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Jeschurun · 1885-01-29 · Heft 5 (29.1.1885) · p. 67

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 5 (29.1.1885)
Article
Der Kampf um's Dasein
Date
1885-01-29
Page
67 (sequence 3)
Language
German
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segen. Sem Brod steigt vom Himmel hernieder, hat er doch für diesen Segen seinen Acker würdig vorbereitet. Damit diese Erkenntniß nicht weiche aus dem Kreise der Menschen, damit vor Allem der Kreis, den Gott zum Pricsterdienst der Menschheit erkoren, diese Wahrheit von der hohen und doch beschränkten Menschenkraft und Menschcnaufgabe nicht verliere, damit der Friede ciukehre in die Wohnstätten der Menschen und die Sorge und der Streit schwinden von der Erde, hat Gott den Sabbath unmittelbar mit dem Manna uns gespendet. Nach Maßgabe ihres Dcdürsnisscö und des ErfordcrnisseS für die ihrer Sorge Anvcrtrauten, hatten unsere Väter in der Wüste und haben wir ein jeglicher täglich für die Existenz zu streben, rüstig, fleißig und unverdrossen, im Vertrauen auf die Gnade Gottes, welcher uns als Lohn unserer redlichen Mühe den nothwendigen ״Omer für den Kopf" gewähren wird. Auch am Sabbath lockt uns der Gewinn, winkt uns die Gelegenheit zum Verdienen, aber ans der von Gott nicht gewollten Arbeit des siebenten Tages autwortct nicht der Gottesscgen — das Mauna fällt nicht, die Gottesspende steigt nicht hernieder ans Himmelshöhcn. Wer Alles, was ihn: wird, als ״Man", als eine ״Gabe" Gottes empfängt, als den ihm von Gott zugewiesencn Authcil an den Gütern der Erde, und wer am Sabbath seine Arbeit eiustellt und die von ihm -beherrschte Welt damit Gott 1)111־־ digend zu Füßen legt, der kennt keine Sorge und keinen Kampf, der unterliegt nicht in dem geschäftigen Ringen, der ist frei, sorglos, zufrieden und glücklich. Die durch das Manna-Wunder bcthätigtc Wahrheit, daß wie das Dasein eines jeden Menschen, also auch die Bedingung seiner Erhaltung ein freies Geschenk Gottes ist, und die durch die Beobachtung des Sabbath vom Menschen Gott dargebrachte Huldigung und Anerkennung Seiner Herrschaft — sie bringen den Himmel auf Erden, sie umwandeln die ödeste Einöde zu einem Paradiese, in welchem keine Thräne rinnt, kein Schweiß perlt, kein Seufzer ächzt, kein '׳Neid herrscht, kein Streit weilt, — ראו כי ד, נתן לכם השבת, על בן הוא נתן לבם ביום הששי להם יומים ״erkennt, daß Gott euch den Sabbath gegeben, darum giebt Er euch am sechsten Tage Brod für zwei Tage." — Das ist die einzige Lösung des ״Kantpfes um's Dasein." Der Anlismitismus des MOMn. (Fortsetzung.) Wir sehen, Herr Hartmann macht es sich bequem. Er legt sich die Verhältnisse zurecht wie sie ihm passen. Seine Behauptungen sind nicht das Resultat seiner llntersnchungen, sondern die angeblichen Untersuchungen sollen das im vornhincin feststehende Resultat decken. Und weil die Thatsachcu leider im Widerspruch stehen niit den Vornrthcilcn des Herrn Hartmann, so werden jene eben ein wenig verändert, oder cs treten vorgcblichc Fakta ans dem reichen Schatze der Hartmannscheu Dialektik an das Tageslicht, die nirgends vor- Händen sind als in seiner Einbildung. Mit solchen Hülfsnnttcln läßt sich trefflich operiren; weiß wird schlvarz und Tag wird Nacht, ganz wie der Meister cs befiehlt. Die Inden pflegen das Wissen und. achten die Wissenschaft — Hartmann verkehrt diese Thatsache in die Vergötterung des Mammons seitens der Inden. Die Jüdinnen sind keusch und tugendhaft — Hartmann macht aus ihnen Dirnen, welche der Tugend nicht länger dienen als der Vortheil cs heischt. Die Scß- Hastigkeit der Inden in Deutschlands Gauen verliert sich bis in die altersgraue Vergangenheit — Hartmanu spricht ihnen das HeimathSrccht ab und bchandelt sic als Gäste, welche erst gestern beim dcutscheu Wirthe eiugekehrt sind und von diesem nach Bclieben mit einigen schönen Phrasen und einem kräftigen Fußtritt hinauSkomplimentirt werden können. Ein Philosoph wie Hartmann ist ein Universalgenie, er kennt alles, er weiß alles, er versteht es in alle Gehcimnisse cinzudringcn, vor seinem Blicke giebt cs nichts Verborgenes, und seine Aussprüche sind unbedingt die höchste Wahrheit und Weisheit. Wenn wir hiervon noch nicht überzeugt gewesen wären, so müßte uns das Kapitel überzeugen, welches Hartmann der Religion, und zwar der Untersuchung widmet, ob und inwiefern die religiöse Verschiedenheit zwischen Christen und Inden auf die Judenfrage inflnirc, und was die Inden zu thun haben, um diesen Theil der Judenfrage ans der Welt zu schaffen. Er kommt zu dem Resultate, d. h. er konftmirt sich die thatsächlichen Verhältnisse so, daß die jüdische Religion der Friedensstörer ist zwischen ihren Bckcuucru und der übrigen Welt, also ist es Pflicht der Juden, dieselbe abzustreiscn. Am besten wäre cs demgemäß, wenn sic sammt und sonders zum Ehristenthum übertreten wollten. Wenn man zngebcn wollte, daß die religiöse Verschiedenheit als Grund gelten könnte für die Abneigung der Deutschen gegen die Juden, d. i. ja nach Hartmann das Wesen der Judenfrage, dann dürfte es neben der ״Judcnfragc" auch eine ״Philosophensrage". d. i. die Abneigung der Deutschen gegen die Philosophen mit der praktischen Konsequenz des berechtigten Verlangens nach Abstreifung der philosophischcn Doktrin unter Androhung des Ausschlusses von dem Vollgenuß der staatlichen und sozialen Be^ nefizien geben, und Niemand wäre weniger berechtigt sich als Stimmführer des deutschen Volkausznwerfen

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