Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1885)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn
- Date
- 1885-02-05
- Page
- 89 (sequence 1)
- Language
- German
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Jeschrrrmr. M 89 Kollektiv-Berichte ans Ungarn. ..Zur rechten Zeit fällt einem nie was ein. Und manches Gute kcm,mt meist Ijintcrbrcin." Die Erklärung des Herrn S. ftutua, Rabbiner in Eiscnstadt, in welcher Namens des altehrmürdigen Herrn Oberrabbiners Ni. Katz in D-Kreutz in Abrede genommen wird, daß eine Versammlung unter seiner Aegide stattgcfnndcn, in welcher gegen den Präses der Durchführnngskonnnission vorgcgangen worden, hat uns an die oben angeführten Worte Goethes erinnert. — Wir gestehen, daß wir von der Versammlung und ihren Beschlüssen keine Kenntniß hatten, dis wir die mit. 8. P. signirte Korrespondenz ״Aus Ungarn" in Nr. 46 v. I. des ״Jeschnrun" gelesen, in welcher es heißt: ״Wie aus verläßlicher Quelle verlautet, hat dieser Tage in D.-Krcntz eine Naddinerversammlnng getagt zu dem Zwecke, eine Reorganisation der Durchführungslommission zu veranlassen, welche mit einem Präsidentcnwechscl anhedcn soll :c." Dieser Korrcspondcnzdericht hat uns die Feder in die Hand gedrückt, um in einer längeren Relation klar zu legen, daß die Enthebung des Herrn Reich den Stand der Dinge nur verschlimmert! müßte, und!vir plaidirtcn darum für seine Beibehaltung. Nach Verlaus von zehn, sage zehn Wochen, kommt nun Herr Kntna und setzt jener Korrespondenz ein Dementi entgegen; das allein gicdt schon Stoff zum Nachdenken, aber noch ausfallender ist es, daß eben Herr Kntna sich dazu hergegedeu. ein טלייה bei der Sache zu sein.-Wir werden בס״ד mit unseren Bemerkungen über dies famose Dementi nicht zurückhalten. Vorerst wollen wir einige dies bezügliche Bemcrkungcn des geistvollen Redakteurs der ״Neuen jüdischen Pcster Zeitung" hier reproduziren. Herr M. Ehreuthcil, der viele Jahre hindurch der intellektuelle Faktor der ungarischen Orthodoxie war, äußert sich hierüber wie folgt: ״Herr Ignaz Reich — nur iS nicht ab gesetzt! Diese Meldung, die vom Eisenstädter Rabbiner, Herr S. Kntna, in der ׳jüngsten Nummer des ״Israelit" veröffentlicht wurde, hat auch uns überrascht, da wir tha!säcblich gar keine Ahnung davon hatten, daß von irgend einer Seile die Absetzung des Präses der orthodoxen Kanzlei angcstrcbt würde! Herr Kutna schreibt nämlich unter Anderem:' ״In!nanchcn ungarischen und ausländischen Blättern.. war die Nachricht verbreitet, daß unter Vorsitz des altehrwürdigen Herrn Oberrabbiners M.Katz aus D.-Krcntz eine Versammlung abgehalten worden wäre zu den! Zwecke, den gegenwärtigen Präses der orthodoxen Kanzlei seines Amtes zu entheben. An dieser Meldung ist kein wahres Wort!" — Auch Sr. Ehrwürden, Herr Obcrrabbincr ans D.-Krcntz, stellt diese Meldung in einem hebräischen Schreiben entschieden in Abrede. — Wir leben hier in Pest und gestehen gerne, daß uns von einer Bewegung, die auf die Absetzung des orthodoxen KanzlcipräseS abzielte, absolut nichts bekannt wurde. Wir erhielten seiner Zeit bloß die Meldung aus D.-Krcntz, daß unter den! Vorsitze des dortigen greisen und sehr gelehrten Obcrrabbiners eine Versammlung abgehalten wurde zu dem Zwecke der ״Ncorganisirnng" der Kanzlei. Diese Nachricht haben wir denn auch mitgetheilt, sie durfte um so eher aus Wahrheit beruhen, da selbe bis auf den heutigen Tag von keiner Seite in Abrede gestellt wurde! — Uebrigens würden auch wir heute einen Wechsel dezüglich der Person des Präses der orthodoxen Kanzlei für vollends unzweckmäßig erachten. Was konnte denn heute ein neuer Präses noch erzielen? Der gemeinsame israelitische Landes - Schulfonds befindet sich insofern in der Gewalt der Ncologen, als derselbe zur Erhaltung ihrer Institute, wie z. B. des Rabbiner-Seminars, der Landcs-Lchrer-Präparandie n. s. w. ohne Widerrede verwendet wird. — Die orthodoxen Gemeinden erhalten von diesem zwei Millionen Gulden betragenden Fonds nur hier und da ein wahrhaft ״beschämendes Almosen." Das rc^-Sqcii wird von Negierung und Behörden in ernpfindlicher Weise beschränkt; den orthodoxen Nabbinern werden gar häufig die Matrikeln entzogen. (Neulich wurden de!n ehrwürdigen Rabbiner zu Bihar- Dioszcg und Szr'ckclyhid die Matrikeln behördlich abgenommen.) Der Hauptparagraph des orthodoxen LandcSstatuts, die Qualifikation der Rabbiner betreffend, ist leider gestrichen n. s. w. Da die Situation unter der bisherigen Verwaltung eine solch ungünstige Gestalt angenommen, wüßten wir überhaupt nicht, welcher Mann von Selbsibewußtscin eine Stellung übernchntcn würde, in welcher er kann! Ersprießliches leisten könnte, da bereits Geschehenes sich nicht so leicht ungeschehen machen läßt! — Es war daher doppelt überflüssig und für Herrn Reich nur verletzend, wenn der Rabbiner Kutna der Welt versichert, daß der Präses der orthodoxen Kanzlei nicht abgesctzt wird! — Wir sind indcß überzeugt, daß Herr Kutna eine Verletzung des Herrn Reich nicht beabsichtigte!" — Wir würden mit dieser trefflichen Abfertigung der ״Renen jüdischen Pcster Zeitung" uns vollends begnügen, wenn der Epistel des Herrn Kutna nicht auch eine selbständige Beifügung nachhinkcn wurde. Herr Kntna schließt nämlich mit den Worten: ״Es geschieht wirklich dem Lande ein wahrhafter Dienst, daß man namentlich in! AnSlande erfahre, wie grundlos oft die Berichte seien, die wohlunterrichtet sein wollende