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Jeschurun · 1885-03-12 · Heft 11 (12.3.1885) · p. 169

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 11 (12.3.1885)
Article
Professor Dr. Grätz' Psalmbuch [Rezension]
Date
1885-03-12
Page
169 (sequence 1)
Language
German
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Jeschnrin«. X II. 169 Profcfor Dr. Grätz' |)fniii1!1u1i|. j Bon Dr. Klein (Paris). (Fortsetzung.) , Ps. 20, V. 10: ה' הושיעה המלך יענגו ביום קראנו. Ewiger, hilf, der König wird uns retten am Tage, wo wir ihn aimifcn. Professor Gr ätz übersetzt: Steh' dem König bei und erhöre uns rc., indem er יענגו wie ועגנו wiedcrgiebt. Ps. 22, V. 18: אספר כל עצמוהי. Ich lasse alle meine Gebeine zählen. Doktor Grütz bemerkt, daß man nicht sagen könne; Ich erzähle meine Gebeine und sagt daher statt עצבותי עצמותי all mein Unglück, was gar keine Beziehung zu dem übrigen Theil des DerseS hat. Ps. 27, V. 5: בצור ירוממני. Er wird mich auf einen schirmenden Felsen erheben. Für Herrn Di־. Grätz unverständlich. Ps. 61, V. 3: בצור ירום ממגי הנהני. Du wirst mich auf einen für uiich zu hohen Felsen setzen. Professor Grätz versteht den Sinn beider Stellen nicht und verbessert in ימצוררי ירוממניer erhebt mich über meine Feinde, an der zweiten setzt er die oben verworfenen Worte בצור ירוממני, nachdem er bemerkt hat, daß ein Felsen stets höher ist als der der dort eine Zuflucht sucht. Werden wir diesem großen Geiste zu verstehen geben, daß ein Felsen möglicherweise nicht zu hoch ist, um ihn allein zu besteigen? Ps. 33, V. 7: בונם בגר מי הים. Er sammelt wie eine Mauer die Gewässer des Meeres. Obgleich uns der Pentateuch bereits denselben Ausdruck Lehrt (נצבו במו נד), versteht ihn Dr. Grätz nicht. Er verbessert und schreibt dabei auf einmal einen grammatischen Fehler und einen Unsinn: בונם בנאד: Er sammelt wie in einem Schlauch die Gewässer des- Meeres. Wir verstehen (vielleicht in Folge unseres Mangels an Aufklärung) besser den massoretischen Text; wir glaubten aber bisher, daß man בנאד übersetzt mit: wie ein Schlauch, und nicht mit: wie in einem Schlauch. Man sieht immer Neues in gelehrten Werken! Ps. 34, V. 1: לפני אבימלך. Vor Abimelech. Im Bewußtsein seines Geschichtschreiberberufs korrigiri Dr. Grätz: לפגי אביש פלך uor dem König Achisch. Die Massorcten kannten ebenso gut wie er den Namen . des in Rede stehenden Königs, aber sie wußten außerdem, daß die Könige der Philister den Namen Abimelech führten, wie die der Aegypter Pharao hießen. Ps. 36, V. 2: נאם פשע לרשע בקרב לבי. Die Sünde spricht zum Bösen im Grunde meines Herzens. Professor Grätz verbessert נעים פשע לרשע בקרב לב. Süß ist die Sünde dem Frevler im Innersten seines Herzens. Das Gegcntheil ist gewöhnlich der Fall; was wären sonst die Gewissensbisse? Ibid. V. 7: ארם ובהמה הושיע. Du hilfst dem Menschen und dem Vieh. Der Midrasch sagt uns in Bezug auf diese Stelle, daß nach der gewöhnlichen Rechtsordnung der sündhafte Mensch des Todes ist, daß er den Gesetzen unserer heiligen Thora zufolge ein Opfer bringen muß, und daß cs eine Folge der gottlichcn Barmherzigkeit ist, daß cS nur der aufrichtigen Buße bedarf. In dieser Weise erstreckt die göttliche- Vorsehung ihren Schutz in gleichem Maße über den vernriheilten Menschen und das zu opfernde Thier aus, von allem dem weiß aber Dr. Grätz nichts. Seiner Ansicht nach kann man keinem Thier helfen(?), und er sieht sich gcnöthigt הושיע mit השביע zu vertauschen: Du sättigst Menschen und Vieh. Welchen Zusanrmenhang kann dies mit der in demselben Verse besprochenen göttlichen Gerechtigkeit haben? Ps. 40, V. 7: זבח ומנחה לא הפצת אזנים כרית לי. Dn wünschest weder Mahlnoch Huldigungsopfer, Ohren hast du mir gebohrt. Wir haben immer diesen Vers als eine schöne, ausdrucksvolle Anspielung auf die Worte Samuels שמוע מזבח מוב (dem Gesetze gehorchen ist besser als Opfer) betrachtet. Für Herrn Professor Grätz ist dies unverständlich und er verbessert folgendermaßen:זבה ומנחה לו הפצת אז(שמ) נים בהרהי Verlangtest du Opfer und Gaben, würde ich mir Feste auSwählen. Ein wahrhaft schöner Stil und besonders viel Uebereinstimmung mit dem Nest des Psalmes, der den Wunsch enthält, das göttliche Gesetz zu verbreiten!!! Ps. 45, V. 10: בכתם או יר mit einem goldenen Schmuck. Dr. Grätz hält es für uöthig'o^ in בהר Krone umzuwandcln, obgleich weiter noch einmal von den goldgestickten Gewändern die Rede ist, und er gezwungen ist, dieselbe Verbesserung im Hohen Lied und in Daniel anzubringen. Ps. 46, V. 9: אשר שס שמות בארץ. Herr Dr. Grätz versteht nicht, daß man übersetzen kann: Der Verwüstungen auf Erden zusammengeordnet hat, und er ersetzt שמוה durch אותות: Der Wunder gethan hat; es handelt sich hier um die Zerstörung der Kriegs- Maschinen und das Wort שמות paßt vollkonlmen dazu, obwohl man es auch mit ״Wunder" übersetzen kann. Ps. 47, V. 2: כל העמים תקעו כך. Man kann dies auf doppelte Weise übersetzen: I) Alle Völker mögen sich die Hände reichen, 2) Alle Völker mögen Beifall zollen. Herr Dr. Grätz kennt weder die eine noch die andere Bedeutung und verbessert nach seiner löblichen Weise. Aber was für eine Verbesserung! בך steht statt יבב und בך soll gelesen werden (ב(שו)פ(ר; folglich תקעו בשופר. Ist das nicht bcwuuderuugswürdig?

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