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Jeschurun · 1885-01-22 · Heft 4 (22.1.1885) · p. 51

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 4 (22.1.1885)
Article
Der Antisemitismus des Philosophen
Date
1885-01-22
Page
51 (sequence 3)
Language
German
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billig. Dürfen die Autochthonen in Deutschland, welche ihre Eigenschaft als solche übrigens erst nachgewicscn haben müssen, was sie aber nicht können, die seit undcnklichen Zeiten unter ihnen wohnenden Inden als Gastvolk ansehcn, so dürften gewiß die Franzosen, Russen, Ungarn, Türken u. s. w. auch die nachweislich eingewanderten Deutschen als Gäste betrachten, trotzdem sie das dortige Jndigcnat erworben, und ihnen den Stuhl vor die Thür setzen gleich ungeladenen Gästen. (Fortsetzung folgt.) Sitlöiuonifdjc HMilMisljkit. Von Samson Raphael Hirsch. (Fortsetzung.) XXVI. Die Ehe. Wer ein Weib gefunden, hat das Gute gefunden, Hat Wohlwollen von Gott erlangt. (18, 22.) ES heißt nicht: wer ein ״gutes״ Weib, sondern: wer ein ״Weib" gefunden, denn der Begriff ״Weib" schließt daS ״Gute" mit ein, und jeder Karakter-Fehler ist ein Mangel an Weiblichkeit. Haus und Vermögen ist Hinterlassenschaft von Eltern, Aber von Gott ist ein verständiges Weib. (19,14.) Vermögen kann Jemand besitzen, ohne darin eine besondere, ihm zngewandtc göttliche fürsorgende Fügung erkennen zu dürfen. Seine Eltern können eS erworben haben und so glücklich gewesen sein, es ihren Kindern zu vererben. Aber eine אשה משכלת zu haben, eine geistig begabte Frau, die mit verständiger Einsicht ihre Pflichten und die Menschen und Verhältnisse zu würdigen weiß, mit denen und unter denen sie ihre Pflichten zu erfüllen hat, der beglückende Besitz ist die Spende einer besonders zugewandten, besonders liebend fürsorgenden göttlichen Wallung. Eine liebenswürdige Frau findet ihre Stütze in Ehre, Wie Mächtige ihre Stütze in Reichthum finden. (11, 16.) Ehre, daS in sich und Andern hoch und nnvcrletzt zu erhaltende Bewußtsein ihres sittlichen Werthcs, ist der Rcichthum und zugleich Stütze und Schild einer mit Liebreiz geschmückten wackern Frau. Sie begeht nichts und duldet-sich gegenüber nichts, das auch nur von fern ihrer sittlich weiblichen Ehre zu nahe treten könnte. Und so mächtig und von solcher Hoheit ist das in ihren: ganzen Wesen, in Mienen, Worten, Bewegungcn und Handlungen einer wahrhajt ehrbaren und ehrliebcndcn Frau sich ausprägende Sittliche, daß der schamloseste Wüstling cs nicht wagt, sich in ihrer Gegenwart eine Unauständigkeit zu erlauben. O Trinke Wasser aus deinem Brunnen Und Fließendes aus deinem Born, Deine Quellen mögen nach Außen sich verbreiten, Wasserarme in die Weiten hin, Sic seien ganz dein eigen, Und Fremden sei neben dir kein Anthcit daran. ES bleibe dein Born gesegnet, Und freue dich an dem Weibe deiner Jugend. Ein Neh an Licbesfülle, eine Gemse an Liebreiz, Finde an ihrer Brust Befriedigung zu jeder Zeit. In ihrer Liebe sei stets und ganz befangen. Was willst du deine Sinne durch eine Andere fangen lassen, Willst einer Fremden Schooß umfangen! Denn gerade vor Gottes Augen liegen die Wege des Mannes, Und alle die Kreise seines Wandels wäget Er Es sind seine Abweichungen vom Geraden, die den Gesetzlosen sangen, Und in den Banden seines Leichtsinns bleibt er gehalten. Er geht zu Grunde, weil ihm die Sittlichkeit fehlt, Und er in dem Uebermaß seiner UnweiSheit befangen bleibt. (5, 15—23.) DaS Glück, unter dem Bilde Erfrischung, Leben, Frucht und Gedeihen bringenden Gewässers anzuschauen, ist unserem heiligen Schriftthum gewöhnlich. Hat doch auch der fremde Seher daS unantastbare Familienglück jüdischer Zelten als von Gott geleitete Bäche ('בנוזלים נטיו) geschildert, deren Wasser aus Gottes Eimern fließt (4 (יזל מים מדליו. B. M. 24, 6. 7. Auch unserer Spruchweishcit ist die Ehe eine -,12 und באו, eine Eistcrue und ein Brunnen, aus welchen das Familienglück und die ehelichen Freuden geschöpft werden, ein בור, worin durch Menschcuthätigkeit das Wasser ge׳ sammelt ist, ein באו in welchem daS Wasser von der Natur gegeben, aus der Tiefe quillt. So besteht das Eheglück aus Elementen, die die pflichtgemäße Thätigkeit des Menschen schafft, und aus Elementen, deren Gewährung göttliche Veranstaltung ist. Ein Moment aber ist eS, das, nach der Weisheit unserer Sprüche, deu unveräußerlichen Boden alles Eheglückes und aller Familieufreude bildet, und das ist — nicht die Weibestreue, die ist als selbstverständlich vorausgesetzt — das ist die Männertreue! Dein sei der Brunnen, dein der Born, spricht sie zum Mann, aus dem du deine Freude schöpfest, in die Liebe zu deinem Weibe gehe ganz auf, und habe keinen Sinn für eine

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