Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1885)
- Article
- Über jüdische Bibelexegese
- Date
- 1885-05-07
- Page
- 292 (sequence 4)
- Language
- German
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292 Halocho Auscinauderlcgung dieses Begriffs, aber ihn aus תיץ־ voranssctzcnd, in Agodo nichts als in Bild verhüllter Ausspruch solchen Geistes, — und dann — it n b c f i't m m ert, für was die (5 i n c n, f ü r w a S die Andern es halten, unbekümmert, ob ihr nun in eurem Geiste der Einfachheit nicht mehr zu glänzen vermöge! unter den Heroen spitzfindiger, aber der Wahrheit und dem Vcbctt nicht als Ziel huldigender Disputationen; unbekümmert, ob ihr nun nicht in den einzelnen Disziplinen, die ihr nur als HülfSwissenschäften für eure Eigene durchforscht, zu glänzen vermöge!, — unbekümmert, ob ihr nun untauglich werdet für scheinvollc Präsentationen; — ihr lernet euch zum dichte der Wahrheit, zur Wärme und Höhe des Lebens, — und dorthin gelangt, werdet ihr JiSroels Geschick und Lehre begreifen, und das Leben als Ausdruck solcher Lehre, durch and durch mit Geist erfüllt! — Ein Geist in Allem! von dem Bau der Sprache bis zum Thatcnban des Lebens — Ein Geist — an geweht vom Geiste deS Allcincn! — — DaS wäre Werk für der Wissenschaft Jünger!."') Ein halbes Jahrhundert ist verflossen, seitdem für den Anban einer solchen Wissenschaft deS Juden- IhumS also die Grundzüge skizzirt sind. Aufgabe der Jungen, welche in redlichem Sinne dem Studium der ' jüdischen Wissenschast sich weihen wollen, sollte es sein, den Spuren zu folgen, welche dieser Meister gezogen. Wenn überall, so gilt ganz besonders hier die Mahnung 'ראשיה הכהה יראת ד, der jüdischen Forschung der jüdische Ausgangspunkt und das vom Judenthum gesteckte Ziel! profffTor Dr. Ztnilk mder Kchrkdiger Atiilker. . Herr Professor Strack erläßt die' folgende Erklärung, von welcher wir gern Akt nehmen: ׳)!ach dem Berichte der ״Neuen Prenß. Ztg." Nr. 97, .Hauptblatt S. 3 (20. April ]885) soll Herr Hofprediger Stöcke;׳ in der FreitagS-Bersammlung der christlichsozialen Partei in einem ״Semit, Atheist und Sozialdcmokrat" betitelten Lortrage Folgendes gesagt haben: ..Wie groß die Gefahr ist, wie verschieden^ die sittlichen Anschauungen der Inden von uns sind, erhellt auch ans den Beröfscntlichungeu eines der gelehrtesten Berliner jüdischen Talmudisten, eines ehrlichen, wahrhaftigen Mannes. Derselbe hat die leichtfertigen Begriffe deS Talmuds über den. Cid ans Licht gestellt. Danach wird noch heute in den ') Daselbst S. 97, 98. Synagogen an einem bestimmten jüdischen Festtage ein Gebet vom Borbetcr vorgesprochcn und von der Gemeinde nachgebetet, des Inhalts, daß alle Eide, Schwüre, Gelübde u. s. w. von diesem bis zum nächsten BersöhnungStage nicht bindend, nicht gültig, daß sic keine Eide, keine Schwüre, leine Gelübde 11. s. w. sein sollen. In dieser, auch den leisesten Ansprüchen der Redlichkeit nicht genügender Leichtsertigkeit liegt doch eine große Gefahr. Man sieht daran, wohin die Entartung deS JudenthnmS führt." Da die hier erwähnte gottesdienstliche Formel schon zu manchen Anklagen gegen die Juden Anlaß gegeben hat und die stets weithin beachteten Worte des Herrn Redners -eicht zur Erneuerung dieser Beschuldignngen führen können, halte ich cs für meine Pflicht, Einiges zur Aufklärung zu bemerken. ES ist unmöglich, daß ein Berliner jüdischer Talmudist (oder überhaupt ein jüdischer Talmndist) in der angegebenen Weise sich geäußert hat, — weil die Formel durchaus nicht die -Bedeutung hat, welche ihr in dem Berichte gegeben wird. Der Berliner jüdische Gelehrte L. Znn.z hat sich denn auch in seinem Buche ״Die Borschriftcn über Eidesleistung der Juden" (Berlin 1859; auch im zweiten Bande seiner Gesamnulten Schriften) ganz anders ausgesprochen. Und Joseph Anb hat allerdings im Jahre 1863 als Großherzoglich hessischer erster Rabbiner gegen die übliche Art der ״Eingangsfeier des BcrsöhnungStagcS" (Mainz, M. Jourdan) geschrieben, aber — weil sie mit den! Talmud und den Ansichten der ältesten Autoritäten nicht übercinstimmc und weil die Sprache dem Volke unverständlich sei. Bei dem den Versöhnungstag einleitenden Abend- Gottesdienste wird in den Synagogen der orthodoxen Gemeinden folgende, nach ihrem Anfänge ״Kol Nidre" (Alle Gelübde) genannte Formel gesprochen: ״Alle Gelübde, Ent]agungen, Bannungcn, Schwüre 11. s. w., welche wir geloben, schwören, und bannen .und auf unsere Seelen binden von diesem Versöhnungstage bis zu dem BersöhnungStage, welcher zu nnscicm Wohle herankommt: sie alle bereuen wir: sie sollen gelöst, erlassen, aufgehoben, nicht und vernichtet, ohne Kraft und ohne Geltung sein. Unsere Gelübde seien keine Gelübde, und unsere Schwüre keine' Schwüre." Diese Formel scheint bedenklich; aber nur mir wissende jüdische Bösewichte können sie als eine Handhabe betrachten, mittelst welcher von übernommeneu Verpflichtungen sich-zu befreien möglich sei. Die, wenn die gleich zu erwähnenden Gcgcugründc unberücksichtigt bleiben, formell vorhandene. Möglichkeit solcher Deutung hat der Judenhaß seit dem ]3. Jahrhundert für oft ciutretcudc.Wirklichkeit erklärt. Mit Unrecht. Erstens nämlich ist in der Formel, wie eine Vergleichung