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Jeschurun · 1885-04-09 · Heft 14-15 (9.4.1885) · p. 228

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 14-15 (9.4.1885)
Article
[Rezension] / R.....l.
Date
1885-04-09
Page
228 (sequence 3)
Language
German
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228 unter diesem Gesichtspunkte die weiteren Ausführungen | der תורה über die ננע צרעת Vorschriften aufsaßt, wäre! uns sehr interessant zu erfahren.! Wir müssen uns mit diesen wenigen Beispielen! der Vergewaltigung des Schrifttcxtcs begnügen, obwohl! wir gern noch manches Pröbchen angeführt hätten. Indessen müssen wir wenigstens noch mit einigen Worten der übrigen herrlichen Seiten der Schrift gedenken. Zunächst einiges über die Tendenz. Der Verfasser scheint der Orthodoxie nicht sehr hold zu sein; wir glauben dies wenigstens ans einer Anmerkung ans Seite 11 entnehmen zu dürfen, wo der Verfasser sich gedrungen fühlt, den 15. Psalm als ״gegen die sogenannten Frommen jener Zeit, die auf dem Tempclberg. in den Andachtsstättcn förmlich wohnten, während sie dagegen in Beziehung auf jenen zweiten Thcil der Religion, den wir hier als treuen Wandel mit den Menschen bezeichnen, eben Alles zu wünschen übrig ließen," gerichtet auffaßt. Wir haben in dem betreffenden Psalm trotz aufmerksamen Durchlesens nichts von den Behauptungen des Herrn Verfassers entdecken können, und glauben darum, daß derselbe vielleicht nur in Folge seiner Antipathie gegen die Orthodoxen zu dieser falschen Auffassung gelangt ist. Der Autor glaubt ferner mit dieser seiner Auffassung übereinstimmend Herrn Jesajas U. zu finden, dem wir trotz eifrigen Nachsnchcns im ך"; kennen zu lernen leider nicht die Gelegenheit hatten. Ergötzlich ist ferner, wie Verfasser sich über das Buch יונה ausspricht. Uns freut es wirklich aufrichtig, daß Herr Dr. Schmied! in ״dieser kleinen biblischen Schrift bei tiefem (?) Nachdenken weit mehr entdeckt, als nur auf den ersten Blick darin vermnthen — nämlich eine großartige, und namentlich in Anbetracht der alten (?) Zeit, in der sie entstanden, wahrhaft bewunderun.gswürdige Tendcnzschrist!" — Karakteristisch ist ferner die großartige Entdeckung des Verfassers, wonach schon ״der alte Prophet Jona" auf den vernünstigcn Gedanken verfiel, die mahnende Stimme des Gewissens, ״welche er durchaus nicht los zu werden vermag, durch die Zerstreuungen einer Seereise in sich zu betäuben". Wir müssen wirklich dem Verfasser noch dankbar sein, daß er den Talmud wenigstens einigermaßen glimpflich behandelt, indem er meint, daß ״auch noch das talmudischc Schristthum großentheils von demselben (i. e. wie das alte prophetische Schristthum) Geiste erfüllt ist". So ist doch wenigstens nicht Alles vom Talmud zu verwerfen! Herzlichen Dank,׳ Herr Doktor! Als galanter Herr zeigt sich auch der Versasscr den Erzmüttern gegenüber, indem er sie als ״fast auf derselben Stufe wie die Erzväter stehend" betrachtet. Wir sehen, daß der Herr Verfasser im Ganzen sehr gntmüthig ist und cs doch nicht allzuschlecht meint; so ist ihm auch האזינו der ״geistig erhabenste Gesang unter allen Gesängen der antiken Poesie", doch muß er auch leider (?) der Wahrheit (?) die Ehre geben, da er behauptet daß er ״nicht der künstlerisch vollendetste sei". Das wäre allerdings von einem gewissenhaften Kritiker etwas zu viel verlangt, wenn er nur Gutes an einem Werke finden würde. Köstlich ist die Karaktcrisirnng der ״Poesie (?) der heiligen Schrift" im Gegensatz zur griechischen. Es sei nur stets das Ewig-Wahre, das sie entweder ausschließlich zu ihrem Gegenstände hat, oder auf das sic zuletzt immer zurückkommt. Als Beweis für das letztere führt er den Segen Jakobs an. Jakob scheint fast, nach dem Verfasser, den Homes und Aeschhlos gelesen zn haben, und in Erinnerung an diese Inda als Len, Jissachar als knochigen Esel, Dann als Schlange zn schildern.. ״Aber siehe, unser Dichter erfaßt sich plötzlich" — wahrschcinlich erinnert er sich, daß es augenblicklich keine Zeit sei, griechische Poesie zu treiben — ״der hebräische Geist kommt über ihn, und rasch fügt er zu diesen Heldenbildcrn die Strophe hinzu: Auf deine Hülfe hoffe ich, Ewiger." Quo'd erat demoi stranduni! Indem wir noch zum Schlüsse der schönen AnSdrücke ״logischer Bindefaden", ״ephemere leblose Pflanze", ״die Tage (i. e. Alter), wo das Blut in den Adern zu Eis gefriert", ״die Sorgdn nagen wie die Blutigei am Herzen", ״die Wahrheit ist keine Violine mit sanften, weichen Tönen" gedenken, nehmen wir Abschied von dieser Schrift, aus der wir gern noch Manches bcsprachen, wenn nicht der uns zugemcsscne Raum erschöpft wäre. Wir haben bittere Wahrheit im scherzenden Tone gesagt. Denn wahrlich traurig ist's, daß man cs wagt, derartige Schriften, wie die vorliegende, als ״zur Fördernng einer erhöhten Kunde und Würdigung" des IndenthumS auszngeben. ft.1. Thier-Tchnh rr!1d Menschen-Trntz. Sämmtlichc für und gegen das Schächten geltend gemachte Momente kritisch - beleuchtet, nebst einer Sammlung aller älteren und neueren Gutachten hervorragender Fachgelehrten. Von Df. H. Ehr mann, Rabbiner der israelitischen Rcligionsgcscllschast zu Trier. Frankfurt a. M., I. Kauffmann, 1885. Nachdem Verfasser in der Einleitung dargelegt' in welch schreiendem Widerspruche die Idee des Thierschutzes mit der von dem größten Thcile der Thierschntzvereine betriebenen Agitation gegen das Schächten stehe, behandelt er in einem ersten Abschnitte ״Die Inkompctenz der Thierschutz-Vercine zur Erledigung der

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