Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 13-14 (26.3.1885)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn
- Date
- 1885-03-26
- Page
- 210 (sequence 2)
- Language
- German
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210 Dementi'S bic Ehre seines Großmeisters zu wahren suchte. Wir bedauern aber auch aufrichtig, daß Herr Rabbiner Joachim Schreiber nicht schon^ früher in die Bresche getreten. - - Wie hat auch er vor Jahren sich dupireu lassen und eben in einer 7!2L-Mahl-Afsaire arge Verwirrungen angcrichtct. — Bei aller Achtung vor der talmudischcn Gelehrsamkeit dcS Herrn Rabbiner : Schreiber ""■נ, können wir auch ihn nicht von jeder Lcbuld frei sprechen, daß unsere Zustande so trostlos; geworden. — Daß Herr Schreiber früher als viele seiner Kollegen zur Einsicht gekommen, kann nicht ■ Wunder nehmen, da er seit Jahren Gelegenheit hat, j in nächster Nähe das Gebahren der DurchführnugStommission in Augenschein zu nehmen. — Auffallend I ist viclniehr, daß Herr Schreiber heute erst Muth , gefaßt, das zu thun, waS schon längst seine Pflicht gewesen wäre. — Hier fällt uns ein ״Wörtchen" ein, das dem אב; ™א seine Entstehung verdankt, und da eben das .-t^-Fcst herannaht, schickt eS sich auch als דבר בעתו nicht schlecht. Der SchriftvcrS ארמי אבד אבי רפד gab und giebt den Bibelforschern und -Translatoren Viel;um Nachdenken; von unserem אפן עזרא haben wir in einem Machsor eine witzige Desination hierauf gesehen. Unter ארמי verstehen wir den Laban; nun fragt er, ׳ sind wir denn durch Laban nach Aegypten gekommen? Josef war ja die nächste Veranlassung! — Und er antwortet: tvoh! wahr, durch Joses gelangte Jakob nach Aegypten. Doch weiche Umstände und Schicksalsgängc brachten.den Josef dahin? Die Brüder haben ihn verkauft. Ja, aber warum? weil sie ihn gehaßt. Doch was hat den unnatürlichen Bruderhaß erregt? Weil Jakob den Joses durch besondere Liebe auszeichnete, dies erweckte den Haß und Neid der Brüder. Hingegen wenn Josef der Erstgeborene gewesen wäre, Hütten die Brüder die Auszeichnung natürlich gefunden und dagegen nichts cinwenden dürfen, denn also heißt cs auch von dem Erstgebornen בי לו בי ימ5ים. Was war nun die Ursache, daß Josef nicht der בבור war? weil Laban den Jakob betrogen und ihm die Lea statt der Nahel gegeben, hatte er ihm die Nahe!, gleich gegeben, wäre Joses der בבור gewesen, darum sagt die Schrift ganz recht אבי ובו' ארמי אבד. Wer mit den Verhältnissen der ungarisch jüdischen Orthodoxie vertraut ift. wird eine Analogie sofort heraussinden. Für alle Fehler und Sünden, die X. und P. begangen, wird heute Ignaz Reich verantwortlich gemacht. Wenn wir den Kausalnexns betrachten, ergicbt sich wohl, daß Reich der Urheber und Stifter derselben ist, welcher die ungarisch - jüdische Orthodoxie leider in ägyptische Finslcrniß versetzte, allein wir wiederholen, was wir schon oft gesagt, Herr Reich allein hätte eS nie und nimmer vollbringen können, wenn ihm nicht Handlanger, Helfer und HelfcrShelscr zur Seite gestanden wären. Es ist endlich au der Zeit,, daß man auch im Auslände cs wisse, was man von den Leitern unserer Orthodoxie, sowie von den ״nicht mehr ungewöhnlichen" אזהרות הרמות ואיבורים ungarischer Rabbinen zu halten habe. Rabbiner Joachim Schreiber hat ja selbst klar und unzweudcutig gesagt, wie derlei Interbitte hicrlandS in Szene gesetzt werden, und Rabbiner Joachim Schreiber ג׳יי, der Rabbiner der autonomorthodoxen Gemeinde zu Pest, ist doch ein verläßlicher Gewährsmann. — — — Man lese das obige Exzerpt der Rede des Herrn Schreiber nebst den Bemerkungen der ״Neuen jüdischen Poster Zeitung" und vergleiche unsere Kollektiv-Berichte, und man wird in die Lage versetzt, zu denken, die Rede dcS Herrn Schreiber sei ein Exzerpt unserer Relationen. - Herr Rabbiner Schreiber möge aber sich nicht auf die energische Abwehr dieses einen Unfugs beschränken, sondern mit dem gleichen Eifer auch den vielfachen und bedeutenderen anderen Mißständcn muthig cntgegegcntretcn. Zum Schlüsse bemerken wir noch, falls die geplante אביבת המרימה zu Stande kommt, möge man! sich von der momentanen Erbitterung uicht irresühren; lassen; auch von Herrn Ignaz Reich gilt das treffliche j Wort Otto Hermanns: ״Er ist wie ein Pflocken, je! mehr man auf ihn schlägt, desto fester sitzt er." Darum j הבמיה הזהרו בדבריבם Vorsicht ist die Mutter der! Weisheit! Wie wir diese.! Warnungsruf verstehen,! daS haben wir schon früher einmal gesagt. Habet; Acht, daß wir nicht das ganze Jahr hindurch בבה! feiern sollen, daß wir nicht unser ganzes Dasein על מצות ומרורים יאבלוהו! in Zank und Bitterkeit fristen. Korrespondenzelt und Nachrichten. Deutschland. #־ Hannover, 25. März. Am vergangenen Mittwoch schloß der diesjährige EykluS der von dem Talmud - Thora - Verein vcranlaßtcn ׳Vorlesungen' mit einem Vortrage dcS Herrn.Di׳. Kaiserling über den Talmud und seine Verfolger. Nachdem der Redner lichtvoll und präzise das Wesen des Talmuds dargelegt hatte, führte er seinem zahlreichen Auditorium die Leidensgeschichte desselben in großen Zügen vor die Seele, welche Hand in Hand mit derjenigen des jüdischen Stammes geht. Der Talmud und der Jude sind aufs Innigste mit einander verwachsen, man glaubte im Talmud den Juden zu vernichten, und ׳in der Verthcidigung des Talmuds als seines kostbarsten