Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1885)
- Article
- Das Endziel der Reform
- Date
- 1885-02-19
- Page
- 115 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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115 unglücklicher Weise mir Wenige von den vielen Gelegcnhcitcn dazu am Sabbath Nutzen ziehen können, so muß cs am Sonntag versucht werden. Wir haben nicht die leiseste Absicht, den Sabbath zu verlegen, aber wir glauben, daß unter den gegebenen Umständen der Soumag benutzt werden sollte zu dem Zwecke, dem Judenthum die Tausende zu erhalten, welche niemals die Tempel am Sabbath besuchen und die in Gefahr sind, uns gänzlich entfremdet zu werden." Deshalb haben die Unterzeichner mit anderen Genosscn Sonntag - Vormittags - Vorlesungen eingerichtet, welche Herr Dr. D. Stern halten wird. Dieselben haben an! 25. v. M. begonnen und zwar über das Thema: Die Ausgabe des JudcnthumS in der Gegenwart. Die nächste Vorlesung wird ״Der Priester und der Prophet, oder die Religion des Buches und die Religion des Herzens" zum Inhalt haben. Nein, verehrte Herren, mit solchen Mittelchen erweckt man nickt die alte warme Begeisterung für das Judeuthnm, rettet die Gegenwart und Zukunft nicht aus dem religiösen Untergänge. Fanget damit an, die Geschäfte ani Sabbath zu schließen, eure Haushaltungen nach Maßgabe der gesetzlichen Vorschriften einzurichten, eure Ehen jüdisch zu gestalten. Kehret zurück zu dem alten Gehorsam und erfüllet das Gottcsgcsetz, und erziehet eure Kinder zur treuen Erfüllung. Das ist das Erste! — Darin aber habt ihr Recht, die Reform endet mit einem schmählichen Bankerott. — Von Samson Raphael Hirsch. löiuoiüftljc §MiMk!chck. XXVI. Die Ehe. (Fortsetzung.) Eine wallere Frau ist die Krone ihres Mannes, Aber wie Moder in. seinem Gebein die ihrem Berus nicht entsprechende (12,4.). Dee Frauen mannigfaltige Weisheit baut ihr Hans, Aber Unverstand reißt's mit Händen nieder (14, l.) Störende Trausc am regnigten Tage, Und ein zänkisches Weib sind gleich (27, 15.). Besser auf Dachgiebcl wohnen, Als mit einer zänkischen Frau im geselligen Hause (21,9.). Besser im Lande der Wüste wohnen, Als bei einer Frau des Zankes und Verdrusses (21,!9.). ׳Unsere Sprüche legen einen so hohen Werth auf die Wirksamkeit einer אשת היל, einer geistig und sittlich tüchtigen Frau und schätzen ihre Bedeutsamkeit für LaS Glück des Mannes und für das Gedeihen des Hauses in so hohem Maße, daß unsere Sammlung mit einem wahren Hochgcsang auf eine wackere Frau schließt, in welchem die segensreiche Thärigkeit ihres ganzen Lebensganges ausführlich geschildert wird. Den Grundgedanken dieses Hochgesanges fassen die obigen ersten beider! Sätze in die Aussprüche zusammen: אשת היל עטרת כעלה und הכמת נשים בנתה ביתה. Eine wackere Frau ist die Krone ihres Mannes, und: der Frauen mannigfache Weisheit baut das Hans. Es hat der Mann keinen höheren Schatz, Nichts, was so sehr den Werth seiner eigenen Persönlichkeit erhöht als der Besitz eines wackcrn Weibes. Tief spricht hierzu das Wort der Weisen: בעלה נתעטרה בה והיא לא נתעטרה בבעלה, in viel höherem Grade gereicht das Weib zur Er- Höhung des Glückes und des Wcrtheö des Mannes, als der Mann dem Weibe. Und wie für die Persönlichkcit des Mannes, so ist auch für das Gedeihen des Hauses das Weib der Hauptfaktor. Es ist die eigentliche Vaumeisterin des Hauses. Und nicht einfach ist ihre Kunst. DaS häusliche Leben, dessen Gedeihen den Händen der Frau anvertraut ist, umfaßt eine solche Fülle anscheinend geringfügiger kleiner Beziehungen, deren weise oder' nmveise Gestaltung gleichwohl für das Behagen, Gedeihen, ja Glück des Hauses, so entscheidend sein können, daß nicht הבטה eine einfache, sondern הבטת eine reiche Fülle mannigfacher Kenntnisse, Einsichten, Fähigkeiten, Fertigkeiten und zweckentsprechender Thätigkeitcn, sowie sittlicher .Tugenden und geistiger Trefflichkeiten die Kunst der Häuser bauenden Weisheit der Frauen bilden. Eben aber weil eine wackere Frau so überwiegend die Grundlage des Mannesglücks und des häuslichen Gedeihens bildet, darum ist es in .ebenso hohem Maße ein Unglück des Mannes und untergräbt alles häuStiche Gedeihen, wenn die Frau die von ihr zu hegende Erwartung täuscht, und mit nnwciscn Händen die Gänge des Hanfes leitet. Und da heben nun unsere Sprüche in wiederholt und wiederholten Sätzen — gewiß, um sie den Frauen recht eindringlich zur Beachtnng ins Herz zu reden — Eine Untugend hervor, die nicht sowohl ein Karaktermangel als ein Tempcramentsschlcr ist, eben darum aber auch um so leichter selbst einer übrigens durchaus braven Frau anhaften kann und umsomehr diese wiederholte Mahnung unserer Sprüche verdient, da gleichwohl dieser Eine Tcmpcramcntssehlcr geradezu gegen die harmonische Einheit zwischen Mann und Frau gerichtet ist und allen Glücks- und Freudesblüthen, welche die Frau der Ehe und demhäuslichen Leben zu bereiten versteht, den Mehlthau der Verkümmerung zu bringen geeignet ist. Diese Eine dem heitern Glück der Ehe und des Hauses so gefährliche Untugend, vor welcher unsere Sprüche nicht genug zu warnen wissen, ist: die Un-