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Jeschurun · 1885-02-05 · Heft 6 (5.2.1885) · p. 90

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 6 (5.2.1885)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1885-02-05
Page
90 (sequence 2)
Language
German
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00 .Qorrcfpoiibcntcit cinfdjicfcn." — Da hört beim doch j schon alle Gemüt HI ichkeit aus, das geht in der Thal j über allen Spaß! ' ׳Schluß folgt.-! .silirrcspvildciiztil und Nlichrlchtc». Deutschland. * Hannover, 3. Februar. Dem soeben ansgegebenen Jahresbericht des hiesigen Vereins zur Unterslütznng der Schüler der BildnngSanstalt für jüdische Lehrer entnehmen wir folgende Daten. Der Verein zählte in! abgelanfenen Jahre Oktober 1883/84 252 hiesige und 347 auswärtige Beitragende mit einer Einnähme non J(.. 5888.38; für das Internat wurden besonders Jf. 321 gespendet. Die von dem Vereine verwalteten Stiftungen, deren Auskünfte in die Vereinslasse fließen (Professor 1)1׳. Frensdorfs-, Landrabbiner 1)1׳. Meyer-, Moses Frankenberg׳-, Isaak Abraham Goldschmidt׳ Stiftung), erhielten eine Kapitalvermehrnng non JO 217. Die Stiftungen zum Behuf der JahrzeilSbeobachtnng wtirden um drei mit JO 952 vermehrt; der Verein zählt jetzt deren dreizehn. Der Verein besitzt einen eisernen Fonds von JO 9002, die vorhin erwähnten vier Stiftungen haben einen solchen von zujammen JO 78(i2.<>0. Das für 18 Schüler auf Vereinskosten vollständig eingerichtete und unterhaltene Internat befindet sich in einem gemietheten Hause, während 19 Schüler anderweitig in Pension gegeben sind. Die Erwerbung eines eigenen Grundstücks mit genügenden Räumlichkeiten für alle Schüler ist das unausgesetzte Streben der rührigen Verwaltung. Unter Leistung von Zuschüssen seitens der Angehörigen wurde die gesummte Verpflegung von 30 Schülern übernommen und im (ganzen an 45 Schüler Beihülfen gewährt. Wir können nicht dringend genug den hiesigen Gememdcmitgliedern sowohl, wie namentlich auch den in den Provinzen Hannover und Hessen und den benachbarten Staaten, die Förderung dieses Vereins an'S Her; legen. ES ist dem Vereine während der kurzen Zeit seines Bestehens gelungen, den Seminaristen und Präparandcn, welche ehedem ans Neihctische und unangemessene Wohnungen angewiesen waren, ein gutes Heim zu gründen, ans׳ gerüstet mit allen Erfordernissen für ein einfaches aber behagliches Leben nach streng religiösen Grundsätzen. Möchten in demselben die jungen Leute hier erstarken und zu einem tüchtigen und überzeugnngstrenen jüdischeu Lehrkörper erblühen, welcher durch Lehre und Vorbild eines echt jüdischen Lebens in Gesinnung und That den Gemeinden zum Segen werde. -4׳- Berlin, 30. Januar. ״Ich will den Inden ihre Sünden Vorhalten und ihnen sagen: wenn ihr über Deutschland herrschen wollt, kriegt ihr was auf die Finger. Die Juden müssen auf den Einfluß zurückgeführt werden, der ihnen in Deutschland gebührt, nämlich ans gar keinem," also sprach Herr Stöcker im Deutschen Bürgerverein der Hallischen Thorbezirke vor einigen Abenden, und fügte angesichts der drohenden Uneinigkeit im Kreise seiner Getreuen die aufmnnternde Warnung hinzu: ״wir verdienten Prügel, wenn wir jetzt, wo wir am Ziel angekommen sind, an innerer Uneinigkeit die großen Resultate unserer Arbeit zu Schanden werden lassen wollten." Na, Herr Stöcker muß eS wissen, nämlich unter welchen Umständen seine Lieben Prügel verdienen. Was uns selbst aber'anbetrifft, denen er so freundlich ebenfalls Klapse in AnSsicht stellt, so danken wir ihm vielmals für seine Väterliehe Strenge. Wir würden in der That Strafe verdienen, wenn wir den wahnwitzigen gemeinen Gedanken hegten, über Deutschland zu herrschen und unsere Mitbnrger zu unterdrücken und zu schmähen. Da wir aber wissen, daß eine solche verbrecherische und verrückte Idee noch in keines einzigen Juden Hirn ansgedämmert ist, so weisen wir eine jede solche Insinuation mit Entrüstung zurück und erklären frank und frei, selbst Herrn Stöcker gegenüber, eS gebührt den Inden mindestens ein gleich großer Einfluß im deutschen Reiche, wie Herrn Stöcker und seinen Anhängern, und der Inden Einfluß wird niemals dahin gerichtet sein, den inner» Frieden zu stören, Bürger gegen Bürger zu verhetzen, andere NeligionSgenosfenschasten herabznwürdigen, die Wahrheit zu trüben und für die Lüge Propaganda zu machen. — Der .,Reichsbote" will auS sicherer Quelle wissen, daß die Gründung einer antisemitisch -dcutschfrcisinnigcn Partei im Werke sei. Eine Anzahl hiesiger liberaler Männer, welche von dem jüdischen Einflüsse unabhängig sein wollen, hätten bereits die ersten Schritte dazu gethan. Ich glaube die Sache nicht; ״freisinnig", das heißt ja wohl zu allererst vorurtheilsfrei, tolerant gegen Andersgläubige sein, und ״antisemitisch", das heißt vornrt'heilsooll gegen die semitischen Deutschen, das reimt sich nicht zusammen. Im Uebrigen kann es uns, wie ich glaube, ziemlich gleichgültig sein, ob wir von Personcn, die sich konservativ nennen, angefeindet werden, oder von solchen, die sich den 'Namen freisinnig beilegen. — Wir furchten aber Beide nicht, dazu find wir zu alt und haben eine zu lange Erfahrung. Wir wissen, daß alle Menschen sterblich find, und daß Alles, waö auf unsittlichem Grunde sich erbaut, zu Grunde geht. Vor Allem aber wissen wir, daß Gott unser Schirm und Schutz ist, und er nnS in aller Zukunft bcistehen wird, wie wir seiner gnadenvollen Allmacht die Rettung unfers Daseins aus den ge-

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