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Jeschurun · 1885-01-15 · Heft 3 (15.1.1885) · p. 41

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 3 (15.1.1885)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1885-01-15
Page
41 (sequence 1)
Language
German
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JB L Jeschurnn. 41 Kollektiv-Berichte aus Ungarn, xxxix. )Fortsetzung.) Seit der Kreirung der Durchführungskommission liegt ein großes Stück Geschichte hinter uns, und der Name Ignaz Reich ist fast mit jedem kleinsten Detail dieser Geschichte eng verflochten. 'Wie Herr Reich sich selbst metamorphosirtc, so schasste er auch Metamorphosen mannigfacher Art. Wir sehen streng konservatioe Rabbiner und Gemeinden der ״offiziellen‘״ Orthodoxie ferne stehen, -- 9teich hat sie verdrängt. — Wir sehen Gemeinden, deren orthodoxe Gesinnung weit unter Null steht, im Verbände der ״Orthodoxie", — Reich hat sie in den ״alleinseligmachenden Schoos;" ausgenommen. — Wir kennen Rabbiner, welche als ehemalige Depntirte im Kongresse, theils mit den gemäßigten, und theils mit den extremsten Orthodoxen Schulter an Schulter kämpften, heute werden diese theils zu den ״Unverläßlichen" und theils zu den Refonuent gezählt; — Reich hat sie so klassifizirt. — Andererseits sind uns Rabbiner bekannt, die in der kampsvolleil Kongreßära zum Theile den Orthodoxen opponirten und in Reformgemeinden fnngirten, heute sind sie Generale, tonangebende Faktoren im Lager der ״offiziellen" Orthodoxie; — Reich hat diesen die Absolution ertheilt. — Diese und ähnliche Umstände haben als זה וזה כורם die Vermittelung erschwert und in weite Ferne gerückt. Darum konnte sie nicht mit Erfolg angebahnt werden, und darum auch sind die mit Aplomb in Szene gesetzten Assimilirnngs- und Kreirungsversuche vollständig im Sande verlaufen, und eben darum sprachen wir es aus, es sei vor Allem unerläßlich nothwendig, daß Herr Reich entweder sein System ändere, oder, weil!! er von seinem Systeme sich durchaus nicht lostrennen will oder taun, bei 1111 und mir bann möge er Anderen, Bornrtheilsfreien, Friedfertigen den Platz räumen. — Keilt Mensch darf es wagen, sich znm 'Richter der Gesinnung aufzuwerfen, und wir wollen uns nicht unterfangen, die .,Gesinnung" des Herrn Reich ans den Sezirtisch der Kritik zu legen, obwohl Herr Reich dies oft in sarkastischer Weise gethan hat, und öfters, wenn wir Gelegenheit hatten, so von Auge zu Auge das Schalten und Walten des Herrn Reich zu beobachten, kamen uns in den Sinn die betreffenden Worte Mendelssohn's: ״Es giebt milzsüchtige Leute, die der löblichen Thal gerne nichtswnrdigc Absichten znschreiben. So giebt es auch Menschen, die da wünschen, es möchte in keines andern Verstand Heller aussehen, als in dem ihrigen. Lieber soll alles blind sein, ebe sie blöde Augen haben wollen. Jene sind Pyrrhonier in der Geschichte." — Wir dachten einen Augenblick daran, die dunkeln Gänge zu beleuchten, da schwebt uns wieder daS geistreiche Wort Lessings vor: ״Es müssen eine Menge Sachen gedruckt werden, damit man sehe, daß es kein Vertust gewesen wäre, wenn sie auch nicht gedruckt worben wären" — und so unterlassen wir dies. — Uebrigens denke man nicht, daß Herr Reich an den 'מלחמות ה gar Niemanden partipizircn ließ und die ganze Schwere der Verantwortlichkeit ans seine Schultert! geladen — nein, es gab Zeiten, wo Herr Reich von der stolzen Höhe herabgestiegen und die werkthätige Unterstützung von Rabbinern und Privaten dringend sich erbeten, in manchen Fällen wandte er sich sogar auch an Personen, die ihm sonst nicht besonders sympathisch waren. — Wir sind int Besitze einiger Briefe, mit deren Veröfsentlichung wir zurückhalten, בדי בדון וקצף. Ferner denke man nicht, daß die ungarische Orthoboxte so ganz unmündig dreinschaute und in allen Stücken der ״Unfehlbarkeit" Reiches vertrante. O nein, wo es sich um vitaie und eminent religiöse Interessen handelte, versammelten sich eine. Anzahl Rabbiner zu gemeinsamer Berathung. Auf einzelne Mitglieder dieser Versammlnng mochte Reich vielleicht inflniren, doch die Besseren und Vornehmeren konnte er nicht beeiuflussen, und von marrchen dieser Berathungen kann man mit Recht sagen, daß sie mit Ernst und Würde gepflogen wurden und ans höherem, idealem Niveau standen. Uebrigens haben die rein internen Angelegenh.iten Herrn Reich nie viel KopsbrechenS gemacht, diesen hat er nie die gebührende Sorgfalt zugewendet, bei Erledigung der amtlichen Agenden kam ihm seine;משקל ראשו ZN Hülse. Er entschied nach Eingabe des Momentes — und bereits vor Jahresfrist streiften wir daran, daß die Durchführungskommission nicht so sehr die ihr vorgezeichncten, als vielmehr ganz andere und vollkommen außerhalb . ihres Wirkungskreises gelegene Ziele verfolgte und ganz andere Angelegenheiten vertrat. — Jede Sache, noch so privater Natur, nahm Reich in die Hand und machte den tiefbesorgten Petenten die trostreichsten Versprechungen.— Auf diesem Terrain beging Herr Reich Fehler. Doch wir wollen bei diesen Geschäften keinen Augenblick länger verweilen. — Wenn wir noch die chassidäischen Gelage an den Sabbathtagen, namentlich das Mahl der dritten Sabbat!)-בי<ודה, sowie des מלוה המלבה bei Sabbathausgang, welche in den geweihten Hallen der D.irchführnngskommission abgehalten werden, und bei welchen ר יצחק בר״מ רייך streng nach Art eines Ehassidim-׳״^-." mit den obligaten שיריים :c. zelebrirt, erwähnen, so haben wir die Grnndzeichnnng eines treuen Bildes mit den 'sicht und Schattenseiten so ziemlich beendigt und den Kansalnexus treu wieder-

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