Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1885)
- Article
- Orthodoxie und Reform
- Date
- 1885-03-05
- Page
- 145 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XVIII. Jahrgang. Hannover, den 1^,^־ ׳w K/ zur Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens in Haus, Gemeinde mib Schule. Uetpudet 0011 SflUlf0U Naphlltl Hilsch. fu1(!(W (1. 3’smffilil'lnt t־RrfigioiisRpfpRTfmfl 511 frnnüfnrl a. it. 9!ene Folge. Dritter Jahrgang. HcrauSgkgcbcn unter Mitwirkung des Begründers und bewährter Genossen von Isaac Hirsch. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogen stark. — Abonnementspreis bei allen Bostanstalten nnd Buchhandlungen 2 <46 50 für daö Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Helwing'sche VerlagSbnchhandlnng;11 Hannover. — Die Expedition versendet auch direct und franko unter Streifband den Jahrgang für 12 <46 oder 7 Gulden österr. LBähr. nach Deutschland und Oesterreichfür 14 <46 oder IS Fr. nach den Ländern des Weltpostverein«. — Anzeigen werden mit 25..J f. d. :igespaltenc Peiitzeile oder deren Raum berechnet. — Expedition: Hannover, Artilleriestr. 20. Inhalts-Verznichttlfr von Nr. Orthodoxie und Reform. —-Salomonische SpriichweiSheit!Fortsetzung). — Der Antisemitismus des Philosophen (Fortsctznng'!. — Nihilismus und Indcnthum hFortsetznng). — Professor Dr. Grätz Psalmbnch. — Korrespondenzen und Nachrichten: Hannover, Berlin, Frankfurt a. M. <2), Altona, Amsterdam, Prcßbnrg (2), Pest, Ans Ungarn, Szcgedin, Aus dem Marmaroser Komitat, Rußland, Palästina. — Ausruf. — Inserate. AtlBone iiild Reform. ״Die orthodoxe Starrheit schadet. Sie entfremdet dem Judenthnm manch edle Seelen. Man muß dem Zeitgciste.Zugeständnisse machen. Jede Religion hat sich dem jeweiligen Knlturstande anznpasscn, sonst verliert, 'sie ihren Einfluß auf das Volk." So und in diesem Sinne weiter fortfahrend lauten die Vorhalte, welche mit der Aufforderung schließen, daß wir in unserer bescheidenen Stellung nicht den Standpunkt vii alleräußersten Orthodoxie einnchlncn möchten, da wir dadurch geradezu den verschiedenen Bestrebungen nach einer Versöhnung der vorhandenen Gegensätze entgegenzuarbeiteten. Die Kluft müsse sich immer mehr erweitern und zum Grabe der Einheit und des Friedens innerhalb der jüdischen Gemeinde werden. Es gebricht uns die Muße zu einer eingehenden .Korrespondenz; wir ziehen cs deshalb vor. Erörterungen über derartige ״prinzipielle Fragen" öffentlich zu führen, namentlich wenn sie, wie im vorliegenden Falle, nicht vereinzelte Ansichten vertreten, sondern Meinungen wicdcrspiegcln, die in weiten Kreisen als maßgebend gelten. ״Jede Religion hat sich dem jeweiligen Kulturstände anzupasscn, sonst verliert sie ihren Einfluß auf das Volk," das ist allerdings der Angelpunkt der Bewegnng in den jüdischen Gemeinden. Wer diesem Satze auch für das Indcnthum zustimmt, der hat die Berechtigung der Reform anerkannt. Man kann aber dieselben für andere ״Religionen" zugestchen und dennoch für das Judenthum mit aller Energie bestreiten. Wenn Religion im Allgemeinen das Verhältniß der Menschen zu Gott bezeichnen soll, und die verschiedenen Religionen die Vorstellungen zum Ausdruck bringen, welche die verschiedenen Völke.r über dieses Verhältniß hegen, so wird begreiflicher Weise in der Thar jede Religion sich dem jeweiligen Kulturstande anpassen, weil die veränderte Kultur das E'rzeugniß einer veränderten Geistcsrichtuug ist, und mit dieser auch die Vorstellungen der Menschen eine Veränderung erfahren, demnach auch mit ihrem Verhältniß zu Gott eine andere Vorstellung verbinden, als zur Zeit einer