Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1885)
- Article
- Professor Dr. Grätz' Psalmbuch [Rezension]
- Date
- 1885-03-12
- Page
- 170 (sequence 2)
- Language
- German
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170 Pf. 64, V. 6: יספרו לטמון מוקשים. Sie erzählen, um die Fallen $11 verbergen. Der Sinn ist hier klar; der Psalmist spricht von denen, die ihre Zunge wie ein Schwert schärfen und durch Fälschuug der Geschichte die Religion angreisen; sie beziehen sich gewöhnlich auf Singe, die schwer zu koutroliren sind und sagt: מי יראה למו: Niemand wird sic sehen können. Der Geschichtsschreiber Grätz ist iuuner in großer Verlegenheit, wenn ihm das Wort ספר begegnet, das ihn! doch eigentlich daS vertrauteste sein sollte. Er übersetzt cs neunmal für zehnmal, ohne daß wir daraus achten; hierüber ist die Korrektur so sonderbar, daß wir sie uns nicht entgehen lassen dürfen. Würde er vielleicht zufällig für sich den Tadel des Psalmisten fürchten? Anstatt ספרו liest «:סתרו und übersetzt: Sie verbergen heimlich Fallstricke zu legen. Abgesehen von dem Satze selbst, der dann einen Pleonasmus enthält, läßt sich diese Uebcrsctzung nicht mit dem Vorausgehen den vereinbarcn: man hat cs nicht nöthig, seine Zunge zu schärfen, um sich zu verbergen. (Schluß folgt.) Korrcspoudeuzcn und Nachrichten. Deutschland. * Hannover, II. März. Durch die Berllsung des Herrn Scminardircktor 1)1׳. Prager nach Kasse! werden hier zwei Acmter vakant, die Stelle eines Leiters der Gemeindereligionsschute und diesenige eines Direktors der Bildungsanstalt für ' jüdische Lehrer. Die erstcrc Stelle wird von der Gemeinde demnächst ausgeschrieben werden. Wie verlautet, wird indessen Seitens der Gemeinde kein Widerspruch erhoben werden, falls dem zu berufenden Oberlehrer der Retigioiisschulc von der Scminarverwaltung auch die Dircktorstelle übertragen werden würde, vorausgesetzt, daß diese Persönlichkeit für die Kombiniruug beider Stellen sich eignen würde. Da jede der beiden Stellen die Kraft eines ganzen Mannes in Anspruch nimmt, so könnte eine solche Vereinigung nur dann möglich sein, wenn der Betreffende auch die erforderliche physische Kraft dafür besitzt. In diesem Falte zählte die hiesige Stelle zu einer der bestdotirtcn. -n- Berlin, 4. März. Gott beschütze mich vor meinen Freunden, mit meinen Feinden will ich schon selbst fertig werden. 'Wahrlich! Wie von gehässiger Seite uns Juden so oft zugerufcn wird: ״Ihr selbst tragt die Schuld an der antisemitischen Bewegung!" so scheint eS in der Thai thei!weise der Fäll zu sein. Doch in anderem Sinne, als diese freundlichen Tadler cs meinen. Denn nicht durch die Schlechtigkeit der gcsammten Judcnheit wird das Feuer des AntisemitismuS fortwährend geschürt, sondern es sind vielmehr einige gute jüdische ״Freunde", welche durch ihr sauberes Eingreifen in das Getriebe des Judenhasses ihr Scherflcin zu dentselben beitragen. Ja, eS giebt ehrvergessene Individuen, die wir leider zu uns noch zählen oder doch einst gezählt haben — und eS ist das beste, daß sic nicht mehr;11 uns gehören — die ihre Waffe zum Verderben ihrer Brüder oder ihrer gewesenen Brüder wenden. Diese elenden Mitglieder der Gesellschaft verdienten in der That nicht, daß man sich von jüdischer Seite noch um sie bekümmere, wenn sie nicht selbst uns gleichsam dazu zwängen. Sic sind ja gerade die Stärke und Stütze der Antisemiten. ״Seht!" rufen diese, ״eure eigenen Brüder bezuchtigen euch des Wuchers, des Mangels an Vaterlandsliebe, der arroganten, frechen Besitzergreifung der Presse und der Politik :c. :c. Da müßt Ihr beschämt schweigen vor Euren euch anklagenden Brüdern; denn das ist doch gewiß die Stimme der Wahrheit!" Und wir? Sollen wir schweigen dem nichtswürdigen Treiben unserer so tief gesunkenen Brüder gegenüber? Wohl schleudern wir mit Entrüstung und Abscheu die beschuldigenden Worte zurück, wohl sagen wir uns von solchen Mitgliedern unserer Gemeinschaft los, was hilft es uns? Immer und immer tauchen solche Erscheinungen des semitischen Antisemitismus auf, der wahrlich gesährlichcr ist, als der christlich-germanische, da er dessen Hauptstütze ist. Da soll in England eine in hebräischer Sprache erscheinende Zeitung einen Artikel enthalten unter dem Titel ״Unter vier Augen." In demselben sotten den Juden von Inden die Sünden vorgchalten werden: ״Sie machten sich auf unzählbare Weise verhaßt; sic seien, sofern sie Grundbesitzer seien, als Leuteschinder bekannt; sic übervorthciten die Schneider u. s. w.; sie bctheiligen sich hervorragend an dem Hazardspicl der Börse, häufen Geld auf Geld in gewissen Winkeln auf, bereichern sich durch verbrecherische Schädigung der Bcrsicherungs-Gesellschaften, seien nicistens die Inhaber der- Spielhöllen, und geben die verabschenungswürdigsten der.-englischen Zeitungen heraus." Ob diese von Stöcker behauptete Thatsache wahr ist, weiß ich nicht. Doch gesetzt auch, es sei unwahr, so wissen wir ganz gut, daß schon Aehnliches wirklich vorgekommcn.- Stöcker sagt dazu: ״Das ist eine jüdische Stimme." Ja, eine jüdische Stimme! Wenn es wahr wäre — offen gesagt, ich glaube es nicht — so wissen wir, was von dieser jüdischen Stimme zu halten ist. Was der Verfasser für ein Subjekt ist, ersehen wir 'aus seinem' Artikel.' Ist er ein Jude, so bedauern wir nur, daß aus unserer