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Jeschurun · 1885-02-19 · Heft 8 (19.2.1885) · p. 127

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 8 (19.2.1885)
Article
Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg
Date
1885-02-19
Page
127 (sequence 2)
Language
German
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127 zwu ng eil worden zu sein, die 5 Israeliten der Mitschuld zu zeihen. Der Staatsanwalt erklärt nun, daß er, obschon öffentlicher Ankläger, mit Ausnahme des Diebes, die fünf Israeliten freisprecheu müsse; er erklärt ferner, beschämt zu sein, daß die Richter in Ismail und Fokschani cs wagen konnten, die Unglücklichen auf solche nichtssagende Gründe hin zu verhaften und in den Anklagezustand zu versehen; er fordert die Geschworenen auf, der Gerechtigkeit Gcnngthnnng zu geben und das Unrecht durch ein ״Nichtschuldig" zu sühnen u. s. w. — Der Verth erdig er der Angeklagten hält bei der sonnenklaren Unschuld derselben ein Plädoyer für ganz überflüssig und appettrt bloß an das Rechtsgefühl der Richter — und doch erklären die Herren Geschworenen, nach zweistündiger Berathung, alle Jsr aelit eu der Theil nähme am Verbrechen schuldig und verurtheilen sie zu dreijähriger Zuchthausstrafe! Es bedurfte erst eines fürstlichen G n a d e n a k t c s, um Rabbiner Brandes und Kaufmann Goldschläger der unverdienten harten Strafe zu entziehen, während für die anderen die Bcgnadigung nur eine partielle war: einfache zweijährige Gefängnißstrafe in Rücksicht auf das Gcständniß, dessen gewaltsame Erpressung erst klar vorliegen müßte. — Das war ein ״Verhör" anno 1872, zu einer Zeit, wo Gesetz und Recht, Toleranz, Humanität, Gleichberechtigung aller Konfessionen, überall gehörte Lostmgs- Worte sind; zu einer Zeit, wo die ganze kultivirte Welt in Empörung und Entrüstung über diese kannibalische Unthat ansbrach und die Parlamente und andere Versammlnngen ihr Verdammungsnrtheil über einen solchen schändlichen Mißbrauch der Justiz aussprachcn — und in einem Staate, der als solcher lediglich seine Existenz nur der Protektion der Großmächte verdankt, die den nachdrücklichsten Protest durch ihre Vertreter gegen die unrnenschlichc Behandlung der Inden des Oestercn wiederholt-und nun gar ein Iudeuvcrhör wegen Sakramcntsschäudung anno 1492! — zur Zeit der blühenden Inquisition, der Autodafcc, der Folter und Tortur, der Rechtlosigkeit der als vogclsrci erklärten Juden, in einem Jahre, wo Spanien grausam und erbarmungslos in den Juden seine tüchtigsten, stcißigsten, betriebsamsten und gebildetsten Bürger außer Landes jagte, ohne ihnen ein anderes Verbrechen, als Glaubens- und Ucbcrzengnngstrcuc vorwerfen zu können — in Mecklenburg, wo eine Legion von etwa 14000 Geistlichcn ihre kaum 800 000 zählenden Beichtkinder geistig und materiell erdrückten; wo Kapellen des heil. Blutes einträgliche und beliebte Etablissements und blutige Hostien gesuchte Gcschäftsartikel, die ein verkommener Klerus egoistisch in seinem Interesse auSbeutete; wo wir bereits anno 1380 in Güstrow eine Hoslicn-Komödie haben aufführeu scheu, wo nicht bloß L. von Kirchenberg, sondern auch der von Judenhaß vollgcsogcne Marschalk ThnriuS den Eigennutz als Triebfeder erkennen, wo den Juden bis tief in das sechste Jahrzehcnt des Jahr- Hunderts der Toleranz und der konfessionellen Gleichberechtigung das Bürgerrecht vorcnthaltcn worden, bis eine Bnndcs-Legislatnr eine Pression in dieser Richtung auSübte! — *) (* Soeben kommt zu unserer Kunde, daß das uns ans Mecklenburg zngcgangcne umfangreiche Manustript unter dem Titel ״Zur Geschichte der Juden in Mecklenburgs lediglich eine wörtliche Wiedergabe des uuö nicht vorgclegencn Douath'schen Wertes enthält, so daß die Bezeichnung ״unter Benutzung" nicht korrekt ist. Wir sprechen hierüber unser Bedauern ans und unterlassen die fernere Veröffentlichung. Inserate werden die Zspaltige Petitzeile oder deren Raum mit 25 Psg. berechnet. Für den Inhalt derselben übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung. II ■S׳ 7 ' '־j£ '״זי Iusertions- und Abonnements-Annahme für Frankfurt a. M. auch bei Herrn I. Kaufsmann daselbst, ohne Preiserhöhung Chgmcz-Verlaus-Vricst von maßgebender Seite verfaßt, ä Stück 10 Pf. bei I. Kanffmann, Frankfurt a. M. Soeben erschien: ששון ויקר Religiöse Meden bei freudigen Familieuereiguisscn nebst einem Anhänge von Benedict Hause. Zweite mit 9 Reden und 2 Toasten. Vermehrte Auflage. Preis Mark 2.—. Gegen Einsendung von Mk. 2.— erfolgt Franko.Zusenduug. Frankfurt 0. M. I Kauffman». zu hcrabgcsctzlcn P r c i f c 11. Pnrim-Almanach. Dramatisches und Deklamatorisches. Anstatt 1 Mark nur 70 Pf. Esther. Purimspiel in 5 Auszügen, j Anstatt 80 Psg. nur 50 Pf. j Frankozusendung gegen Einsendung i des Betrages in Briefmarken. A- (Soldschmidt, Buchhandlung. Pnrimo. Hochzcitsgeschenk Bilder ans dem alldeutschen Familienleben v. Prof. Qppercheinr, l2 Blätter in Folio in sehr eleganter Mappe, nur 20 Mk. A. Oold^elmiidt _Buchhandlung, Hamburg. Parochcs, Sefermäntclchcn, SchulchauderLcn 1t. f. w. in echter Goldstickerei liefert in eleganter Ausführung billigst Frankfurt a. M. Hamburg. I. Kauffmann.

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