Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1885)
- Article
- Fanatismus
- Date
- 1885-05-14
- Page
- 307 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 1× ep/1006163
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307 des göttlichen Gesetzes kein wcrthvolles Objekt ist, und die Herrn £. wegen der psiichtmäßigen Besorgniß für dieses ihm werthvoll erscheinende Objekt fanatisch schelten, die sind die Fanatiker, weil sie in ungerechter Weise Jemanden wegen seiner abweichenden religiösen Anschauung schmähen und schelten. (Fortsetzung folgt.) Die Aalibathianer. Von S. B. Rosenhain. (Schluß.) In der Nähe des schon oben erwähnten sabbathianischen Dorfes Ujfalu wohnt ein sehr reicher, angesehener und wahrhaft gottcssürchtiger Glaubensgenosse, dessen Namen ich leider nicht in der Lage bin zu registriren, mit welchem die Sabbathianer seit langem schon in einem regen freundschaftlichen Verkehr standen. An diesen wendeten sie sich auch jetzt um Rath und Belehrung dessen, was zu Lhun sei. Dieser empfahl ihnen nun, ein accompli zu schaffen, da, wenn auch unbedingte Glaubensfreiheit noch nicht herrsche, die Emanzipation doch die Garantien biete, daß man der vollzogenen That gegenüber sich loyal verhalten würde. Hauptsächlich aber war bei der Ertheilung dieses Rathcs der edle philantropische Karakter des damaligen Kultus- Ministers, des Baron Joses Eötvös, von entscheidendem Einfluß gewesen. Die Sabbathianer griffen diese Idee mit Begeisterung auf. Das wußten sic auch selbst, daß die finsteren Zeiten, wo ihnen der geplante Schritt Gcfängniß und Folterqualen zngczogcn hätte, vorüber waren. ״Was kann uns geschehen?" sagten die muthigen Männer, zogen heim und bekehrten sich; erst die Greise und Männer, dann die Jünglinge, zuletzt die Kinder, Weiber und Jungsrauen. Ein Mohel verblieb volle vier Wochen im Dorfe. Die Zeremonien wurden selbstverständlich bei verschlossenen Thüren und verhängten Fenstern vollzogen, und die Männer ließen sich ganze zwei Wochen, während welcher die Heilung der an ihnen vorgenommcnen Operation vor sich ging, nicht auf der Gasse blicken. Dieses geheimnißvolle Treiben erweckte den Argwohn des Pfarrers, und als gar am nächsten Sonntag kein einziger der Sabbathianer in der Kirche erschien, eilte er, Böses ahnend, zu einigen der Angesehensten, um sich Aufklärung zu verschaffen, fand aber überall verschlossene Thüren. Doch er sollte nicht lange Ln Ungewißheit' bleiben. Nach Verlauf einiger Tage stellte sich eine Deputation der Sabathianer bei ihm ein, welche von dem drciundsiebzigjährigen Kowatsch Daniel, der in diesem hohen Greisenalter die Beschneidung an sich hatte vollziehen taffen, angeführt wurde. Der ehrwürdige Greis eröffnete dem Pfarrer, er möge sie aus seinen Matrikeln streichen und sie fortan weder in der Kirche noch zur Beichte - erwarten, da sie Juden werden wollten. Der vollzogene Ucbertritt wurde vorderhand noch nicht vcrrathen. Der entsetzte Geistliche versuchte es erst mit gütlicher Ueberrcdung. Er hielt ihnen die vcrhängnißvolle Bedeutung ihres Vorhabens vor, erinnerte sie an ihre glorreichen Ahnen, an die freien u!ld stolzen Szekler, welche nach der Sage mit dem gewaltigen Hunnenkönige Attila in das Land gekommen waren, und beschwor sie, ihren edlen Namen nicht gegen den verächtlichen der Juden zu vertauschen. Hierauf antwortete aber Kowatsch Daniel mit größter Entschiedenheit: ״Ehrwürdiger Herr! Es ist überflüssig, daß Du uns an unsere tapferen Borfahren erinnerst, wir haben keinen Augenblick ihrer vergessen. Wir fühlen das kühne Blut unserer Väter in unfern Adern rotten, und mit szeklerischer Unerschrockenheit werden wir bei imfetcr Vornahme ausharren. Eine mächtige Sehnsucht zieht uns zum jüdischen Volke, welchem wir auch angehören wollen, bis der große Gott Israels uns erlösen und vereint mit unseren jüdischen Brüdern in das gelobte Land einführen wird." Als . der Pfarrer sah, daß er mit Güte nichts auszurichtcn vermochte, versuchte er es mit Drohungen. Die Männer aber nahmen Alles mit würdevoller Ruhe hin und entfernten sich, nachdem sie den Pfarrer nochmals der völligen Vergeblichkeit seiner Bemühungen versichert hatten. Noch am selben Tage erfuhr der maßlos erregte Pfarrer den wahren Sachverhalt und machte unverzüglich die Anzeige davon an das Bisthum nach Karlsburg. Drei Domherren und eine ganze Schaar Geistlicher kamen von Karlsbnrg herüber; man versuchte, den einfachen Landleuten durch eine große Masscnentfaltung zu imponiren. Die Aeltesten und Vornehmsten wurden in das Gemeinde- Haus berufen, wo sich auch die Geistlichen, mit den Domherren an der Spitze, versammelt hatten. Die Sabbathianer hatten wieder den würdigen Kowatsch Daniel zu ihrem Sprecher gewählt. Einer der Dom- Herren hielt eine eindringliche, eloquente Ansprache, in welcher er die Abtrünnigen in der mildesten, Väter« lichsten Weise ermahnte, dem Jrrwahne, welcher sie gefangen hielt, zu entsagen und als reuige Sünder in den Schooß der Kirche zurückzukehren. Aber alle Mittel der Rhetorik erwiesen sich als fruchtlos gegen die felscnfeste Unerschütterlichkeit der Männer. Da riß dem langmüthigen Herrn die Geduld, und er schlug den Ton des Zornes an. Cr drohte, die Widerspenstigen einkerkern zu lassen, ihnen Haus und Hof zu nehmen und schließlich gar sie aus ׳dem Lande zu jagen. Aber die Konvertiten ließen sich auch dadurch nicht aus ihrer Ruhe bringen, denn aus den Erkundigungen, welche ✓