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Jeschurun · 1885-04-09 · Heft 14-15 (9.4.1885) · p. 227

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 14-15 (9.4.1885)
Article
[Rezension] / R.....l.
Date
1885-04-09
Page
227 (sequence 2)
Language
German
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227 aber nie falsch; die Ameise ist nur emsig, aber nie lässig (Anm.: Der Herr Verfasser zeigt sich wiederum als ausgezeichneter Thierpsychologe; es ist schade, daß er in feinem Berufe von dieser ausgezeichneten Eigenschaft nur wenig Gebrauch machen kann). Der Mensch aber trägt von jeder Fähigkeit immer ein Doppeltes in sich: die Eigenschaft und ihren Gegensatz... — Alles liegt dem Keime nach im menschlichen Herzen, denn (?) das Thier handelt nach Instinkt, der Mensch nach freier Wahl". — Daß der Herr Verfasser im Weiteren zur Vervollständigung seines geistreichen Vergleiches צד,ר als das Licht des Herzens, wobei er so liebenswürdig ist, es seinen Lesern zu überlassen, dieses צהר als Gewissen oder Vernunft oder Glaube anfzufasseu, bezeichnet und zum Schlüsse auch das arme Her; noch mit einer ״Thüre" beschwert, wodurch es ״zugänglich sei für die Mitwelt", brauche ich nur anzudenten. Wenn so der Verfasser die Arche als das ideale Abbild unseres Herzens et. viee vermr hinstellt und außerdem noch ausdrücklich dieselbe als ״den Fittig" bezeichnet, den Gott ihm, ״dem gerechten, tadellosen" Manne, gegeben, damit er ״ungefährdet hinziehe über die Alles zerstörenden und verheerenden Fluthen" — so hat er schon drei Seiten später daran vergessen und bezeichnet es als ein ״unedles, engherziges Benehmen dieses Noah", das; er ״kein einziges Wort' der Fürbitte für die dem Verderben geweihte Mitwelt erhebt", sondern ״sich seine.Arche baut und sich sammt seiner ganzen Familie hiueinftüchtet. Er und die Seinigen sind gerettet, da mag die übrige Welt in Trümmer gehen!" — — ־ Machen wir einen kleinen Sprung. Uebergehen wir, da der uns zngemessene Raum sorgst nicht auSreicht, eine Reihe von Vergewaltigungen unseres Schrifttextes, und wenden uns der פרשת תזריע zu. Der Verfasser ist hier so ehrlich und gesteht, ״daß wir heutzutage nicht mehr mit Gewißheit anzngeben wissen, was es eigentlich für Bewandtniß mit den Schäden an den Kleidern von dazumal hatte." Dagegen weiß er ganz wohl die Schäden an den Kleidern von heutzutage — und zwar sind dies ״der Luxus, die Putz-und Prunksucht, der übertriebene Kleiderauswaud". Soweit wäre alles ganz gut; wir haben gar nichts dagegen, wenn der Verfasser sich energisch gegen das überhandnehmeude Laster der Prunksucht wendet, aber lvas haben denn unsere armen פשוקים verbrochen, daß er dieselben bei dieser Gelegenheit so arg maltraitirt? Zunächst muß ein פסוק dazu herhalteu, zu beweisen, daß die Prunksucht Schuld am verlorenen Paradiese sei. Nachdem Verfasser ein farbenreiches Bild der paradiesischen Zustände entworfen, fährt er fort: ״Warum hätte da das Leben nicht ein Paradies für sie sein sollen? Aber ach, die Schlange trat zum Weibe hin, und, o, mit allem Bösen und Schlimmen erwachte jetzt gewiß (?) auch der Wunsch nach schönen (?) Gewändern (?) in dem Herzen des Ehe- Paars: ויתפרו עלה תאנה ויעשו להם הכרת — und da war's mit dem Paradiese zu Ende." Wir gratulireu dem Herrn Verfasser zu dieser geistreichen Erflamm; des פשוק und sprechen ihm außerdem noch extra unsere Bewunderung über seine große Anspruchslosigfeit aus, da er Schürzen aus Feigenblättern schon als großen Luxus aufzufassen scheint. Um nun zu rechtfertigen, warum er gegen den Kleldecluxils auftritt, muß wiederum ein kleiner פסוק als Legitimatiouskarte dienen. Denn ״wenn an dem Kleide Schäden sich zeigen, sagt die Schrift: ותראה את השה" dann solle es alsbald dem Priester zur Untersuchung und Heilung gebracht werden." In der darauffolgenden פרשת מצריר treffen wir den Verfasser als originellen Äibelerklärer. Allerdings bezeichnet er die Erklärung unserer Weisen des נכע צרעת als Strafe für לשון הרע als sehr ״sinnig",, doch scheint er die seinige für geistreicher zu halten. Er bemerkt nämlich: ״Sieh nur, daserste Zeichen und Merkmal, dadurch (?) die Gefährlichkeit des Nebels sich kundgab, war, wie die Schrift sich ansdrückt, ושער י י כנגע הפך לבנן daß das Haar sich in Weiß vcrwandelt hatte. Es war das ein schlimmes Symptom, der Priester, schüttelte bedenklich sein Haupt; es war Gefahr vorhanden und schnelle Hülfe that noth!" Wir bewundern die herrliche Phantasie des Herrn Verfassers, wie er sich im Geiste so lebhaft in die. alte Zeit versetzen kann. Folgen wir dem geistreichen Erklärer weiter. Er meint, ״daß, wenn das Haar in Weiß sich verwandelt hat, es auch gegenwärtig noch ein bedenkliches Anzeichen sei, daS schnelle Hülfe erfordert von priesterlicher Hand; — ja auch heute noch sollte bei solchem (?) Falle der Priester als Arzt auftreten." Wir ftaimcu ob der dunklen Rede Sinn; auch der .Herr Verfasser scheint unseren Zweifel im prophetischen Geiste voransgeschaut zu haben, indem er fragt: ״doch wie, wenn das Haar sich in Weiß umgewandelt hat, daS sollte ein bedenkliches Anzeichen, ein Symptom innerer Leiden, etwa tiefes Seelenleideu sein? Aber wo giebt es im Leben einen ehrwürdigeren, heiligeren Anblick als das Silberhaar -des Greises? ... Nun wohl, das ist ein Ehrenkrau; sür's Haupt. Allein — ושער בנכע הפך לבן, wenn das Haar durch den. anhaftenden Schaden ist weiß geworden .. wenn die Sünde oder die Sorge cS ist, die die Haare gebleicht, die heilere, lebensfrohe Jugend in ein trauriges, überdrüssiges Alter umgewandelt hat — wie. dann sollte die -Hülfe, die Heilung nicht-dringend nöthig sein? rc. re. ..." Also, so faßt der verehrte Herr Doktor bc» נכע צרעת auf. Wie er

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