Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 14-15 (9.4.1885)
- Article
- Frühlingsanfang - Peßachfest
- Date
- 1885-04-09
- Page
- 225 (sequence 1)
- Language
- German
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M 14 u. 15. Jeschurrm. 225 Krüßkingsanfang — Zt'eßachfest. Von H. Picard. Junger Frühling sei gcgrüßct! — grcimblid) lacht die Sonne wieder, Die nach langem, schwerem Ringen Fortgeschcucht den kalten Winter. Wie ein Herrscher, der mit Strenge Als ein Schrecken seiner Völker, Herzlos haust in seinen Landen, Hielt gefesselt er die Erde, Tödtete, was noch auf Fluren, Was in Gärten, was in Wäldern Saftig trieb und Leben harte; Sandte seine wilden Schergen, Sturmcsbrauscn, Schneegestöber, Daß in bangem Fürchten Alles Niedersinkend jäh erstarrte. Doch der Winter ging zu Ende. Sonnenschein und Frühlingswchcn Hießen fliehen den Gesellet!. Neucrwachet strahlt die Erde, Stolz im bunten Frühlingskleide. Blumenschmuck ans allen Fluren, Gräser sprossen, Knospen sprießen, Und die Priniel grüßt das Veilchen, Das am Waldesabhang lauschet. Unterm Blüttcrdach der Bäume Schallen Helle Frühlingsgrüßc AuS den Kehlen saugcSfrohcr Vögel, die desjungen Frühlings Einzug laut in Liedern feiern. — Lenzes Nahen sei gepriesen! In die trauten Hütten Juda'S, Wo das Peßachsest sic feiern, Trag' die Sonne hehren Glückes. — Um den Tisch versammelt sitzen Alle. Aufgeschichtet steh'n die Mazzoth neben bittern Kräutern, Den Symbolen bittern Harmes, Weingefüllct steh'n die Becher, Und der Scder wird gegeben. Stille herrscht, denn es beginnet Jetzt der Vater die Erzählung: Wnndgcschlagen und geknechtet Schmachteten die armen Brüder Unter Pharo's Peitschenhieben. In der blut'gen Rechten schwang er Wild , des Unglücks schweres Szepter. Blinder Haß und feige Bosheit Nisteten in seinem Busen Gegen jene freien Männer, Die im Lande gastlich wohnten. Friedlich lebten Abrams Enke! In Aegypten, waren treue Untcrthancn ihrem König; Doch dem Erbtheil ihrer Väter, Jenem innig-cinz'gcn Gotte, Der mit starker Hand sic schirmte, Wollten nimmer sic entsagen. Finstern Blickes sah der König- Dieses Häuslein trotz'gcr Männer, Wie erstarkend es heranwuchs, Sah des Segens reiche Fülle, Der erblühte ihrem Hausstand. Und sein Geist, von Angst umnachtet, Sah die.Fremden, wie sie kamen, Schildbcwehrt, mit Schwert, im Kampfrock, klm zu streiten und zu jagen AuS dem Land' ihn lind sein Kricgsvolk. Und die fahlen Lippen bebten, Und die stieren Augen starrten — Jetzt, das Schreckgespcnnst zu bannen, In dem eig'nen Hirn gezeuget, Griff zur Sklavenpeitsche Pharo', Nies der Knechte wilde Haufen, Zn zertreten selten Wurm, der Nagend seinen Thron zerfresse. Jakobs Söhne waren Sklaven. Und die Brust der edlen Männer Keuchte unter schweren Lasten, Und die Hand manch' zarter Jungfrau Sank ermattet in den Schooß ihr, Wenn die Nacht herabgedammert. ״Gott der Väter," schrie's zum Himmel, ״Sieh den Jammer, sieh die Wunden, Von Tyrannenhand geschlagen, Sende Hülfe deinen Kindern!" Freiheit, Frühling, wirst du tagen? — Hort ihr's klingen tausendstimmig Her vom Mcercsstrand im Thorc? Hört ihr's singen: ״Wer wohl gleichet Unscrm Gott, dem ewig Mächt'gcn?" Von Tyranncnjoch errettet Hat der Väter Gott die Seinen. Aus der langen- Nacht des Elends Ziehen sie zur gold'nen Freiheit, Hinter sich den Feind, den wilden. Der in eitlem Prahlen mit der Gottheit frech sich mcffcn wollte,