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Jeschurun · 1885-01-22 · Heft 4 (22.1.1885) · p. 57

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 4 (22.1.1885)
Article
Neuerung und Erneuerung
Date
1885-01-22
Page
57 (sequence 1)
Language
German
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M 4. Jeschurirri. 57 Ntucruns mib ׳Cmcurrnng. i Eine ״Zeit"-Betrachtung zur Sektion בא! Von Nabbincr l)r. Iatobsohn in Schlimm. והיד. אמונת עתיך הפן ישועת הכמת ודעת יראת ״ ד, היא אוצרוUttö der Glaube an deine Zeiten und die Treue zu ihnen wird Schild und •V»cil für die Weisheit mtb die Erkenntnis sein, so daß die Gottesfurcht der sicher geborgene Schatz bleibt." Auf diesen Schriftvcrs und diese Deutung desselben führte mich die Erwägung über die Nothwcndigkeil einer non höchster Autorität beglaubigten Erklärung zu unserer Thora. Ja, der Glaube an unsere Zeiten, der Glaube daran, daß Begrenzung und Bestimmung unserer Zeiten auf Ueberlieferung beruhen, die Erkenntnis, daß deren Berechnung ohne die von Geschlecht zu Geschlecht tradirteu Regeln und Gesetze unmöglich sei, daß es unsere Zeiten sind, von unserem Gotte uns gegeben, an unsere Geschichte anknüpfend, unsere Kämpfe und Siege feiernd, die Einsicht, daß wir bei ihnen der mündlichen Lehre nicht entbehren können, das wird uns Schutz sein für das Gesammtgcbiet unserer Erkenntuiß und Weisheit, daß auch deren Deuter mtb autorisirtcr Dolmetsch für alle Zeiten einzig und allein das Wort sei, das zu ihrer Enträthselung unserem Lehrer Mosche auf des Sinais heiligen Höhen übergeben worden, und das seit jenen wunderbaren .,vierzig Tagen" in allen Drangsalen und Nöthen unseres Bolkcs noch nie der treuen Hüter ermangelt hat, noch heute in unserem Besitze ist, und uns noch heute ermöglicht, unser Gesetz wahrhaftig zu begreifen und zu erfüllen. Die jüdische Zeitbercchnung ist das Palladium der müttdlichcn Lehre, an ihr werden deren Verächter zu Schanden, bei ihr können auch sie derselben nicht entrathen, und ,,wunderbar ist cs", spricht es Iizchak Abarbanel in seinen Abhandlungen zu unserer dieswöchentlichen Sektion gegen die Karüer aus, .,wunderbar ist cs, wie nicht die Schamröthe das Antlitz der Karäerweisen überzieht, wenn sie ihre Zeitbestimmungen großcnthcils auf den von der Sinaiteutradition gegebenen Normen basircn und basircn müssen." זנזן נקט, bemerkt Iechcskeel Landau so treffettd und schön am ׳Schltiß der Einleitung zum צלה על ברבות. Nach der dort gegebenen Erklärung richtet sich auch die Uebcrsetzung des zu Anfang gestellten Schrift- Wortes; זמן נקם, die sechs Anfangsbuchstaben der Namen der sechs Ordnungen der Mischna, in welcher der Traditionsstoss enthalten ist, bildett die zwei Worte ״ זמן נקטdie Zeit nimm"; das will sag'N, die Zeit nunnt in die Hand, nimm sic zum Zeichen, nimm deren ohne Tradition unmögliche Berechnung und Bestimmnng zum Erweis, daß die ganze Mischna, deren Inhalt die Worte!זמן בקב vergegenwärtigen, die Tradition für alle Gesetze nothwendig ist. Die jüdische Zcitberechntutg ist die Schntzwchr für unsere Thora gegen die Selbstüberhebung des menschlichen Geistes, gegen das stolze Selbstvertrauen unseres Verstandes, gegen die verändcrungssüchtige Zeit — gegen die Reform; sie, die in regelntäßigcr Eruencrung das Alte immer neu tttacht und das Neue innucr alt sein läßt, sie ist der schärfste Protest gegen die Bescitigung des tradirten Alten und dessen Ersatz durch ein willkürlich geschaffenes Neues. עדות זו תהא מסורה לבב bemerk! der Talmud zu ״ ההדש הזה לבסdieses Zeuguiß sei Euch übergeben." Nur die ersten Gcsetzesautoritäten jeder Zeit sollen die Zeugen bei der Ncuutondsheiligung vernehmen und nur sic können das ״Heilig" über die Erneuerung sprechen. Nur die treuen Träger der Tradition, und unter diesen wieder nur die Vorzüglichsten, hatten die Neumonds- Heiligung zu bestimnten. Und die Lehre, die wir ans dem Geiste einer jeden Gesetzesbestimmung gewinnen? Das Zeugniß über Erneuerung sei Euch, Mosche und Aharon, und Euren Nachfolgern übergeben. Nur Ihr und sie sind die dazu einzig Berufenen. Und ebenso sind nur die ächten Nachfolger Mosche's und Aharon's berufen, im Geiste des Gottesgcsetzes Anordnungen zu treffen, denen die heiligende Sanktion für alle Zeiten verbleibt. So erlangten die תקנות und גזרות die anordm'ndeu und vorbeugenden Gesetzcsbeschlüssc des obersten Gerichtshofes in Israel, da sie von ihnen beschlossen wurden, heilige, unverletzliche Gültigkeit. So konnte Hillel die Verordnung ^ברוזבל׳ treffen und also unsere weisen Lehrer, die Ersten ihrer Zeit, in der Nachfolge ihrer großen Vorgänger. Wenn das Ziel jeder neuen Gesetzesbestimmungen im Geiste des Gottesgesetzcs lediglich darauf gerichtet war, das alte Jndcnthum zu erhalten, wenn man nicht neu schaffen, sondern nur erneuen und verjüngen wollte, dann war der auf der Tradition ruhenden Gcsetzesautorität nur für die Erhaltuug des Judenthums bestimmte Steuerung Folge zu leisten; wo aber nicht mehr die Heiligkeit und die Erhaltung des Gesetzes, sondern äußere Rücksichten der Schild sind, unter dem sich die,Reformen bergen, seitdem nicht mehr das Judenthum, sondern die Zeitrichtung die Neuerungen sanktionircn sollen, da ist Schrift und Tradition gegen jede Veränderung. So lange die Rücksicht auf die Erhaltung unserer Eigenthümlichkeit, unseres innersten Wesens bei den Neuerungen utaßgebend ist, und nicht die Rücksicht auf die.Welt und das Bestreben, cs anderen ReligionSbekeuutnissen nach- und gleichzut.hun, so lange innere

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