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Jeschurun · 1885-03-26 · Heft 13-14 (26.3.1885) · p. 203

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 13-14 (26.3.1885)
Article
Das Geheimmittel zur Belebung des Judenthums
Date
1885-03-26
Page
203 (sequence 3)
Language
German
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203 ti)ci(c wird sich;11 dessen Kräftigung einen, cs wird Alle die Eckenntniß durchdringen, daß der Jakobsstamm dem Geiste und den Zielen treu bleiben muß, uns welchen er emporgewachsen, daß hier nur die Vergangenheit die Grundlage der «Gegenwart und die Bürgschaft für ein zukünftiges Bestehen bieten kann. Fort darum mit allen neuen Zanbermitteln, die! an Wirkling allen sonnigen vielgepriesenen Allewelts-! arzeneien gleichen. Verbreiten wir die Thora, holen wir aus dem Schachtc unseres Schriftthums die ge-! sundeste Geistesnahrnng Israels hervor; in der Schule,; auf der Kanzel, mit der Feder in der Hand verbreiten wir das echte Thorabewußtscin — erschließen wir in diesem! Sinne der Gegenwart die räthselhasten Folianten — ן räumen wir auf mit der (Gleichgültigkeit, mit der Zag-! Hastigkeit, die uns davon sernhatten könnte — so werden I sich die Pforten der Gotteshäuser wieder öffnen, die! verödeten Hallen werden sich wieder beleben. — ja,! das Indenthnm wird wiederum seinen Einzug halten! in die Häuslichkeit — wiederum wird sich das folgende ' Geschlecht an das vorangehende anschließen — nachdem j Israel seine Lebcnsbedingnngcu erkannt hat, wird schon I der geistige Selbsterhaltungstrieb unsere Brüder vor י Treulosigkeit gegen die Lebensqnellcn unserer Genossen schaft dauernd bewahren. אוני״ד. b. Ans dem A'cprüsentaltttnkotttginm der jüdischen Gcincinde zu Berlin. Tief und unergründlich wie das wogende Meer sind die Herzen unserer Reformer. Wie der Grund deS Meeres noch von keines lebenden Menschen Faß betreten worden ist, wie seine Geheimnisse noch von keines Sterblichen )luge ganz erschaut wurden, so ist auch der Grund des Herzens jener Männer bedeckt und verhüllt, auf daß ihn kein Äuge klar überblicke. Wie wir aber andererseits zuweilen ans dem vom Sturme emporgeführtcn Schlamme ans das Aussehen und den Zustand der ewigen Tiefen schließen können, so eröffnen uns Worte und Erklärungen, die im Zorne oder inder Aufregung abgegeben werden, einen Einblick in die Herzen jener Biedermänner und ge'raücn einen Schluß auf den Nest, der Schweigen ist. Einen neuen Beweis für diese alte Behauptung — sagt doch schon der Talmud, daß des Menschen Karakter בכעפו erkennbar sei — hat die Sitzung der hiesigen Repräscntanten-Bersammllliig vom Sonntage, 15. d. M., geliefert, in welcher cs sich um Aushebung der Bcslimmung handelte, daß am;wetten Tage der Festtage die Beerdigung — aus Wnusch — auch vom Trauer- Hanse aus stattsindcn solle. Diese Bestimmung hatte nämlich der Verstalid der hiesigen Stznagogengemeindc in! Jahre 1881 getroffen. Von welch prinzipieller Bedentling aber ein solcher Beschluß ist, kann nur der ermessen, welcher Berliner Verhältnisse kennt. Die wertigen Geldmänner nämlich, welche sich den Luxus') einer solchen Bestattung erlauben können, wohnen zum allergrößten Theilc in einer dem Friedhose diametral entgegengesetzten Richtung, so daß man gut und gern annchmen darf, daß in solchen Fällen der Weg mindestens ' r deutsche Meilen beträgt. Es ist also unter solchen Umständen ganz selbstverständlich, daß die Leidtragenden zu Wagen dem Zuge folgen, was auch von sammllichen Rednern in der Repräsentanten Vcrsarnmlung anerkannt wurde. Allerdings Hütte wohl hieran Niemand Anstoß genontmen, aber die Sache hat noch eine weitere Folge. Selbstverständlich haben ja auch immer solche Berstorbene die größten Verdienste um Israels Wohl und können daher auch die Begleitung ihres Rabbiners — natürlich im Tatar - zum Grabe verlangen. Der betreffende Herr Rabbiner wäre nlso gezwungen, entweder mitznfahren oder aber den Weg und) dem Fried- Hofe anfangs in Begleitung, schließlich — da ja die Leidtragenden die Wagen besteigen würden — allein mit seinem guten Gewissen zurnckznlegen. Als also ein solcher Fall im Jahre 1883 eintrat, da halsen sich die beiden damals anttirendcn Rabbinatsassessoren Ungerleider und Frankel, weiche vorher ans eine Anfrage des Vorstandes nicht den Muth gesunden hatten, ihre Meinung offen auszusprechcn, dadurch ans dem Dilcnnna, daß sic — Krankheit vorschützten. Und nun geschah daS Unglaubliche; der Rabbiner einer Privatgcmcindc folgte dem Zuge durch die ganze Stadt im ,,Amtskleide". Darob eine furchtbare Aufregung in der Gemeinde, welche dazu führte, daß. der Vorstand der Beerdigungs-Kommission — anderorts הברא £דישא genannt — den obenerwähnten Antrag auf Beteiligung des Borstandsbeschlnsses stellte. Dieser Antrag durchlief nun nicht weniger als fünf Instanzen und wurde in allen genehmigt; endlich lehnte ihn eine ״gemischte" Kommission, über deren Votum im Verlause der Debatte allerlei interessante Dinge zu Tage kamen, ab, und nun gelangte er zur endgültigen Entscheidung an das Ncpräscntantcnkollcginm. Auf die Reden der anderen Herren׳) hier näher cinzngehen, dürfte kaum am Platze sein, wiewohl sie ' Gewöhnlich erfolgen die Bestattungen von der Vcichcnhotte anr-, der großen Entfernung wegen. Bei Beerdigungen vom Hause auä kostet die »Zohrl allein <;00 Mark. -) Unseren Srandvunlt vertrat am wärmsten Herr V. Bamberger, der den Herrn Professor L.izaruS auch einiger eklatanten ״Widersprüche" überführte. ,

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