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Jeschurun · 1885-04-23 · Heft 17 (23.4.1885) · p. 262

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 17 (23.4.1885)
Article
Ein neues Tisza-Eszlar im Trencziner Komitate
Date
1885-04-23
Page
262 (sequence 3)
Language
German
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262 Versionen scheinen von den Juden herzustammen, um die Behörden irrczmühren. Die Waag oder das nahe Gebirge ist viel bequemer. Erst am 7. d. erstall eie die Ortsbchörde die Anzeige an das Stuhlnchtevarnt, welches, wie bereits erwähnt, Tags darauf den Fall untersuchte. Das Ergcbniß ist bis nun 'Niemandem bekannt; der OrtSrichter, über dasselbe befragt, sagte: ..Di'.jte pökoj, mmi r;isf,“ (Gebt Ruhe, cs ist nichts.) Mir jedoch ist bekannt, daß die vernommenen Juden zugeben, nut der Lange sei Blut ausgewaschen worden, doch rührte dasselbe von einer Menstruiercndcn her. Gut denn, warum thut die Behörde, wenn nichts an der Sache ist, gar nichts zur Beruhigung der ausgeregten Menge, warum ist sie so zugeknöpft?""... So weit reichen die uns bis heute Mittag zugekommenen Berichte. Unser Spezialberichterstatter verspricht, sich der Sache mit allem Eiser auzunehmen und Alles auszubieten, um Licht in das mysteriöse Dunkel zu bringen, welches die Angelegenheit bisher noch umgiebt. Nach den Ausdrücken, deren er sich bedient, herrscht in der Gegend allgentcine Uebcrzeugung von der Wahrheit des Erzählten und die Hoffnung, daß cs in diesem Falle doch gelingen werde, die Wahrheit auch zu beweisen." — — — Soweit der ״Westnngarische Grcnzbote." Sein frommer Wunsch ist jedoch nicht in Erfüllung gegangen. Die Redaktion der ״Preßbnrger Zeitung" hat sich, wie uns nlitgctheilt wird, sofort an das Treue sin er Bicegespan a׳.ut mit der Bitte um Aufklärung des Thatbcstandes gewandt, worauf folgende Drathantwort einlief .׳ ״Trcnczin, 14. April, 1 Uhr 15 Min. Nachmittags. 350 m rituellen M 0 rd in Bell ns ist hier ׳ nichts b e k a n n t. Der Bizegesvan." Damit wird hoffentlich sich auch der Greuzbotc — wenigstens vorläufig — beruhigen müssen. Sollte er bei seinem überaus großen Eifer in der Entdeckung ״neuer Tisza-Eszlar" auch aus ein drittes oder viertes Tisza-Eszlar stoßen? Wir glaubend wohl; im Uebereiser ist Alles möglich — selbst das unmöglich Erscheinende. Auf gewisser Seite kann man sich noch nicht über das freisprechende Verdikt im Tisza-Eszlarer Prozeß beruhigen, man host'r, daß es doch einmal geliugcn wird, ״die Wahrheit auch zu beweisen." Wahrheit also ist's nach Ansicht des Grenzboten und seiner Gesinnnngsgenosstn mit Lcm Ritus des Christenblnts — den Beweis dieser Wahrheit, von der sie schon, laugst überzeugt sind, auch den bis jetzt noch Ungläubigen zu bringen, das ist das Hauptziel der Antiseuliten: und dieser Beweis erscheint dann als erbracht, wenn lnan einen dem Tisza-Eszlarer völlig gleichen Fall ausfindig machen kann. Mit Unrecht würde man daher die neueste Erfindung als plump, nach dem ersten Muster gemacht, bezeichnen; denn je ähnlicher der neu entdeckte Fall dem früheren erscheint, um so mehr tritt die Bedeutung des ״Rituellen" hervor. Sehen wir daher diesen von dem Grcnzboten mit besonderer Betonung so genannten zweiten Tisza- Eszlarer Fall nicht als einen ungeschickten Streich an: sondern möge er uns daran mahnen, daß trotz der glänzenden Tisza-Eszlarer Nechtsertignng, noch immer nicht das alte Gespenst ruht. Hoffen wir indeß, daß der Allgütige auch fernerhin die Pläne unserer Hasser vereiteln und die Wahrheit ans Licht treten lasse. והוציא כאור משפטנו. Nihilismus und Iudcnihum. Bon Friedrich Nott. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Wollte er die Behörde anffordern, dem Gauner nachzuspüren, der ihn beraubt^ so mußte er vor Allem seinen Paß vorzeigcn und zweifellos würde man ihn in diesem Falle genauer mit seinem Paß vergleichen, würde cs sicher auffallend finden, daß einem Bediensteten solch bedeutende Summe gestohlen werden konnte. Ob man nitcht ihn selbst des Diebstahls verdächtigen würde? — Wie konnte er sich rechtfertigen, wenn man behaupten würde, der Paß laute ans einen brünetten Mann und er wäre blond, denn sein Haar hatte bereits die natürliche Farbe wieder angennmmen. Je mehr er darüber sann und grübelte, desto gefährlicher erschien es ihm, sich an die Behörde zu wenden — und übcrdws, er hatte keine Ahnung, an welchem Ort oder auch nur in welchem Lande man ihn-beraubt; vielleicht war es bereits in Rußland gcschehen. — Wie hätte er wagen dürfen, dem Räuber nachzuspürcn! er hätte, was er am meisten zu fürchten hatte, die Aufmerksamkeit seiner ehemaligen Genossen ans sich ziehen können. Großer Gott! was sollte, was konnte er beginnen? — den Vater telegraphisch -um Hülse ersuchen? — er hätte sie sofort telegraphisch erhalten — doch ob' er dadurch seine Sicherheit nicht gefährden würde? — Der Vater hatte ihm auSdrücklich verboten, Nachricht von sich - zu geben, oder auch nur seinen wirklichen Namen zu nennen. — Nein, nein, um keinen Preis wollte er dem Befehle des Vaters zuwider handeln. — Doch was beginnen? —

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