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Jeschurun · 1885-05-14 · Heft 20 (14.5.1885) · p. 314

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 20 (14.5.1885)
Article
Hinter den Kulissen des Antisemitismus
Date
1885-05-14
Page
314 (sequence 2)
Language
German
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314 an Doktor BrimannuS hervorgeht, dieser Ansicht zu sein. Im vorigen Jahre unternahm eS die Buchhandlung Schumacher in Innsbruck, eine deutsche, vollständige Uebersetzung der talmudischen Bücher zu veranstatten, und cS wurde ihr von der Negierung im Wege der tirolischen Statthaltcrei zu diesem Zwecke eine Subvention von 2000 Gulden bewilligt, und zwar, wie das bezügliche Dekret bemerkt, deswegen, weil cS für die Negierung von Wichtigkeit sei, die religiösen Satzungen eines Volkes, welches in bedeu- Lender Zahl in Oesterreich angesiedelt ist, authentisch sestgesteNt zu wissen. ׳ Mit der Abfassung dieser liebersctzung wurde aus Anrathen des Professors der Theologic in Innsbruck, Doktor Bikell, dessen Gutachten abvcrlangt wurde, Doktor August BrimannuS betraut. BrimannuS hat auch die Uebersetzung begonnen, wurde aber seither an der Fortsetzung des Werkes verhindert. Zur Zeit, als BrimannuS mit der Uebersetzung beschäftigt war, machte er die Bekanntschaft des bekannten Bertheidigers in Strafsachen Doktor Friedrich Elbogen, der in seiner Eigenschaft als Vertheidiger mit ihm in Berührung kam. BrimannuS machte bei dieser Gelegenheit Doktor Elbogeu mancherlei Mittheilungen über seine wissenschaftliche Thätigkeit, sowie über die Beziehungen, in denen er zu den verschiedenen Antoritäten der antisemitischen Literatur stand, insbesondere auch zu Professor Rohling in Prag, und in dem Besitze des Doktor Elbogen befinden sich Briefe des Doktor BrimannuS, welche namentlich über diese Seite seiner Beziehungen lehrreiche Auskunft geben. Einer der interessantesten dieser Briefe des Doktor BrimannuS an Doktor Elbogen, in dessen Original uns von dem Letzteren freundlich Einsicht gestattet wurde, lautet: ״Geehrter Herr Doktor! Um der Wahrheit Gerechtigkeit widerfahren zn lassen, sehe ich mich zu folgender Mittheilung über die Person des Herrn Professor Rohling veranlaßt. Herr Professor Rohling nahm im Jahre 1884 mehrere Monate hindurch bei mir Unterricht in TalmudiciS, wofür er mir meinen ganzen Unterhalt gab. Der Unterricht bestand Anfangs darin, ihn im Lesen der rabbinischen Schriften zu unterweisen, daun aber begann ich mit ihm die leichtesten Stetten 6uS dem Traktate }>Aboda Zara“ zu übersetzen. Doch mußte ich das Unterrichten aus diesem Grunde aufgeben, weil das Lesen der rabbinischen Schriften dem Herrn Professor Rohling so sehr schwer siel, daß an eine Möglichkeit, ihm die Fähigkeit des UebcrsetzenS jemals beizubringen, nicht zu denken war. Merkwürdigerweise veröffentlichte er, während ich ihn unterrichtete, zwei Broschüren, in denen viele hundert Zitate aus solchen Büchern vorgesührt sind, deren Originalschrift er nicht einmal zu lesen im Stande ist, z. B. ״Sohar“, ״Schepba Tal“ u. dgl. Dies ist so sehr der Fall, daß Herr Professor Rohling sich genöthigi sah, mir die inliegende, ihm zugekommene Karte (dieses Wort ist durchstrichen und dafür ״Zeitung" gesetzt) zur Uebersetzung einzusenden, weil er dieselbe nicht übersetzen konnte. Hochachtungsvoll 23. Januar 1885. Doktor BrimannuS." Diesem Briefe lag ein Exemplar einer hebräischen Zeitung bei, welche' eine (in hebräischer Sprache abgefaßte) Kritik von Schriften des Professor Rohling enthielt. (Schluß folgt.) Mchttschsn. Gedanken einer Jüdin über das Jndenthnm in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Stuttgart 1885. Levy & SD?älter. Ein Konglomerat von ein wenig Wahrheit, vielem Unwahren, manchem Entstellten, Uebertriebenen und Einseitigen; dem Unwissenden imponirend durch geistreich schimmernde Apercus, den oberflächlich Gelehrten bestechend durch interessante Vortragsweise: trotz aller scheinbar ihren Inhalt in spielender Leichtigkeit behandclnden Bestimmtheit dennoch überall hervorlugende Unklarheit und Beschränktheit — das sind diese Gedanken einer Jüdin über das Jndenthnm. Diese Gedankcnlosigkcit und Unklarheit geben sich bereits in der Wahl des Titels kund. Die Schrift enthält einen Briefwechsel zwischen einer Dame Edith und einem Herrn Caspi, in welchem aber der männliche Theil als der eigentliche Gedankcnspender erscheint, so daß der Name des Buches von Rechtswegen lauten müßte: Gedanken eines Inden, mitgctheilt einer Jüdin. Es ist aber wohl ein Akt ritterlicher Galanterie, daß Herr Caspi der Frau Edith die Autorschaft seiner Gedanken vrndizirt. — Frau Edith empfindet den Zwiespalt des Judenthums, welches allerdings für sie praktisch nur in der Negation des Christseins besteht, mit der Kultur unseres Jahrhunderts. Herr Caspi zeigt ihr darauf die erschreckliche Moralstatistik dieses KulturlcbenS in seinen geschlechtlichen Lastern und der häßlichen, ekelhaften Krankheit, an welcher die gebildeten Europäer physisch zu Grunde gehen. Er nennt dieses geschmackvoll die Verschreibung eines moralischen ״Vomitivmittels", durch welches er seine Freundin von' ihrer Kulturschwärmerei heilen will. Nun, das Mittel hat gut gewirkt, und Frau Edith hat nunmehr die ״Kultur-

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