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Jeschurun · 1885-04-09 · Heft 14-15 (9.4.1885) · p. 224

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 14-15 (9.4.1885)
Article
Nihilismus und Judenthum
Date
1885-04-09
Page
224 (sequence 3)
Language
German
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letzter. Moment die Kraft;n versagen, den einzigen Sohn von sich zu lassen. — Würde seine Flucht gelingcn? - würde er ihn Wiedersehen'?--- Wieder und immer wieder preßte er ihn an sein Herz. — Alexander begann ernstlich zu fürchten. ״Tic gefährden seine Flucht," sprach er bittend, indem er die Hand des Vaters leise berührte. Noch einen innigen Kuß drückte dieser auf die nippen seines Lohnes, dann ließ er die Arme sinken und der junge Mann stürzte hinaus. Gleich darauf oernahn׳- man das Davonrollen des Wagens, der ihn bem Bahn Hofe zuführte. — Laut schluchzend sank der alte Lcwinski in die ihn stützenden Arme seines Schwiegersohnes, und seine Lippen flüsterten dem Scheidenden den Priestersegcn nach״ .׳ES segne Dich der Herr und behüte dich, cs Lasse der Herr Sein Antlitz dir leuchten und sei dir gnädig, der Herr neige Sein Antlitz dir zu und verleihe dir Frieden." — (Fortsetzung folgt.» KorrcsMdcilzcil mib Nachrichteil. D eutschland. E. S. Frankfurt a. M , 29. März. Borige Woche fand hier die ösfcntliche Prüfung der Realschule der israelitischen ReligionSgesellschaft-statt. ES war das nicht die einzige öffentliche Prüfung, die mit diese Zeit stattgcfundcn hat — fast alle Realschulen in Preußen hatterr setzt ihre Prüfungen wo!)! aber war es die einzige, die mit der Prüfung im Talmud begann. Die Schüler hatten die Schulzeit wacker benutzt und gaben die Beweise, daß sie das Gelernte wohl begriffen und inne hatten. Und es waren keine leichten Theinaia, die sie vorzutragen hatten. Eine Klasse zeigte, daß sie' , die ארבעה אבות נזיקין wohl verstanden hatte und die Kren:- und Querfragen wohl zu beantworten wußte, eine andere hatte das uoch schwierigere Thema von ברירת begriffen und erfaßt, und eine dritte wußte einen ihr aufgegebenen noch nicht gelernten Abschnitt im Talmud ohne Hülfe des Lehrers mit ■רעיי imb תוסב׳ vorzulragen und zu erläutern und hat damit gezeigt, daß sie das in der Schule gepflegte Studium selbstständig fortzusetzen vermag. Damit hat aber die Schule׳ ihre Ausgabe gelöst. Die Schule ist. für den kaufmännischen Beruf berechnet, sie hat ihre Schüler jiir die Anforderungen des Lebens vorzuberertcu, uud sie zugleich in den Stand zu setzen, das in der Schule begonnene n'7Q-׳Studium selbstständig fortzusetzen, und sas ist vollkommen erreicht. Dabei ist die Ausbildung keine einseitige, Geist und Körper werden gestählt und gLkräfrigt und Schüler und Schülerinnen in die verschiedencn Zweige des Wissend cingcführt. War der Sonntag dein Indischen gewidmet, so begann der Montag mit dem Turnen, und war cs im höchsten Grade interessant, den ebenso viel Kraft als Gewandtheit crsorderndcu Uebungen znzusehen. Den! Zuschauer, der in einer Zeit aufgewachsen ist, in welcher dic Tnrnerei wie eine Vorbereitung zur Revolution betrachtet wurde und demgemäß verpönt war, fällt es schwer, die Vorstellnug eines Talmudjüngers mit der eines Turners zu vereinigen, und dennoch waren cs dieselben Knaben, die am Sonntag sich beim Talmudunterrichte bewährt, die am Montag die Turnübungen mit seltener Präzision aussührtcn und mit staunenSwcrthcr Gewandtheit bis zur Decke der sehr hohen Turnhalle cmporklettcrten. Solche körperliche Uebungen sind für die Gesundheit sehr zuträglich und erleichtern den späteren Militärdienst ungemein. Auch die Uebungen der Mädchen waren allerliebst und geben denselben eine gute Haltung und Gewandtheit in den Bewegungen. Auch in anderen Fächern waren die Leistungen ganz vorzüglich, namentlich in Mathematik, Physik, Sprachen und anderen Realien, und darf wohl mit Sicherheit behauptet werden, daß die Schule hinter keiner anderen hiesigen Schule zurücksteht — und die hiesigen Schulen haben ׳einen großen Ruf. Erstaunlich war besonders die Sicherheit der Schüler und die Gewandtheit im Ausdruck. Welcher Werth auf den mündlichen Vortrag gelegt wird, bewiesen die der Schlußrede des Direktors vorangcgangenen Vorträge von Gedichten in deutscher, französischer und englischer Sprache. Die richtige, ausdrucksvolle Betonung gaben Acngniß von dem innigen Verständniß unserer großen Dichter. Die Gesänge wurden mit Präzision vorgetragen und fanden ungethcilten Beifall; ebenso die Zeichnungen, sowie die Handarbeiten der Schülerinnen. So gestaltete sich der. Abschluß des Schuljahres zu einem Freudenfeste für die Lehrer wie für' die Schüler und Schülerinnen. Auch haben acht oder neun Schüler die Berechtigung erhaltcm Der Prüfung der Realschule folgte am Donnerstag die öffentliche Prüfung der Volksschule, welche gleichfalls ein sehr befriedigendes Resultat ergab. Trotzdem diese. Schule erst seit drei Jahren besteht und erst drei Klassen errichtet sind, wird dieselbe von ca.!50 Schülern und Schülerinnen besucht. Die Anmeldungen sind so bedeutend, daß mit dem Beginne des nächsten Semesters zwei weitere Klassen eröffnet werden müssen. Die Leistungen der Schüler und Schülerinnen legen Zeugniß ab für deren Fleiß, sowie für den Eiser und die Pflichttreue der Lehrer. Wenn die Schule in der gleichen Weise fortfährt, darf mit Sicherheit düranf gerechnet werden, daß ihre Schüler und Schülerinnen sich einst im Leben durch eigene Kraft bewähren werden. " .

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