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Jeschurun · 1885-03-19 · Heft 12 (19.3.1885) · p. 179

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 12 (19.3.1885)
Article
Über die Bedeutung der Opfer
Date
1885-03-19
Page
179 (sequence 3)
Language
German
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179 wenn man Gott Tempel baut und Lieder singt, sein Gebot aber brausten mit Fasten tritt, den Sabbalh durch Arbeit entweiht, seine Tafel mit von Gott verbotcncn Speisen besetzt u. s. w. Hebt eure Bersammlungcn ans, würden sic rufen, in welchen eure'Lehrer und Pfafscn über Judenthum und Hebung jüdischen Geistes oder Förderung des jüdischen Religionsunterrichts verhandeln wollen, aber das jüdische Gesetz in seiner praktischen Verwirklichung nicht;um Inhalt ihrer Berathung zu nehmen wagen, weil sie selbst es verleugneu, weil sie selbst ihm die Treue gebrochen. Rabbiner, die die Göttlichkeit des Judenthnms, der schriftlichen und mündlichen Lehre und der Propheten negiren, die dem' Gesetze zuwider leben, Rcligionslehrcr, die das jüdische Rcligionsgcsctz ganz oder theilweise für nicht mehr verbindlich erklären, Bereinigungen, die die ״religiöse Frage" als ein noli metangere proklamiren und von Religion, Judenthum, jüdischem Bewusttsein, jüdischer Begeisterung u.;bgl. m. fromm und salbungsvoll reden, sind Gott ebenso ein ״Greuel", wie das von dem Sünder mißbrauchte Opfer. Gott hat den ihm geweihten Tempel auf Zion zwei Mal in Trümmer gehen lassen wegen des Mißbrauchs, der mit Tempel und Opfer getrieben wurde, und gesprochen: nicht mir hast du dein Emporopfer geweiht, 1111b darum gebe ich dich, deinen Tempel, deine Opfer preis. Aber die Zeit reift heran, langsam aber sicher, wo die Lüge schwindet, und der Trug, wo Israel sich ganz wieder Gott zuwcndet und dem Ideal in Wahrheit zu entsprechen sucht, daß durch sein Opfer verkündet wird — die Zeit, von der es längst verheißen: בי נאל ד׳ יעקב ובישראל יתפאר. Dann gelangt das Opfer als Ausdruck der Willfahrung des göttlichen Willens auf den Altar zu Zion und daS irdische Dasein gestaltet sich לריר. ניחוח לפגי ר. Der Mscmlisms des Wosopytil. (Fortsetzung.) Im vollen Bewußtsein seines Werths darf vielmehr der jüdische Stamm stolz das Haupt erheben und von dieser ihn infamircndcn Hartmann'schcn Darstcllung sich abwendcnd, dem ungeschickten Zeichner zurufen: Nolle deine Leinwand auf, Stümper, tmd lerne mich erst kennen, bevor du dich crdrcistcst, mein Bild zu entwerfen; die Fratze, die׳ du als mein Konterfei ausgeben willst, ist dein eigenes Spiegelbild, wie cs dir deine Phantasie gezeigt, falls dir von deinen Mit- Menschen so begegnet worden wäre wie mir. Kurzsichtiger, blöder Maler, der du nur für Pygmäen und Kobolde Bcrständniß hast, dein Geist reicht nicht aus, um Heroen zu begreifen, und du willst dich erkühnen, die erhabene Priestergestalt des Inden in deinem Pinsel zu erfassen'? Ein solcher Ausbruch zürnender Abwehr wäre Hartmann gegenüber durchaus berechtigt: man darf sich seiner Würde erinnern, wenn man den plumpen Flisttritt übcrmüthiger Gewalt in dem Racken fühlt. Hartmann möge erst hintrctcn und uns einen Menschenstamm zeigen, der auf größere Achtung Anspruch hat, als der jüdische, der der Menschheit reicheren und dauernderen Segen gebracht, in dessen Mitte das wahrhaft Edle, Hohe und Göttliche eine treuere, hingellendere, opferfreudigere Förderung gefunden. Der jüdische Stamm steht keinem andern nach an Edelsinn, idealem Geistesflng, Menschenliebe und jeglicher Tugend- Übung; er behauptet seinen Platz neben den ersten Geschlechtern der Menschheit. Er hat nicht um ein großmnthiges Almosen zu betteln bei den anderen; er zählt zu den Edelsten der Edlen. Er hat den Brüderstämmen nicht nur das kostbarste Gut, die reine Gottcscrkenntniß, wiedcrgebracht und ihnen das göttliche Gesetz überliefert, auf dessen Grunde sich die Moral und Gerecht tigkcit erbaut, welche die Träger der heutigen Kultur sind, er hat auch durch sein eigenes Beispiel dieses Gottesgcbot der Moral und Gerechtigkeit in einem Grade verwirklicht, wie nur immer ein anderer Menschenkreis im Lause der Zeiten bis auf den heutigen Tag. Wohl entsprechen nicht alle seine Angehörigen diesem Ideale, aber Hart mann möge doch erst einen Stamm zeigen, der bisher in allen seinen Gliedern dasselbe erreicht hat. Liefert er doch selbst den vollgültigen Beweis, daß auch unter den christlichen Germanen Individnen vorhanden sind, die sich zu der Gottescrkenntniß nicht zu erheben verntögen und vornrtheilsvoll, nngerecht und lieblos gegen ihre Mitbürger handeln. Wir Juden sind weit von dem Sclbstdünkcl entfernt, als ob wir Alle den hohen Anforderungen des G'ottcsgcsctzeS genügten. Wir halten cs für die Pflicht eines Jeden unter uns, unausgesetzt an seiner Sclbstvervollkommnung zu arbeiten. Aber wir verwahren uns nachdrücklichst.gegen die Hartmariirsche Zumuthnng, daß wir erst durch eine ׳höhere, noch von uns mühsam zu erstrebende sittliche Entwickelung unseren Mitbürgern ebenbürtig zu werden Hütten. Der steten Pflicht der Selbstvervollkommnung können diese sich ebenso wenig enthoben glauben. Das sittliche Ideal kann von jedem Menschen erreicht, es soll von jedem angcstrebt werden; derjenigen Stcrblichcn aber sind unter allen Stämmen sehr wenige, welchen bei ihrem Scheiden vor. dem hienicdigcn Dasein nachgerühmt werden könnte, sic. hätten cs erreicht. Wenn aber die Frage beantwortet werden sollte, welcher Schntzgcist über dem jüdischen Stamm ge-?aaltet, daß er in dem von Hartmann richtig gezeichneten.

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