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Jeschurun · 1885-02-12 · Heft 7 (12.2.1885) · p. 105

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 7 (12.2.1885)
Article
Die Verbannten
Date
1885-02-12
Page
105 (sequence 1)
Language
German
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M 7. Jeschurun. 105 Die Werkmmien. Von Jedidjah. Murmelnd kräuseln sich die Wellen DcS Guadalquivir, und leise, Leise flüstert'S in den Binsen, Lispelnd in des Windes Wehen. Ernst und bleich vom nächtlich blauen.. Hell gestirnten Himmel Spaniens Spiegelt in den klaren Flutheu Sich das Bild des Silberhirtem Horch! geheimnißvoll im Schilfe Geisterhaftes Huschen, Rascheln! Deutlicher wird das Geflüster, Das Gelispel in den Halmen. Traurig klingt das Lied der Geister, Weithin ziehend tönt die Klage, Schmerz- und wehmuthSvol! getragen — Und mein Auge glänzt von Thränen. Und ich höre, wie in Willkür Thöricht-grausam wurd' verstoßen Eine Schaar von Edlen, Guten, Von den langgewvhnten Heerden. Und ich hör' der Geister Klagen Ueber die verderbten Menschen, Ueber Frevclsinn, Verblendung, Ueber Jähzorn, blinden Eiser — Leiser, immer leiser werden Jetzt die Töne, die ich hörte — In den Binsen wird es stiller — Weithin, weithin Ruhe — Ruhe —. Schau, da zieht ein kleines Häuflein Durch die Nacht in Hast und Eile. Wagen rollen, Thiere traben Schwer beladen längs des Stromes. Ja, sie sind's! Der Nest der Armen, Die der Küste zu jetzt eilen; Hinter ihnen droht der Priester Mit dem Schwert, dem Scheiterhaufen. Und ermüdet ruht der Haufe — Mütter säugen ihre Kleinen, An dem Strom die Thiere trinken, — Und die Männer klagen, seufzen. ׳ Weshalb klagt ihr, Judah's Männer? Seht, die Frauen üben Pflichten — Eure Pflicht ist, zu bedenken, Wer euch das Geschick gesendet, Nicht der finst're, wilde Priester, Nicht der leicht bcthörte König, Nicht die Kön'gin voll Verblendung, Nein, ein Höh'rcr. der sie lenkte. Wisset, daß in der Verbannung Volles Glück nie Judah kennet, Da das höchste Glück noch winket In der Zukunft rosig Leuchten. Wiegtest du dich freudig, heiter, Sicher wähnend dich im Glücke, Glaubtest sorglos, voller Ruhe, Du dein jctz'gcS Schicksal ewig — Nimmer, nimmer ist beschieden Ew'ge Ruhe uns Vertrieb'ucn — Weiter, weiter zieht uns mächtig Göttlichen Geschickes Walten. Währt Jahrhundert' auch die Ruhe, Trübt kein Unstern unsern Himmel, Einmal wird er immer kommen, So wir weilen im Ezile. Judah's Glück ist stets sein Unglück, Wohlstand, Freiheit sein Verhängniß. Wie das Füllen ungebändigt, Schlägt es aus im Uebermuthe. Ja, im Uebermuth vergaß es, Daß noch immer nicht beschieden Ihm das Glück, das Gott verheißen, Zions Zinnen zu erreichen. Gottes Wort versprach den Frieden, So sein Wort du treu erfülltest, Doch Vergessen straft der Ew'ge Mit Vergessen lange Jahre. Bis zur Zeit der vollen Rückkehr Hast du immer neu zu tragen, Unstät, flüchtig stets zu irren Unter deinen Menschenbrüdern. Euch, ihr jüd'schen Söhne Spaniens, Euch hat Gott die Ruh' gegeben, Daß ihr fühlt, wie einst beglücket Höchster Friede, G o L t e s friede. Ziehet weiter eures WegeS — Um in anderm Land' zu finden Wieder Ruh' für ein'ge Jahre. Doch dann heißt eS wieder weiter. Wieder weiter, immer weiter, Bis die Zeit sich hat vollendet, Bis im Morgenroth heranbricht Einst der Tag, der euch verheißen.

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