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Jeschurun · 1885-04-23 · Heft 17 (23.4.1885) · p. 266

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 17 (23.4.1885)
Article
Aus Ungarn
Date
1885-04-23
Page
266 (sequence 2)
Language
German
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Redakteur; so viel aber weiß ich schon von der Naturgcschichtc her, daß die WeLpen die Gepflogenheit haben, von dem eiligst fortzukreuchen, der in ihr Nest sticht, wenn sie nicht gar sich gegen ihn wenden und ihn jämmerlich zerpickcn. — So viel glaube ich mit Bestimmtheit annchmen zu können, daß dem ״Jeschurun" seine unentwegt unparteiische Haltung bei der großen Menge wenig Abonnenten cingebracht hat. Ich frage nun, gehört nicht sehr viel dazu, ein Blatt, welches so selbstlos sein׳׳ materiellen Interessen seinen idealen Zielen opfert, dcS ärgsten BergehenS zu zeihen, dessen die Publizistik sich schuldig machen kann? Ueber die Opportunität kann ja wohl gestritten werden, aber der unzweifelhafte Adel der Gesinnung, meine ich, müßte doch von Jedermann anerkannt werden! Doch es giebt noch einen Fall. Trotzdem ausdrücklich von den Zeitungen die Rede ist, so könnte es im Nothfalle auch so ausgelegt werden, daß diese Zeitungen schlecht berichtet sind und einer Mystifikation von Seiten leichtsinniger gewissenloser Individuen zum Opfer fielen. Obwohl dieser Fall bei einer Redaktion, wie derjenigen des ״Jeschurun" kaum denkbar ist, jo lassen wir ihn doch als Hypothese gelten. Gesetzt also, es wäre so gemeint gewesen, fragen wir Herrn Ör. Lehmann: Bereinigt es sich wirklich mit Ihrem Gewissen, aus dem fernen Mainz, ohne genaue Kenntniß der hiesigen Verhältnisse, eine so schwere Anklage uns zuzuschleudern? Sind Sie sich auch dessen so gewiß, daß nichts als gewissenlose Schür- und Hetzsucht die Federn der hierländischen Mitarbeiter in Bewegung gesetzt habe? Haben Sic nie an die Möglichkeit gedacht, daß die Männer, welche in den Spalten des ״Jeschurun" die Schwächen ihres Vaterlandes bloögelegt und gegeißelt haben, dies mit blutendem Herzen thaten, daß sie sich lange dagegen sträubten, aber von den zum Verzweifeln unhaltbaren Verhältnissen gedrängt, sich endlich entschlossen, zu dem herbsten, aber einzig noch übrigen Mittel zu greifen? Daß es unter den Mitarbeitern des ״Jeschurun" wenigstens .einen solchen Mann giebt? —.— Doch genug. Es gereicht uns zur aufrichtigen Genugthuung, vielfach erfahren zu haben, daß jeder Vernünftige hierzulande den Aufruf des ״Israelit" aus dem richtigen Gesichtswinkel beurthcilt, und daß die Erkenntniß der wahren Freunde siegreich sich Bahn bricht. ... An den ״Israelit" richte ich aber das Ersuchen, diese Zeilen um dcS Himmels Willen ja nicht so zu betrachten, als ob der ״Jeschurun" durchaus mit ihm ״Streit anzusangen" suche. Ich bin überzeugt, daß es dem Herrn Redakteur eine Ueberwindung gekostet hat,' diese Zuschrift zu veröffentlichen. Er schuldete aber die Veröffentlichung uns, seinen Mitarbeitern, den zahlreichen hierländischen Freunden seines Blattes und der guten Sache, deren muthigster Vorkämpfer er ist und sicherlich bleiben wird, trotz aller schlechtmeinenden Verunglimpfungen. Korrchondenzcn und Nachrichten. Deutschland. -a- Berlin, 19. April. Wie die ״N. Ev. K.- Ztg." meldet, hat Rabinowicz, das Haupt der judenchristlichen Bewegung in Südrußland, der im Mürz einige Zeit in Leipzig verweilte, sich am 24. März durch Professor Mead aus Andover (Nordamerika) in Berlin im Betsaale der böhmisch-lutherischen Gemeinde taufen lassen. Von Leipzig ist er erst später nach Kischinew zurückgereist. * Berlin, 19. April. Die ״Jüdische Presse" veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 5. Oktober 1883 ein in sogenanntem jüdisch-deutschen Jargon gehaltenes Schreiben des Herrn Missionspredigers Th. de le Roi vom 8. September 1881, in welchem Herr L. van Geldern in Haag um Auskunft über A. I. Briemann ersucht wird. Der Namcnszeichnung des Herrn de le Roi war der Zusatz "גבאי בהברת ש״ס" beigefügt. Herr de le Roi behauptet jetzt in einem Briefe an die Redaktion der ״Jüdischen Presse", daß Briemann ohne sein Vorwissen unter seinem Namen an einen Rabbiner 'geschrieben und dieser ihm auch geantwortet habe. Die Redaktion der ״Jüdischen Presse" wandte sich darauf an Herrn Oberrabbiner Bernstein in Haag mit der Bitte um Aufklärung, erhielt aber zur Nachricht, daß er keinen Brief von denr Herrn Missionsprediger erhalten habe. Dagegen sei aber allerdingsein Erkundigungsschreiben über Briemann bei Herrn L. van Geldern in Haag von Herrn de le Roi eingegangen, in welchem derselbe sich גבאי בהברת ש״ס Unterzeichnete. Dieses Schreiben sei auch von Herrn van Geldern beantwortet worden. Später habe sich auch ein gewisser Esser, ebenfalls ein Missionär, bei Herrn van Geldern über Briemann erkundigt. — Für die Karakteristik der Judenmission ist dieses Gebahren recht bezeichnend. -r- Kassel, 16. April. Der bisherige greise Inhaber unseres Rabbinats, Herr Landrabbiner, vr. Adler,, hat sich vor seiner Abreise, von hier— er ist nach Wiesbaden übergesiedelt — von seiner Gemeinde in einer Zuschrift an die Gemeindeältesten verabschiedet. Dieses Schreiben ist von diesen durch Druckvervielfältigung zur allgemeinen Kenntniß gebracht worden. Dr. Adler betont in demselben, daß es während seiner fast ein Drilteljahrhundert umfassenden hiesigen AmLSthätigkeit sein vornehmliches Streben gewesen sei, trotz der vorhandenen Kluft zwischen den verschiedenen Ansichten und Bestrebungen nicht blos die Gemeindeeinheit, sondern auch deren Einheitlichkeit zu erhalten. ״Deshalb," so

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