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Jeschurun · 1885-02-05 · Heft 6 (5.2.1885) · p. 86

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 6 (5.2.1885)
Article
Der Antisemitismus des Philosophen
Date
1885-02-05
Page
86 (sequence 3)
Language
German
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und die jüdische HetlSznknnft, nur eine ganz von Vor- 11rtl)cilcu beschränkte Interpretation tarnt einen andern Sinn drttsclbcn unterschieben wollen. (Fortsetzung folgt.) 3ur GtschiGt der Jfnkii in Mkililtnlinrg. (Unter Benutzung des Donath'schcn Werkes.) (Fonsetzung.) ״Hiermit war Elcasar noch nicht zufrieden, sondern er suchte noch mehr Leute zum Abfall zu bringen und seinen Mnthwillen zu treiben. Er bereitete für die nahe bevorstehende -Hochzeit seiner Tochter, zu welcher er eine große Zahl gleichgesinnter Glaubensgenossen erwartete, cm großes Nachcsest (?) vor. Es wohnte in Stcrnbcrg ein Priester, Peter Däne, Vikar an dem Altar Aller -Heiligen. Dieser hatte bei Elcasar einen Grapen für 4 Schilling versetzt. Der Grapen aber gehörte seiner ehemaligen .Köchin und Kottkubine, welche er nach den kur; vorher von dem Bischof Konrad Loste zu Schwerin verössentlichten Synodal-Schlüssen hatte entlassen müssen. Das trnnlsüchtige Weib lag nun dem Priester täglich vor der Thüre und forderte ihren Grapen wieder. Peter Däne bat nun den Elcasar um den Grapen: da aber der Priester kein Geld hatte, das Darlehen und die anfgeschtvollcuen Zinsen zu bezahlen, so ließ ihm der Jude das Pfand für das Bcrsprechen, ihm das Sakrament geben zu wollen. Peter Däne ließ sich bereitivillig finden. Aut Sieben-Brüder- Tage, den 10. Juli 1402, wcihctc der Priester auf dem Altar Aller Heiligen zwei -Hostien, wickelte sie in ein Stück Seide, welches er von der Decke des AltarS der heiligen drei Könige abgcschnitten hatte und brachte sic am andern Tage dein Elcasar. EleasarS Frau versteckte sie in eine Tonne mit Federn, welche zur Aussteuer ihrer Tochter -bcftimiitt waren." ״Am 20. Juli feierte Elcasar die -Hochzeit seiner Tochter mit dem Juden Simon und hatte dazu seine Mitschuldigen und außerdem eilte große Menge Juden, alle gleicher Gesinnung, aus vielen Städten des Landes geladen. Am Morgen des Hochzeitstages, um 8 Uhr, holte EleasarS Weib die Hostien hervor, übergab sie ihrem Manne, welcher damit in eine Laube hinter den! .Hanse ging, wo er dieselben auf einen eichenen Tisch legte. Fünf Inden: Elcasar, sein Schwiegersohn Sitnon, Michael Arons Sohn von Ncubrandeuburg, Schütteutann aus Friedland und Salomon aus Teterow, nahmen nun Nadeln und durchstachen mit fünf Stichen eine -Hostie, ans welcher sogleich Blut floß. Dies bezeugen späterhin EleasarS Weib und ihr Schwiegersohn Simon. Am Abend des -Hochzeitstages stachen die Juden in ihrer Stube mit Messern nach beiden Hostien?) Elcasar'S Weib nannte noch fünf Juden als Mitschuldige, nämlich Sitan KaSrcrigeS (?) aus Franken, David aus Parchim, Meister LciSpe (Lebesch), Israel aus Hamburg." ״Bei ttüchlcrnem Sinn überfiel doch die Juden eine große Furcht, obgleich sie sich zur Gcheinlhaltung des Borgcsallencn verbunden hatten. Elcasar hieß seinem Weibe die Hostie zu vernichten; aber eS wollte ihr!veder mit Feuer (nach detnselben Berichte wollte sic sie im Backofen verbrennen) noch mit Wasser gelingeu. Als sic dieselbe bei dem Mühlenthor in den Mühlcnteich werscn wollte, sank sie mit den Fußen in einen großen Stein, welcher derselbe sein soll, der an der südlichsten Hanptpforte der Kirche eingemauert ist?) Jetzt wollte Elcasar mit bem ״Gotte der Christen" nichts mehr zu schassen haben, er mochte auch schon Berrath fürchten; daher gab er die Hostie seinem Weibe mit beut Aufträge, sic dem Priester wieder zuznstellcn." ״Elcasar tttachte sich ans Furcht vor der Strafe, die ihn ereilen konnte, ans dem Staube. Er trat eine weite Neise an, nahm die beibett penzltitschen Hostien mit sich und wird nicht wieder in der Gcschichte genannt. Seine Frau steckte nun die Hostien in einen hölzernen ״Lenchterkops" und brachte sie am 21. August zu Peter Däne mit den Worten: Hier habt Ihr Euren Gott wieder und verwahrt ihn. Peter Däne gedachte sie wieder in die Kirche zu bringen oder sie ans bem Kirchhofe za begraben; da er aber diesen Vorsatz nicht anSführc» konnte, so vergrub er sic aus dem Fürstcnhose an der Stadtinancr. In der Nacht erschien ihm ein Geist, welcher ihm fortan keine Ruhe gelassen und ihn bewog, die Vergrabung dcS SakrautcnlS, die ihm angeblich durch ein Wandcrzeichen offenbart sei, seinen Mitpriestern anzuvertranen." (Fortsetzung folgt.) ') Nach Emzmer's Bericht wäre die große Hostie Zirkelsweise ans dem Tische nmhcrgctinsen und in die Höhe fast ellcnhoch emporgesvrnngcn. Nach Behr (Itemm Menkleuburg. I. VILI. 150!)) floß das Blut vom Tische ans die Straße, ״denn cd kounte sich nicht in die Erde verlausen, da es von dem ist, der den Himmel gemacht Ijat und den Erdball!" WaS sagt man zu solcher Ungeheuerlichkeit?'. ־) Aber nach einer noch jetzt unter den Inden lebenden Sage hatte ans diesem Steine der zum Fenertodc vcrnrlheiltc Nabbiner der Gemeinde gestanden: wäre aber, als er den Sch-ütcrhaufcn besteigen sollte, plötzlich unsichtbar verschwunden j mit Zurücklassung von Fußspuren im Stein.

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