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Jeschurun · 1885-04-23 · Heft 17 (23.4.1885) · p. 259

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 17 (23.4.1885)
Article
Der Sefirah-Psalm
Date
1885-04-23
Page
259 (sequence 3)
Language
German
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259 Schwert, der Wahrheit über die Lüge, des Rechts J über die Gewalt nicht entreißen lassen, selbst als cs unter dem Schwert blutete, von der £iigc verleumdet und von der Gewalt;11 Boden geworfen war und es recht- und Heimathlos von einem Ende der Erde;11111 andern gejagt wurde. Es trug überall den Boden seiner Ersten;, seine Thora, mit sich, es hatte verstanden, was die Sefirah ihm lehrte und es vcrkündete und verkündet der Menschheit die Sefirah-Lchre, bis sic endlich begriffen sein wird von allen Nationen mid sie Alle Gott allein den stolzen Nacken beugen. Nicht die jüdische Weltherrschaft, das Reich Gottes, der Menschheit Heil verkündet Israel, welches ans Aegyptens Sklavenjoch von Gott erlöst worden, um ausschließlich in den Dienst Gottes;11 treten und das ihm geoffenbarte Gesetz der gesammten Menschheit;11 bringen. IltitMühk §1׳t11!׳lht11!M1׳l über Aeßnih- IoWtli. Bon Nabbincr Dr. E. Pleßnc r. Ein ״Wörtchen" mir, lieber Leser, und ein einziger ״Buchstabe!" Das Buch Esther, das, wie unsere Weisen sagen, בדוח הקדש geschrieben ist, — wenn auch der Name Gottes, buchstäblich genommen, darin nicht wie in den andern Büchern der Heiligen Schrift, seinen Glan; entfaltet, — nennt am Ansgange seiner Er- Zählung jenen Haman, dessen böser Anschlag durch die wundervolle Gnade Gottes vereitelt worden war, den ״ צורר "בל" הייחודיםden Bedränger eil (er In den." Es dürfte dieses scheinbar überflüssige Wörtchen: בל״" hier mit Recht anffallcn; umsomehr, als ja der Bösewicht Haman durch das ganze Buch hindurch צורר היהודי:! genannt wird, ״Dränger der Inden," was ja in seiner Einfachheit durchaus mit dem emphatischen בל" היהודים" dem Sinne nach ganz und gar identisch scheint.׳ Allein dieses einzige Wörtchen בל״" läßt unserer Ansicht nach die Göttlichkeit des ganzen Buches Esther zwischen dessen Zeilen hervorschimmern. Denn in den unmittelbar vorangehenden Versen wird, die Purimfeicr für die alljährliche Wiederkehr festgesetzt, wird angcordnet, daß für und für dieses historisch begründete Nationalfcst dem Volke Israel ein Heiligthum bleiben solle;- und da zog dann an der göttlichen Fernschau der philosophische bezw. philosophirende Geist unserer Zeit vorüber mit den gespreizten Phrasen: Was kümmert uns jenes schancrvolle Drama auf persischem Boden! .Was interessirt uns, uns, die Kinder der Gegenwart, bic ״ wir durch vernünftige Reformen den uralten Schlendrian ans der Synagoge verbannen wollen, die Heldenrolle, die ein Mordechai gespielt hat, ein Mordechai, ein Mitglied der אנשי כנסת ״:דולה, die uns Gebete vorgeschrieben haben, die da übcrströmen von all' den Thränen der Sehnsucht nach Zijon und Ieruscholajim'? Mordechai, der unter Nebnkadnezar den Wanderstab ergreifen und Jerusalem, die Wiege seines Volkes, verlassen mußte! Hochachtung und alle Ehren der Königin Esther! Dem Tode, dem Verderben sah sie muthig in die Augen, als das Berhängniß über ihr Volk hereingcbrochen war; aber ihr Andenken alljährlich, hciltezntage ׳ noch, wo Inden in Parlamenten das Wort führen, aus Universitäten in allen Fächern der Wissenschaft doziren, auf die Stimmung der Handels- Plätze inflnircn, in naiver, herkömmlicher Weise offiziell feiern, dazu glauben wir wohl die Kinderschuhe doch schon sehr lange ansgezogen zu haben! Darum eben, um all' diesen albernen Redensarten vorznbengen, ruft uns das Buch Esther im Namen Gottes zu: Dieser Hamansgeist, über dessen Grausamkeit nun der Vorhang gefallen ist, ist nicht als völlig untergegangcn, völlig ansgestorbcn zu detrachten. Hat der eine Haman an dem Pfahl auf persischem Boden sein Ende gefunden, ein anderer Haman taucht an der Spree, ein dritter an der Donau, ein vierter an der Newa auf, inmitten aller Errungenschäften deS Geistes, ans welche Inda so stolz, so trinmphirend in! neunzehnten Jahrhundert hinblickt! Dies das Gcheimniß des ״ "בל״ "יהודיהaller Juden." Es ist dieses בל״" ungefähr, was wir an den Peßachabendcn singen: ״Denn nicht einer allein stand wider uns auf, um uns zu vernichten, sondern von Geschlecht zu Geschlecht stehen sie wider uns auf, um uns zu vernichten." ־*־־ Und Gott rettet, wie er unter Haman und Pharao der Retter gewesen war. An dieses בל״" erinnert uns nun lebhaft die gegenwärtige Sefirahperiodc, die Tranerzeit ׳zwischen dem Peßach- und dem Gesctzgebnngsfeste. Das scheinbar längst verschollene: ילוד" pri כל יאודה השליכוהו.", das längst verklungene: ולמלך אץ שוה לחניהם, sie fanden noch Widerhall gegen das Ende des elften Jahrhunderts, wo die Inden in den Rheinlanden verfolgt, geplündert und niedergemetzelt wurden durchdie zügellosen Schaaren der Kreuzfahrer. Man lese die blutgetränkten Blätter der jüdischen Leidensgeschichte ans der damaligen Sturm- und Drangperiöde, oder, was für die Seele eines echten Jehudi noch heilsamer ist, man gehe in die noch unverfälschte Synagoge und stimme alle die schwungvoll erhabenen, hochpoetischen und tiefdnrchdachten Elegien ׳der Sefirahjozeroth unter einem heißen Zährenstrom an, und man wird dem בל,. היהודים" nachempfinden.

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