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Jeschurun · 1885-02-26 · Heft 9 (26.2.1885) · p. 132

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 9 (26.2.1885)
Article
Die "Alliance israélite universelle"
Date
1885-02-26
Page
132 (sequence 4)
Language
German
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genaue Beobachtung der Gleichheits- und GerechtigkeitS- ׳ grundsätze, strenge Maßnahmen bei Jrrthümern oder unbefugter Strenge non Leiten der Subaltcrnbehörden walten," hatte sich die Thätigkeit der Alliance nur zum ' Beistand einzelner Bedrängter und zur Linderung bcsonderer allgemeiner Nothstände zu bewähren und in dieser Hinsicht stets segensreiche Erfolge zu verzeichnen. Als solche sind zu nennen ׳, ihre Verwendung bei Gelegenheit des MädchenraubcS in Kaissa (1864); bei den Erpressungen Seitens des Gouverneurs von Larissa, Salouichi, Bagdad (1866), zu Ervil (1867); bei den Unruhen in Janina (1872), Smyrna (1873) und Tinö (1874); bei den Mordthaten in Damaskus, den Räubereien in Kurdistan, Diarbekir, Djarmul und Jemen; bei den von Seiten der orientalischen Christen wiederholt anstanchendeu Blntanklagen um die Osterzeit in Adriauopel, Larissa, Smyrna, Marmara (1872), Canea, 5lilmasti - Eassaba (1873), Konstautinopel, Burla, Adalia, Caratosch (1874), Haskeni, Smyrna (1674), Metelin, Knstendil (1880), Aleppo, Melasso (1875), Konstautinopel, Dardanellen, Tschorln (1684); bei den FenerSbrünstcu in Konstautinopel (1874 und 1683), bei den Erdbeben in Ehios (1881), bei der Hungersnot!) (1880). Den von dem Kriege (1877) in ihren Erwerbsquellen schwer getroffenen Glaubensgenossen brachte sie reiche Hülfe. In Tunesien und Tripolis iutervenirte mit Erfolg bei der Einäscherung der Synagoge zu Zliten (1667), dem Mord von Saul Raccah in Tripolis (1870), dem Mädchenraube in Bengazi (1868), den Judenmorden in Zuvia und Tripolis (1879), den Verfolgungen in Nabel und auf der Insel Gcrbi (1662). Oie Allianee hat ihren Beistand geleistet gegen das Vorurtheil der Blutauklage, die sich von Zeit zu Zeit bei den Griechen Alexandriens regt und im Jahre 1880 eine leichte, im Jahre 1681 eine größere Aufregung hervorrief. In Marokko war die Alliance unaufhörlich in Anspruch, genommen, um den barbarischen Willkürakten entgegenzntrcten: Morden, Meutereien, Erpressungen und Gewalt!haten in langer Zahlenreihe, als Judenleben vernichtet würden in Larache, Demnat, Haha, Saffi, Tetnän, Rabbat, Marokko, Enlisa, als die israelitische Junta in Tetuan willkürlich in's Gefängnsß geworfen wurde, als Tetuan von Räubern belagert worden, als man den Juden von Saffi, Marokko und Mazagcn verbot, sich nach europäischer Sitte zu tragen, als ein Jude zu Fez zu fünfhundert Stockschlägen verurtheilt war, wcgm des Verbrechens, auf Anordnung seines Arztes, ein muhamedanischcs Bad zu .betreten, - als durch den Tod des Sultans Unruhen ausbrachen u. s. w. Immer wieder und wieder trat die Alliance bittend für. ihre unglücklichen Brüder auf, wie sie ihnen auch materiell Hülfe gewährte zu Zeiten der Hungersnot!) und zur Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse des JudcnviertelS in Marokko und Mogador. Und in gleicher Hingebung wandte sie ihr Angenmerk auf die unsäglich trübe Lage der persischen Juden, welche'unaufhörlichen Gewaltthaten und Er- Pressungen ausgesetzt sind. Sie wagen eS kaum, sich darob bei der Negierung zu beschweren. Sie sind gezwangen, vor den Muselmännern zu kriechen; der Mörder eines Inden zahlt nur eine Geldbuße; auf dem Markte müssen sie mit ihren Einkäufen warten, bis die Muselmänner die ihrigen besorgt haben; wenn sie eine Frucht berühren, so ist sie unrein; an Regentagen müssen sie in ihren festverschlossenen Häusern bleiben, damit nicht durch den Regen geleitet ihre Un׳- reinheit aus den Muselmann übergeht; das flüchtigste Zeugniß genügt, um ein jüdisches Leben dem Tode zu weihen. Die Alliance hat sich wiederholt mit der persischen Gesandtschaft zur Milderung dieser beklagenswerthen Lage in Verbindung gesetzt, wo sie stets ein wohlwollendes Gehör fand. In manchen Einzelsällen blieben diese Schritte nicht ganz ohne Erfolg. Für die Anwesenheit des Schahs in Europa 1873, wurde eine große Demonstration vorbereitet.. In Berlin, Amsterdam und Brüssel ließ ihm die Alliance Adressen überreichen, welchen sich die Adressen der Anglo Jewish Association in London, der Inden zu Nom, Wien und Konstautinopel anschlosscn. In Paris, 13. Juli 1873, unterschrieb der Minister Hussein-Khan mit Zustimmung des Schahs ein Protokoll über den Besuch der Alliance, welches die beruhigendsten Zusicherungen betreffs der Lage der Israeliten in Persien enthält. Diese Demonstrationcn blieben nicht ohne Einfluß auf das Geschick der Israeliten Persiens; man׳ kann sogar 'versichern, daß sie einen dauernden Einfluß auf den Geist des Monarchen ausgeübt haben. So wurde ein Aufstand gegen die Inden in Hamadan (1876) sehr bald unterdrückt. Ein Telegramm des Präsidenten der Alliance an Hust'ein-Khan genügte, um die Verbrecher zu bestr lfen. Wir schließen diese kurze Uebersicht über das edle Werk brüderliche Liebe, an welchem die Alliance seit fünfundzwanzig 'Jahren arbeitet. Wir geben dafür unserer Anerkennung wiederholt lebhaften Ausdruck und wünschen ihr auf diesem Gebiete stetes Gedeihen unter dem Beistände Gottes. Dieser Zweig ihrer Thätigfeit ist nichts als die Verwirklichung des Mottos, welches sie sich erwählt: בל ישראל ערבים זה בזח. In diesem lebendigen Bewußtsein des brüderlichen ZusammcnhaltenS, in diesem Einstehen Eines für den Andern, werden wir unter Gottes, gnädigen Beistände das Trübsal der Zeiten leichter überwinden. Die An-

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