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Jeschurun · 1885-06-04 · Heft 23 (4.6.1885) · p. 358

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 23 (4.6.1885)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1885-06-04
Page
358 (sequence 3)
Language
German
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darf nicht als untrüglicher Gradmesser der GesinnungS-! tüchtigkeit und Vertrauenswürdigkeit gelten. Wir kennen ■ z. B. streng orthodoxe Rabbiner, die sich die größte Mühe gaben, ihre Gemeinden zu bcm Anschluß au die Kommission zu bewegen, ohne daß ihre Bestrebungen in dieser Richtung von Erfolg gekrönt wurden. Sollte man nun deshalb diesen Rabbinern, diesen צדיקים גמורים, die orthodoxe Gesinnung absprcchen, sie zu keiner Bcrathnng, keiner דבר שמקדימה zu lassen, weil ihre Gemeinden sich ihrer Ermahnung zum Anschluß nicht fügen wollen? Da fragen auch wir, wie Herr Schreiber früher, giebt es ein größeres שפיכות דמים als das? Nein, dergleichen Absurditäten muß ein Ende bereitet werden! Wir sagen ״muß" und betonen dieses Wort mit allem. Rachdruck Denn so lange man an dieser fixen Idee festhält, so lange cxpcrimeulirt man vergeblich, so lange werden die desolaten Zustände fortbestehen. Wir wollen, um nur mit Einem Beispiele zu dienen, die orthodox konstituirte Gemeinde zu Stuhlweißen bürg der nicht konstituirten Gemeinde zu S. a. Ujhely entgcgcnstcllen und überlassen das Ergebniß dieses Vergleichs der Einsicht aller Urtheilsfühigcn und Billigdenkenden. In Z 34 soll ״Unberufenen" der Eintritt in den VerathnugSsaal der Versammlungen verboten werden. Es fragt sich nur, wer als ״unberufen" angesehen werden sott. Wir können kleinliche Geheim- und Wichtigthucrei nicht guthcißcn. Es soll nicht alles hinter Schloß und Riegel unter Ausschluß der Oesfentlichkeit geschehen. Die Orthodoxie hat das Licht der Ocsfentlichkcit nicht zu scheuen. Für Diejenigen, welche nicht ״Sitz und Stimme" haben, reservire man einen Zuhörcrraum, und nur bei geheimen Sitzungen sei der Eintritt ausgeschlossen. Wie bereits erwähnt, enthält dieses offene Sendschreiben sehr viele glückliche Ideen, deren Verwirklichung nur segensreich sein könnte. Wir hätten Manches darin lieber nicht gesehen, dagegen bleibt manches Wichtige ganz unberührt. WaS wir aber zumeist beklagen, ist, daß Herr Rabbiner Schreiber mit diesem Sendschreiben einseitig vorgcgangcn ist. Es wäre weit ersprießlicher und zweckdienlicher gewesen, die Rabbiner und Gemeinden zu einer Versammlung cinznladen, oder ihnen aus direktem Wege diese Pnnktatiouen zu unterbreiten. Durch eine gemeinschaftliche Berathung wären zuversichtlich auch andere hochwichtige Gesichtspunkte zur Geltung gebracht und der Sache besser gedient worden sein. Wir behalten uns vor, auf einige Momente dieses ״offenen Sendschreibens״ späterhin noch näher zurückznkommcn. Herr Rabbiner Schreiber 'גי wolle unsere השגות nicht übe! anfnehmcn. Auch der ראב״ד hat zum ״השגות״ פ׳ יד החזקה geschrieben, ohne daß er den eminenten Werth desselben verkannt oder היו den רמב״ם nicht gebührend geachtet hätte. Er hatte seine guten Gründe dafür לשם לשמים — auch wir haben solche! Nihilismus und Iudeukhum. Bon Friedrich Rott. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Er trat zum Tisch, schrieb hastig einige Zeilen ans ein Blatt Papier, das er an die Gräfin addressirte, dann trat er wieder zum Bette. Sein Antlitz war noch bleicher als vorhin. Schweißtropfen perlten an seiner Stirn, er ächzte laut. — ״Verflucht!" — murmelte er, ״verflucht! —" Dann ruckte er einen Sessel dicht znm Bette und ließ sich auf demselben nieder, und nun zog er einen Revolver aus der Tasche und hielt ihn an die Stirn und verharrtein dieser Stellung vis die Pcndüle abermals schlug. Mit dem ersten der zwölf Schlüge, die Mitternacht verkündeten, drückte er an dem Hahn und unmittelbar darauf wand er sich röchelnd in seinem Blute — es war in der letzten Stunde des zwanzigsten Juni 1882. Die Detonation hatte Irene erweckt, sie richtete sich hastig auf und blickte um sich; ihr Auge siel auf den blutigen Leichnam ihres Gatten, und mir gellendem Aufschrei sank sie bewußtlos zurück. . Doch auch die Zofe, die im anstoßenden Zimmer geschlafen, war erwacht und hcrbeigeeilt zu ihrer Herrin, die sie bedroht wähnte, ihre Hülserufe brachten rasch das ganze HanS in Bewegung. Alles eilte herbei, das Schreckliche zu schauen. ׳ Man brachte die Leiche deS Grafen in ein anderes Zimmer und bemühte sich lange vergebens, die Gräfin aus ihrer Ohnmacht zu erwecken. — Einige der im -Hotel Bediensteten erinnerten sich, daS gräfliche Paar bei ihrer Ankunft am Morgen in anscheinend vertraulicher Unterhaltung mit einem Herrn gesehen zu haben, der in der zweiten Etage logirte; sie eilten hinaus und berichteten ihm, waS geschehen. Doch als Nosenfcld sich trotzdem nicht veranlaßt sah, die gräfliche Witwe aufznsuchen, kam der Hotelier selbst, ihn um die näheren Verhältnisse der Gräfin zu ersuchen. Nosenfcld rieth, ihren Vater telegraphisch von dem Vorgefallcnen in Kenntniß zu setzen und gab Reizenstcin's Adresse an. Unter der Pflege ihrer Zofe und des rasch herbeigerufenen Arztes hm Irene allmählich wieder zu Bewußtsein — doch das Grauenvolle, das sie geschaut, hatte sic zur Verzweiflung gebracht. Sie hatte den Grasen nie geliebt, hatte in ihm nur dm angenehmen

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