — ■ 2539 319 1750 — — — — 2206 186 1755 1072 149 2670 268 — — 1765 — — — — **■ 6089 276 1775 — — — — 3416 751 1785 — — 3675 443 3442 361 1795 — — 3293 778 2896 586 1805 743 536 3807 1863 2518 1294 1815 4500 1662 6523 2355 8446 2396 .1825 3261 485 8921 1328 8296 1456 1835 — — 10866 3604 8707 2217 1840 5281 1246 19344 3596 — — Die Zahl der jüdischen Meßbesucher betrug in! Jahre 1748 aus: Chursächsischcn Landen 30, Frankreich, England, Italien 0, Holland 20, Polen 16, Rußland, Türkei 0, Ungarn 3, Siebenbürgen, Armenicn. Wallachci, Macedonicn, Griechenland 0, Böhmen 141, Wien, Mähren und übrigen österreichischen Erblandcn 16, Dänemark 2. Schweiz 0, Schlesien preußischer Hoheit 25, Berlin. Magdeburg, Iserlohn 0, preußischen Landen an Tnchhündlern 0, den übrigen preußischen Provinzen 149, Chur- und Fürstlich Braunschweigischcn Landen 0, Lüttich, Gera 0, Hamburg 42, Bremen, Nürnberg und Fürth, Augsburg 0, Aachen u. s. w., Lübeck, Frankfurt a. M., Danzig 0, diversen Orten in Deutschland 246, Halberstadt, Brandenburg 0. Korrespondcuzell und Nachrichte». Deutschland. 0. Berlin, 5. Juni. Die ״N. Pr. (Kreuz-) Atg.) empfiehlt in ihrer heutigen Ausgabe (Nr. 123) für dic bevorstehende Landtagswahl ״sich in jedem einzclneu Falle über die Stellung der in Frage kommenden Persönlichkeiten zur Handwerker- und Judenfrage Klarheit zu verschaffen. Hier scheiden sich die Geister, und die Halbheit muß zum Loche heraus." Wir finden in dieser Empfehlung des sehr cinflußreichen und für weite Kreise maßgebenden Organs einen höchst bedeutsamen Fingerzeig für die Wandlung, welche sich möglicher Weise mit der Rechtsstellung der Juden in Preußen vollziehen dürfte, falls die von der ״Kreuzzeitung" repräsentirte Partei den Beschlüssen des Landtags die Richtung geben sollte. — Hiesige Blätter berichten das Folgende: Zur Ausbildung jüdischer Kantoren beschloß die Nepräsentantenversammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde in ihrer jüngsten Sitzung die Errichtung einer Präparandenklasse bei der hier bestehenden Lehrer - BildungSanstalt für jüdische Lehrer. Es wurde hervorgehoben, daß ein fühlbarer Mangel an guten Kantoren in den jüdischen Gemeinden vorhanden sei, und daß die stimmbegabten ihre Ge- Haltsansprüche oft höher stellen, als die ersten Opernjünger, wie man dies jüngst bei Ausschreibung einer Vakanz für einen Kantor an der Berliner Gemeinde erfahren habe. Es sei Pflicht der ersten jüdischen Gemeinde Deutschlands, für die Ausbildung jüdischer Kantoren mit gutem Beispiel voranzugehen. Deutschland zähle gegen 1900 bis 2000 jüdische Gemeinden, und in der Hand des jüdischen Kantors ruhe bei allen (?) kleineren jüdischen Gemeinden das ganze geistliche Regiment(?), da diese Gemeinden zu arm seien, sich auch noch einen Prediger zu halten. Aus dem Berliner jüdischen Lehrer-Seminar sind in den letzten 20 Jahren überhaupt nur 61 Kantoren hervorgegangen, und das sei ein so geringer Prozentsatz für die Anzahl der vorhandenen jüdischen Gemeinden, daß man für die AuSbildung jüdischer Kantoren sofort Schritte thun muffe.