Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 14-15 (9.4.1885)
- Article
- Unsere Stellung zu den inneren jüdischen Verhältnissen in Ungarn
- Date
- 1885-04-09
- Page
- 218 (sequence 2)
- Language
- German
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218 bezüglichen Anocinandersetznngen in unserem Organe! vielfach Anllang in Ungarn gefunden, dafür liegen j im? Beweise vor: freilich ebenso auch von Kundgebungen, j welche, ohne sich der Wahrheit derselben zn verschliefen,; cs al7׳ niehl opportun bezeichnen, die innersten Schaden i bloßzulegeu. Die Redlichkeit unserem Strebend aber! ward von keiner Seite bis jetzt in Zweifel gezogen. ■ Wir sind deshalb durch den Aufruf, welchen der ־ ״Israeli!" in Main; in seiner Aufgabe vom Zu. v. Nt. ״An die Fiihrer der jüdischen Orthodoxie in Ungarn"! erläßt, sehr überrascht. Herr I)r. Lehmann behauptet darin, daß ״die Zeitungen, die bis jetzt der Streitigj leiten erwähnten, 11111־ schüren und den entstehenden! Brand zn einem verzehrenden, vernichtenden. Feuer! anfachen wollen." Außer unserer Zeitung hat, unseres j Wissend, 11111־ die ״Nene jüdische Pester Zeitung" dieser j jüngsten Streitigkeiten Erwähnung gethan. Wir und dad Publikum müssen dedhalb diese Behauptung dcd Herrn I)r. Ochmann auch auf und beziehen. Wir weifen diese Verdächtigung mit aller Energie und in voller Entrüstung zurück. Jede von und geschriebene Zeile straft dieselbe Lügen. Bon Samson Raphael Hirsch. XXVI. Die Ehe. Schluß.)! Siehe Nr. 10.) 0) Ed ist died ein lenchtcnded Beispiel dessen, was unsere Weisen ^-.ידדם 2״^, Klugheit in der Gottesfurcht nennen, die das fromme Wirken mit verständiger Umsicht und Ueberlegung in bester Weise zu besten Zielen lenkt. Das ist aber auch eben diejenige sittliche Klnghcit. die das Prinzip einer jeden öffentlichen Perwaliuug bilden soll. Wie cs nach jüdischem Begriff für das öffentliche Leben keinen anderen Moratkodcp giebt, als für das private, so giebt cs auch fast keine andere Klugheit und Perwaltuugsknnst öffentlicher Angelegenheitcn', als diejenigen, die sich schon in Leitung des häuslichen Lebens bewähren. Die Behauptung liegt gewiß nicht'weit von der Wahrheit, daß der beste Hausvater zugleich der beste Gemeiudeverwalter und Leiter sei. Wessen Hans schlecht bestellt ist, dem sollte man auch keine Gemeindeverwaltung anvertranen, ein Motiv, das auch wohl unsere Alten mit bestimmt haben mag, die Gemeinde und ihre Leitung zunächst nur Perheiratheten in die Hände zn geben, die somit bereits sich im Einfluß auf Menschen und Verwaltung von Gütern erprobt haben dürften. Diese Erwägungen lassen unseren Satz völlig an seinem Platze erscheinen. Er' hebt ans dem Wirken des Weibes ein Beispiel hervor, in welchem sich die mit .Klugheit gepaarte Gottesfurcht praktisch bewährte, und dem Manne als Vorbild leuchtete, der denselben Grundsatz im Nathc der Gemeinde zu bcthätigcn hatte. In) Die Gewisscuhaftigleit und Milde, die ans dem vorangeheuden Beispiele hervorleuchtct, war aber über- Haupt der Grundkarakter ihres Wesens, sic waren die Kraft (eigentlich die Entschiedenheit) und die Schöne, עוז דהדך, die die. Erscheinung ihres Wesens bildeten, und darum sah sic auch lächelnd ihrem letzten Tage entgegen. 1l) Bis an ihr Ende, als sie schon nicht mehr selbst schassend milwirkcn konnte, machte sie sich durch die Erfahrung und Einsicht, mit welcher sie die Gänge ihres Hauses überwachte und beriet[), wohlthueud und nützlich und lohnte mit geistiger Leistung das Brod, das sie aß. Eine Aussassting, die ich dem verstorbcuen 1)1־. Abraham Lcvi?"r, einem wackeren Lehrer unserer Schule verdanke, und die um so mehr die richtige -ist, als sic das Motiv erklärt, das diesen Satz den letzten Zug in dem geschilderten Lebenslauf des wackeren Weibes bilden läßt. * * * WaS war nun dieses jüdische Weib, mit dessen Ehrcngcdächtuiß unsere Sprnchweishcit schließt? Sie war die vertraute, beglückende Freundin ihres Mannes, dessen Herz in dem ihrigen sicher ruhte und seine höchsten Errungenschaften in ihr fand. Sie war die selbstständige Leiterin und Ordnerin des Hauses. Aber sie war noch mehr als dies. Sic wollte nicht nur das vom Manne erworbene Vermögen zuin Besten des Hauses, zur Nahrung und znm Wohlbehagen des Hauses verwenden. Sie griff thätig selbst zu und wollte durch ihre Thätigkcit selbst zur Bermchrnng des Wohlstandes des Hauses beitragen. Sic machte sich somit freiwillig zur Genossin der Mühen und der Arbeit des Mannes. Thätigkcit war ihr Element, Wohlthnn ihre Freude, Weisheit wohnte ans ihren Lippen und opfcrungsfreudige Hingebung und Liebe lehrte sie mit Nede und That. Sie ivar die immer wache Wächlerin der Gänge ihres Hauses und zugleich die stille weise Bcratherin ihres Mannes für das Wohl des Gemeinwesens. Was sie gewesen, lebt unvergeßlich fort in der Brust ihres Mannes und ihrer Kinder, die ihr Lebelang voller Ehrerbietung aufstehen bei ihrem Gedächtniß und nicht utüde werden ihres Ruhmes und ihres Preises, und, weit über den engen Kreis der Ihrigen hinaus, lebt ihr Andenken in der Gemeinde zn ewigem Ruhme und Beispiel fort.