Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1885)
- Article
- Ein neues Tisza-Eszlar im Trencziner Komitate
- Date
- 1885-04-23
- Page
- 261 (sequence 2)
- Language
- German
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261 hiesigen Honoratioren vernahm, auch auf viele Meilen in der Runde gedrungen und lebhaft diskutirt werde. Man wußte auch, daß Mittwoch, den 8. d. M., der Stuhlrichtcr Sandor mit zwei GcnSdarmen den Kall untersuchte, legte jedoch kein besonderes Gewicht darauf. Konstatirt wurde ... doch davon später. Heute, Sonntag früh, fuhr ich mittelst Wagen nach BelluS. Der Weg führt durch herrliche Felder mit fettem Boden. Gärten und Obstbäumc an den Rainen bezeugen, daß die Bevölkerung sich bereits einer höheren Kultur und eines gewissen Wohlstandes erfreut. Und das Volk ist, nein war wohlhabend, so lange der Jude nicht hierher seinen Fuß gesetzt. Vor noch zwanzig Jahren war das Volk wohlhabend, mitunter sogar reich, urkrästig und kerngesund. Jetzt ist cS zum großen Thcit verlottert, Physisch und moralisch verkommen und der Bramitwcin sein Herrgott. Ich bin bereit, an der Hand von Daten nachzuwcisen, daß — zwei, höchstens drei Familien in den meisten Dörfern ausgenommen, die den Versuchungen der Juden widerstanden — die meisten Bauern vollkommcne Bettler, die auf die Gnade der Juden angewiesen, sind. Und diese Gnade besteht darin, daß der Jude sie auf seinen Feldern, die ehemals ihr Eigeuthum waren, arbeiten läßt im Tagclohne! Im Tagclohn, dessen Zahlung derart bemessen ist, daß der Mann l8—20 Kreuzer, das Weib k 5 Kreuzer und die nocfj nicht vollkommen Arbeitsfähigen 5—8 Kreuzer bekommen. DaS reicht gerade hin für's trockene Brod und den Schnaps. . .. Daß unter sothaneu Umständen der zum Thier hcrabgesnnkene verkommene Mann auf diejenigen, die ihn dazu gemacht haben, nicht gut zu sprechen sein kann, ist selbstverständlich; während er sonst unterthänige Unterwürfigkcit zeigt, ist er gegen den Inden höchst feindselig gesinnt, — Beweis dafür, daß ihm sogar die HanL zum Gruße —;venu ihm ein Wagen entgegenkommt, unterwegs stecken bleibt, sobald er sieht, daß der Insasse ein Jude ist. Da trotz des friedfertigen KarakterS bei der in steter Aufregung lebenden Bevölkerung, Ausschreitungen nicht ausgeschlossen sind, haben die behördlichen Organe, wie ich aus bester Quelle erfahren, die strengste Weisung, antisemitische Dcmoustrationen mit aller Macht niederzudrücken. Und das thnt man, wie überall im Lande, so auch hier. Honoratioren ohne Ausnahme, der Bürger und Lehrer, kurz, Alles was nicht Jude, ist Antisemit, doch... nur im Stillen; sie tragen die Faust in der Tasche. Der jüdische Einfluß macht sich hier ärger als anderswo bemerkbar. * * Eine rühmliche Ausnahme unter den Ortschaften des TrcncSiner KomitateS macht BelluS. BelluS, dieser weiße Nabe unter den Ortschaften des TrcncSiner KomitateS, ist ein Marktflecken mit beiläufig 2500 Seelen, worunter einhundert nnd einige fünfzig Juden. Der Ort liegt in einem Kessel, den ungefähr ,/•י Stunde vom Orte die Waag durchzieht. Mit AuSnähme einiger weniger massiver Gebäude, die größtentheils der Herrschaft, dem Grafen KönigSegg, dann den sich brcitmachcndcn Juden gehören, sind nur ärmlich aussehende Strohhütten zu scheu, in denen aber ein noch nicht von der ״Kultur" und den jüdischen Einflössen belecktes harmloses Völkchen wohnt, das zwar einfältig, doch pfiffig genug ist, dem Juden nicht auf den Leim zu gehen. Die Religion, der Pfarrer und ein tüchtiger Kaplan haben eS bis jetzt vermocht, den Dämon Schnaps von der Gemeinde fcrnzuhalten. ... Ich hielt cs für nothwcudig, diese Zeilen vorauszuschickcn, um Sic mit den Leuten und den Orts- Verhältnissen bekannt zu machen. * 4- 4- Während der Charwoche kam, wie eS genugsam erwiesen ist, ein der Kleidung nach aus dem nahen Mähren stammendes, ungefähr fünfzehnjähriges Mädchen mit einem Brief, der au den hiesigen jüdischen Tempeldien er Burk adressirt war. Das Mädchen wurde an den Adressaten gewiesen und seither sah man es nicht mehr. Niemand würde dabei etwas Arges geahnt haben, wenn nicht die Kinder des Tcmpeldieners anderen Kindern erzählt hätten, daß dem Mädchen der Mund zugcbunden, und daß cS in die Synagoge getragen nurde. TagS darauf wurde die christliche Magd, welche drei Jahre bei Burk dient', von diesem beauftragt, Lauge anzumachen und zur Synagogenthür zu tragen. Sie selbst, die oft schon die Reinigung im Tempcl besorgt hatte, durfte dieses Mal nicht eintreten. Die Frau des TempcldieuerS selbst hantirt dort mit der hcrbeigebrachten Lauge. In der Nacht vom dritten auf den vierten haben Leute den Sohn deS jüdischen Einwohners Klein mit einer Kiste auf dem .Wagen das Dorf verlassen gesehen. Die Fama erzählt ferner, daß in der bei Baan gelegenen Ortschaft Svinna der dortige Todtengräber ein frisch zugescharrtcS Grab fand, das er nicht gegraben. - Es soll auch diesbezüglich bereits die Anzeige an die Behörde erstattet worden sein. Doch beide letzteren