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Jeschurun · 1885-03-05 · Heft 10 (5.3.1885) · p. 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 10 (5.3.1885)
Article
Professor Dr. Grätz' Psalmbuch [Rezension]
Date
1885-03-05
Page
154 (sequence 2)
Language
German
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alle, die seinen Namen tragen, und daß in Folge dessen die vorhergehenden nicht unzuverlässig sind. Wir könnten auch aus diese Weise in jedem Psalm zeigen, wie Herr Di׳. Grätz sich im Bezug auf die Abfassung irrt; aber wir führen lieber einige Muster seiner Uebcrsetzung und seiner Verbesserungen au. Das ׳ Verfahren bei den Verbesserungen des Herausgebers ist von ergötzlicher Einfachheit. Ich nehme an, man schreibt: ״Ich habe guten Muth", und ich will diesen Satz in einen anderen umwandeln: Ich stelle die Buchstaben, die ich ersetzen will, in Klammern, und füge die hinznzusetzendcn ebenfalls in Klammern bei. Ich schreibe: Ich (ha)be gnte(n) (M)ut(h) und verbessere: Ich (lic)bc gute (B)ut(ter). Wir könnten die Beispiele vermehren, wo Herr Dr. Grätz auf diese Art vorgeht, begnügen uns jedoch mit dem ersten besten. Psalm 2, V. )2: נשקו בר. Herr Dl׳. Grätz hält diese zwei Worte für unverständlich, obschon man sie leicht übersetzen könnte mit: Wasfnet Euch mit Reinheit, oder mit: Versorgt Euch mir Borrath, (denn ihr könntet durch seinen Zorn Euren Weg verlieren) oder auch: Heftet Euch an den Sohn (von dem weiter unten die Rede ist). ES bleibt ihm darum kein anderes Hülssmittel übrig, als zu verbessern: החזי)קו ב(מום)ר). An anderen Stellen verwechselt er einfach ganze Worte oder Sätze. Man kann auf diese Weise einen Schriftstcllcr sagen lassen was er will, und ihn auch schweigen lassen, wenn man nicht will, daß er spricht'. Pf. 2, B. 2: ורוזנים נופת יהד. Und die Fürsten׳ haben sich verbündet. Du. Grätz macht darauf aufmerksam, daß יפר niemals die Bedeutung: sich be-! rathcn hat, und ersetzt נוסדו durch יועדו. Ebenso I ersetzt er (Ps. 3 l) בהופדם durch בהועדם. Von נוסדו kommt das Substantivnm סוד geheime Vereinigung, wie von נועדו das Wort עדה ~ Versammlung kommt, und cS wäre thöricht, der Meinung Raum zu geben, daß überall, wo dieses Wort in demselben Sinne vorkommt, ein Schreibfehler vorlicgen müsse. Ps. 3, V. 3: רבים אומרים לנפשי אין ישועתה לו. Viele Leute sagen über mich, er hat keine Hülfe zu erwarten :c. Professor Grätz ist der Ansicht, daß לנפשי bedeutet: zu mir selbst, und er sieht sich daher gezwungen anstatt לו das Wort לך zu setzen. Wir verweisen ihn 1) aus die Grammatik, 2) auf den VerS: ואמר פרעה לבני ישראל: Pharao wird über die Kinder Israels sagen ..., 3) ans sich selbst an anderen Stellen, wo seine Übersetzung mit der unsrigcn übereinstimmt (Ps. 71). Ps. 7, B. 12: אלדים שופט צדיק ואל זעם בבל יום. Gott ist ein gerechter Richter und ein starker Gott, der täglich zürnt. Herr Professor Grätz versteht dies nicht und legt dem Psalmiften das Gegenthei! von dem in den Mund, was er sagen will, indem er es für nöthig hält, drei Worte hizuznfügen. Ps. 18, V. 36: וענותך תרבני. Und deine Sanftmuth wird mich vermehren. Dr. Grätz erklärt diese beiden Worte für unverständlich und läßt sie ohne .irgend einen anderen Vorgang aus. Er läßt also eine gute Gelegenheit unbenutzt sich entgehen, wo er das höchste Wesen in seine Anavilensekte cinreihen könnte. Ps. 19. V.לשמש שם אוהל בהם :ח. Er hat dort ein Zelt für die Sonne eingerichtet. Herr Dr. Grätz versteht nicht, daß בהם sich auf שמים beziehen kann, wovon im vorhergehenden Verse die Rede ist, und er verbessert שם אוהל בים er hat für die Sonne im Meere ein Zelt eingerichtet. Ein merkwürdiges Zelt! und ein sonderbarer Ausdruck! (Fortsetzung folgt.) Korrcspoiidcilzcii und Nachrichten. Deutschland. ־& Hannover, 4. März. Eine der würdigsten Frauen unserer Gemeinde, Frau Abraham Isengarten, feierte gestern ihr fünfimdzwanzigjähriges Jubiläum als dritte Vorsteherin des israelitischen Frauenvereins. Als solche liegt ihr namentlich das mühevolle Amt ob, an Kranken, Sterbenden und Todtcn die jüdische Liebespflicht zu üben. Mit seltener Hingcbung widmet sich die würdige Dame diesen frommen Werken. Möge es ihr vergönnt sein, noch lange dem Vereine vorzustchcn, ein Muster aufopferungsfähigster Menschenliebe, die auf dem festen Grunde der Gottesfurcht erblüht. Die Direktion des Wohlthätigkcits- Vereins, Herr Landrabbiner Dr. Groncmann an der Spitze, überreichte der Jubilarin eine warm empfundene Beglückwünschungsadrcsse. -a- Berlin, 3. März. Der Repräsentanten- Versammlung lag ein Antrag, dessen Urheber die drei Rabbiner Ungerlcidcr, Frankel und Maybaum, sowie die Herren Professoren Lazarus und Steinthal, Ludwig Löwe, Straßmann und Makower sein sollen, vor, über welchen am 22. v. M. verhandelt wurde. Dieser Antrag bezweckte nichts Geringeres, als eine Deklaration der geltenden Sittengesetze des Judenthums seitens der Gemeindevertretung. Eine solche sollte gleichsam das jüdische Glanbcnsbekenntniß fortan bilden und den Nichtjnden gegenüber in nuce eine Deklaration des IndenthumS gewahren. Auf Markowers Antrag wurde die Verhandlung vertagt, weil Professor Lazarus, der eigentliche Autor und Abfasser dieser Erklärung, nicht anwesend war. Ich will hoffen, daß das Repräsentantenkollegium, einsichtiger als die Antragsteller, die zugemuthete Erklärung ablehnen wird. Das Juden-

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