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Jeschurun · 1885-02-19 · Heft 8 (19.2.1885) · p. 126

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 8 (19.2.1885)
Article
Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg
Date
1885-02-19
Page
126 (sequence 1)
Language
German
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126 311r GkslWr drr litku in I11cik(i'uIiiu׳§. Unter Benutzung des Donath'schen Werkes.) -Schluß statt Fortsetzung.) Oarunlcl׳ ward eine kleine eichene Tafel befestigt, auf welcher die Verbrennung der Inden in erhabenen Figuren geschnitzt war. Diese Tafeln sind;war in verstümmeltem Znstände noch erhalten. Auch der verhängnisvolle Grapen, in welchen die Pfriemen') gelegt wurden, mit denen die Hostien durchstochen sein sollen, ward an der Mauer anfgchängt und hing hier bis;um Jahre 3038, wo ihn ein schwedischer Reiter wegnahm Das heilige Blut in Sternberg gelangte bald;um größten Ansehen, nicht allein in Deutschland, sondern in ganz Europa und wirkte;ahllosc große Wunder. Blindgeborene wurden sehend, Taube hörend, Vafjrnc gehend, Ertrunkene lebendig, Kranke jeder Art gesund, ja selbst Kerker rhatcn sich ans, Äetien;erbrachen, Räuber entflohen").׳ In Folge dieser angeblichen Wunder war ein großer Andrang von Pilgern, die selbstverständlich nicht mit leeren Händen kamen. Opfer und Weihgeschcnke verschiedenster Art strömten der Kapelle, oder vielmehr der Geistlichkeit, in Hütte und Fülle zu; nicht bloß von Einzelnen, sondern von ganzen Städten. So hatte die Stadt Kolbcrg schon im Jahre 1497 zur Dankbarkeit für die Rettung von einem Sturme eine kleine Stadt aus Silber geschickt, ja selbst der Pabst X. im Jahre 3 514 einen vcrgoldetcn Kelch. Auch die Stadt Sterubcrg hatte durch den jorivährcndcn kolossalen Zuzug von Fremden an Glanz und Reichthum viel gewonnen. Etwa 30 Jahre lang befand sich dieses Institut in größter Btüthe. Aber mit der Ausbreitung der Reformation wurde es wie so viele seiner Schwestern zu Grabe getragen, und schon im Jahre 1524 wehrte der Prior des Angustinerklostcrs zu Stcrnberg, Johann Stecuwhk. ein Freund Luthers, dem Aberglauben des hl. Blutes, welcher nun ganz in Vergessenheit gcrieth. Die mißhandelten Hostien sotten nach Lalomns' Berich! von dem ersten Mecklenburgischen Superintendenten Johannes Stric'vling im Jahre 3 530, dem ersten evangelischen Prediger zu Stcrnberg, Faustinus Labes, gereicht und von diesem mit ״gebührender Andacht" genossen worden sein. Lisch bezweifelt, dies, da derselbe 1ו Erst war nur die Nede von eifern »irid Nadeln und nun sind cs gar Psiiemcu, womil die Juden die Hostien durchstochen haben sollen. 1׳ Äarschalk Thurms in Mons Stcllannn. dem diese Stelle entnommen, sagt: der Wunder wären;11 viele, als daß er sic in diesem Büchlein;usinnmerliassell köinue; gewiß aber im höchsten Grade dessen würdig, in einem bcfondcrn Buche erzählt zu -werden. ^'-) Labes diese Hostien öffentlich auf der Kanzel ״Teufel" genannt hatte, und er demgemäß seinem Magen, Teufel zu verdauen, nicht zugemuthet hätte." So weit das Referat des berühmten GcschichtSforscherS und Archäologen, GchcimarchivrathS Di׳. Lisch, der aber, namentlich in der Vorbetrachtung zu demselben sich als von religiösen Vornrthcilcn befangen zeigt. Freilich war dies amio 3 847 geschrieben und zwischen dem Damals und Jetzt liegt eine tiefe Kluft! Wir fragen mm: Was haben!vir von dieser Geschichte zu halten? Was die allerdings echten Dokumente deS ersten VcrhövprotokollS und deS SchlußbckenntnisscS oder der ״Urgicht" betrifft, so antworten wir'') am besten mit unleugbaren Thatsachen, die sich im siebenten Jahrzehnt des 3 9. Jahrhunderts in Rumänien zugetvagcn: Da wurde in JSmail von einem getauften Juden und Deserteur ans Rußland aus Habsucht, zur Bestreitung der HeirathSkosten, ein Kirchendiebstahl und damit — nach seiner Erklärung nicht aus BoSheit, sondern aus einem unabweisbaren Bedürsniß — auch eine abscheuliche Kirchenschändnng begangen. Dem cingcsangenen Diebe, dem cs gar nicht cinsicl, irgend welche Inden in Mitleidenschaft zu ziehen, wird von . Polizeischcrgcn die Befreiung in Aussicht gestellt, falls er den ehrwürdigen Rabbiner Brandes, den angesehenen Kaufmann Goldschläger und noch andere drei unbescholtenc Juden als Aufreizcr, moralische Urheber der Schandthat und als Hehler brandmarken würde. ES geschieht, daS Gericht läßt daraufhin die genannten Juden gcsänglich einzichen. Namentlich wird Rabbiner Brandes auf Grund angeblich schwerer Jndicien, da man in dem von ihm bewohnten Hause, wo aber noch 40 Familien wohnen, in den Latrinen die gestohlenen Kirchengcfäße gcf׳.׳.ndcn, auch dessen beschuldigt, durch Goldschläger dem Dieb versprochen zu haben, daß er seinen?kamen auf der ganzen Erde bekannt machen werde, als einen, der das ganze Judcnthum glorifizirt habe. Rabbiner Brandes und Kaufmann Goldschläger beharren nach wie vor bei der Bcthencrnng ihrer Unschuld: die Anderen, die dieses ebenfalls Anfangs thun, werden dann von zwei Polizeischcrgen, thcilö durch wirklich auSgcführtc barbarische Marter und. Folter, thcilS damit bedroht, gezwungen, die ihnen zur Last gelegte Frevelthat als begangen einzustehen/) Der Dieb aber, aus dessen Aussage sich die Hauptanklage stützt, wiederrnst dieselbe in Bezug auf die Mitangeklagten vier Male, indem er erklärt, vom Polizei che f entsetzlich mißhandelt und gea) Es sind die Worte Dr. Donarh'S, die ich hier wiedergebe. ¬ס Einer dieser L-chergen, Schuldner eines seiner Opfer, begleitete sein kan':b2l!!chcS Werk mit dem höhnenden Ausruf : ״Hier hast Du die Bezahlung Deiner Schuld!"

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