Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1885)
- Article
- Nochmals Professor Dr. Strack wider Hofprediger Stöcker
- Date
- 1885-05-19
- Page
- 331 (sequence 3)
- Language
- German
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331 enthalten. — Die Wahrheit lasset uns sagen, aber in Liebe! Berlin, den 11. Mai 1885. Professor Dr. Hermann L. Strack." Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. # Hannover, 19. Mai. In der gestern Abend ftattgefuubcuen Gemeinde-Versammlung wurde Herr Kommerzienrat!) Louis E. Meyer an Stelle des vcrstorbeneu Herrn Israel Mcyerhof zum Vorstandsmitgliede gewählt. 0. Berlin, 13. Mai. Der ״Volksztg." gehen über Briemann, alias Dr. Brimanus (Justus), noch folgende Mittheilungcn zu: Briemann, von Geburt ein Jude, hatte sich im Jahre 1881 dem Berliner Juden- Missionsprediger Le Roi als ein Seelenheil Suchender genähert und war als ein in der Irre gehendes Schaf, welches ad majorem Dei gloriam auf den rechten Weg gebracht werden konnte, von demselben mit großer Befriedigung ausgenommen worden. Nach einiger Zeit mochten dem Herrn.Pastor doch allerlei Bedenklichkeiten gekommen sein, welche ihn nach seiner eigenen Behanptung veranlaßtcn, sich an das Nabbinat im Haag, den! früheren Aufenthaltsorte Briemann'S, zu wenden, von woher er befriedigende Auskunft erhalten haben will. Daö genannte Nabbinat stellte später entschieden in Abrede, daß ihm eine Anfrage von Herrn Le Noi zugegangen sei, und erklärte zugleich, daß es hiernach auch nicht in der Lage gewesen sei, über den Herrn Briemann eine Mittheilung zu machen. Unterdessen hatte der letztere ohne Vorwissen des Herrn Le Roi, unter dem Namen desselben — mit dem darunter stehenden Prädikat: ״Vorsteher des Talmudvereins", an einen im Haag wohnenden Privatmann, Herr van Geldern, geschrieben und um Auskunft über sich ersucht. In seiner an Herrn Le Roi gerichteten Antwort Lheilt Herr van Geldern mit, daß Briemann viele Mitglieder der dortigen jüdischen Gemeinde belogen und betrogen und seine Frau und Kinder in bedrängter Lage zurückgelassen habe, lieber Letzteres scheint Herr Le Noi hinwcggesehen zu haben. Nur der Mißbrauch seines Namens war ihm, wie er selbst in einem später geschriebenen Briefe erklärt, ״so ärgerlich, daß ich an der Möglichkeit, Herrn Briemann in unsere Kirche aufzunehmen, zweifelte." Herr Le Roi fährt dann fort: ״Indessen sah er nach meinem ernstlichen Demühen, ihn eines Besseren zu belehren, seine Verfehlung ein, und gab er uns überhaupt thatsächliche Beweise, daß es ihm vor Allem daran lag, ein Eigenthum unseres Erlösers zu werden, und er Ehre und Geld dem gegenüber nichts achtete." Briemann wurde j also von Herrn Le Noi, dem wackeren Mitkämpfer des! Herrn Hofprediger Stöcker, trotz der von Herrn van Geldern gegebenen Auskunft, getauft. In der Julinummer des ״Friedensboten", dcS offiziellen Organs der Iudcn-Missionsgcsellschaft vom Jahre 1862, sprach sich dann Herr Le Noi über den Kandidaten folgendermaßen aus: ״Unter ihnen, (nämlich den Getauften) bcsand sich ein junger Rabbiner, der rathlos in den talmudischen Schriften nach lebendigem Wasser für seine durstende Seele geforscht hatte und sich, als er nur Ocdc und Dürre fand, zum Alten Testament und darnach zum Neuen Testament wandte, um hier durch Gottes Gnade und frommen Christenspruch den zu erkennen, der von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst giebt. Die hiesigen Juden boten ihm eine reiche Heirath — (dem bereits verhcirathctcn Manne!) — imb auskömmliches Gehalt an, andernfalls bedrohten sie ihn mit dem Tode (!!), wie sie auch seine Schritte zu uns beobachteten, und auswärtige jüdische Gcldfürsten (!) versuchten cs mit dem, was sie zu geben vermögen. Doch das vermochte ihn nicht zu reizen, da er nur Eins begehrte: Versöhnung mit Gott. Am Tage seiner Taufe fastete er, wie er als Jude am VcrsöhnnngStage gethan, bis zum Empfang des heiligen Sakramentes, daS ihm in einem AbcndgotteSdienst zu Theil ward, und darnach erst nahm er im Dank gegen den Herrn, als der sein Leben auch für ihn zum Schuldopfer gegeben, fröhliche Speise zu sich. Durch Gottes unaussprechliche Treue und Freundlichkeit ist er durch alle nachfolgenden Anfechtungen hindurch im Glauben bewahrt worden, und wird er nun von Christen, die in Willigkeit zu allem Guten gesegnet sind, zum Abiturientenexamen vorbereitet." — Der 2c. Briemann ist jetzt als Hochstapler vom reinsten Wasser entlarvt und sitzt in Wien im Gefängniß. DaS Urthcil überlassen wir unseren Lesern. H. WLirzlmrg, 17. Mai. Dem ״Würzburger Journal" zufolge hat der VcrwaltungsgerichtShof die Umlagepflicht der Israeliten in Mcllrichstadt zu katholischen Knltuszwecken dortselbst verneint. -c- Hamburg, 12. Mai. Gestern Morgen starb Hierselbst im 71. Lebensjahre Herr Rabbiner Dr. Jsaacsohn, Schwiegersohn des verstorbenen Oberrabbiners Jacob Ettlingcr זצל׳ zu Altona. Der Vcrstorbcne bekleidete ehedem die Nabbinate zu Frankfurt a. d. O., Enldcn, Rotterdam und Filehne. ת׳נ׳צ׳ב׳ה׳. * Danzig, 11. Mai. Von Frankfurt a. O. ist ein Brief an den hiesigen Staatsanwalt gelangt, dessen Verfasser sich und Josefsohn als die Mörder des Knaben Cybulla in Skurz denunzirt. Die Recherchen blieben