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Jeschurun · 1885-03-19 · Heft 12 (19.3.1885) · p. 184

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 12 (19.3.1885)
Article
Nihilismus und Judenthum
Date
1885-03-19
Page
184 (sequence 4)
Language
German
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184 des Alten, rasch entschlossen ergriff er die brennende j Lampe und trat in das Zimmer seines Sohnes. j Leichenblaß mit verzerrten Zügen wälzte sich der j junge Mann in seinem Bette, die Angen noch immer! geschlossen. Und plötzlich schrie er wieder auf: ״Blut! , — Blut! -- überall Blut!" — j Da trat der Pater rasch an ihn heran. ״Ignaz,"; rief er laut, und legte die Hand auf deS Aechzcuden! Schulter, ,.Ignaz!"! Der junge Mann richtete sich hastig auf und! öffnete die Augen. ״Wo bin ich?" stammeltc er,; indem er angstvoll um sich blickte, ..wo bin ich?"; ״Beruhige Dich, Kind, Du bis! bei Deinem Pater." : Ignaz athmcte tief auf und fuhr sich mit der! Hand über die Stirn.; ״Ich muß geträumt haben," flüsterte er, ״habe ich vielleicht geschrieen,-daß Du mich in Deinem Zimme gehört hast? — Verzeihe, daß ich Dich gestört." LcwiuSki antwortete nicht sogleich, ein unsäglicher Schmerz erfüllte seine Brust. Endlich sprach er: ״Du! hast allerdings geträumt — cs muß ein entsetzlicher j Traum gewesen sein. — Blut! überall Blut!"! Ein Zittern durchfuhr die Glieder deS jungen! Mannes, er schlug beide Hände vor daS Gesicht und - ächzte laut — doch plötzlich sich ermannend richtete er sich stramm ans. ״Was bin ich.doch für eine Memme! — Mich durch einen Traum in'S Bockshorn jagen zu lassen! —" Er lachte kur; und gezwungen, ein schmerzlicher Seufzer hob deS BatcrS Brust. ״Willst Du Dich nicht wieder niederlegen, mein Pater? ich werde Dich jetzt nicht mehr stören." Der Pater schüttelte das weiße Haupt. ״Nein" sprach er, ,,'ich werde mich nicht nicderlegen, mich ängstigen Deine Träume." ״Meine Träume ängstigen Dich?" Der junge Mann versuchte abcrntals zu lachen. ״Ich wußte nicht, daß Du Werth legst auf Träume!" Und wiederum schüttelte der Vater das Haupt; ein furchtbarer Ernst, ein unsäglicher Schmerz lag in seinen bleichen, faltigen Zügen. ״Nein" sprach er, ״ich lege keinen Werth auf gewöhnliche Träume; aber Träume, wie Du sic soeben geträumt, die träumt nur —״ er heftete seine großen dunletn Augen wie,durchbohrend auf das erblassende Angesicht des Sohnes — ״die träumt nur ein Verbrecher, oder wer ein solcher werden will." ״Was habe ich verbrochen?" rief Ignatz, sich in die Brust werfend. ״Das weiß ich nicht, aber ich weiß, daß ein furchtbares Verbrechen auf Deinem noch nicht ganz verhärteten Herzen lastet — hast Du es noch nicht begangen, so hast Du die Absicht, es zu begehen." ״Du irrst," rief der junge Mann heftig: ״nie habe ich ein Verbrechen begangen, noch habe ich die Absicht, ein solches zu begehen." ״Du wirst cs vermuthlich als Heldcnthat bczeichnen — Knabe, thörichter Knabe! mich täuschest Du nicht mehr — Du bist im Begriff, ein furchtbares Verbrechen zu begehen." ״Wer hat das gesagt?" murmelte Ignatz, den Blick zu Boden senkend. ״Du! Du selbst hast eS gesagt — Du bist noch nicht verhärtet im Verbrechen, Dein Herz ist noch weich, cS weiß die Schuld, mit der Du es belasten willst, nicht zu ertragen, cs verrüth Dich." Doch Ignatz schüttelte heftig den Kopf. ״Ich bin mich keiner Schuld bewußt, — ich plane kein Verbrechen." ״Sieh mir in's Auge und wiederhole Deine Worte!" Doch der Sohn war nicht im Stande, dem auf ihn gerichteten Blicke des Vaters zu begegnen, flüsternd nur' und gesenkten Blickes vermochte er seine Worte zu wiederholen. ״Du lügst!" rief der Vater, ״Wehe!' wehe! daß ich diesen Tag erleben mußte! — daß Dein Frevel mir nicht wie Deiner frommen Mutter daS Herz gebrochen hat!" — und vcrzweiflungSvol! rang er die Hände — doch plötzlich richtete er sich auf. ״Verzeihe mir Gott! ich fasele — danken muß ich Dir, daß Du mich erhalten hast, danken für die große Gnade, mit der Du cs in meine Macht gelegt, mein Kind von dein Schrecklichsten zurückzuhalten." ״Du kannst mich nicht znrückhaltcn," murmelte Ignaz. ״Ich könnte Dich nicht zurückhaltcn?" Der eben noch vollständig gebrochene Greis stand hoch aufgerichtet da. als wäre die Spannkraft der Jugend zurückgekehrt in die bereits erschlafften Sehnen. Voll gebietender Hoheit ruhte sein Blick auf dem Sohne. ״Ich könnte Dich nicht zurückhaltcn?" wiederholte er. ״Und wenn ich -Dir verbiete, Dich nach P..... zu begeben?" ״Ich kann Dir nicht gehorchen, mein Vater," entgegnetc der junge Mann.fest. ״Du hast eS selbst gesagt", seine Lippen zitterten, ״Du hast cS selbst gesagt, daß mein Thun das Herz meiner thcuren Mutter gebrochen hat. — Hätte ich alles im Vorhinein gewußt, vielleicht hätte ich cS unterlassen — vielleicht — vielleicht auch nicht — denn wo cs sich um daS Heil der Gesammtheit handelt, darf das Wehe dcö Einzelnen nicht in Betracht kommen —״ (Fortsetzung folgt.)

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