Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1885)
- Article
- Die Lehrerversammlung zu Berlin
- Date
- 1885-01-15
- Page
- 36 (sequence 2)
- Language
- German
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36 schon vorhin au^cfiiljrt, baf; um״eine genaue bc* 3111)0110 und Unijam־^ eiltet Vcl) 1ך1 ־c 1ןc1]ח anbcc alb bie (VtninMafle für die Anfstcllnng eines Lehrplans erachlen. Die beiden Herren waren vollkommen bei der Lache, als sie den Inhalt ihrer Auffassung von der jüdischen üceligion;um Maßslobe des Vehrplans;11 nehmen wünschten, und wir begreifen in der Thai nichl, weshalb Herr Di׳. Kirschs!ein von dem Präsidenlen bebeutet ivnrde, daß er nicht zur Sache rede, wie wir auch nicht das grenzenlose Erstaunen und die surchlbare Umrüstung begreifen, welche sieh der Mehrheit der Kollegen bemächtigt haben soll. Wir wissen sehr wohl, daß man vielleicht von entgegengesetzten Leiten diese unsere BenrlHeilung über den Vorgang in der Sitzung vom .30. Dezember sehr anfsällig finden wird. Wir wollen deshalb uns im Folgenden darüber näher auSsprechcn. . ,Jorisepnng folgt.! 3111׳ Gchiiilhlt der Inden in Meiiilenliiirg. Unter Bennbung deo Donalh'schen Werten.- Inden in Sternberg und ihr Martyrium (l'ft!>2). Ehe wir die Geschichte der Juden in Sternberg mit ihrem großen Martyrium beginnen, wollen ivir nicht unterlassen, im Voraus hier zu bemerken, daß auch Inden in Penzlin und Teterow gewohnt haben, die bei dieser blutigen Katastrophe ebenfalls eine Nolle gespielt und darum nicht besonders ansgesührl sind. Keine Hostienlegende hat vielleicht so viele Federn in Bewegung gesetzt und eine jo reiche Literatur — die freilich, weil immer den alten Kohl auswärmend, ziemlich monoton ist - geschossen, als die von Stern-- berg in Mecklenburg im Jahre 1492. Wie dieses Jahr überhaupt ein Unglücksjahr für den jüdischen Stamm namentlich in Spanien war, wo derselbe aus seinem allen Sitz der klassischen Bildung und Kultur vertrieben wurde, so verhängnisvoll und unheilschwanger nunes auch für die Glaubensgenossen in Mecklenburg; auch hier würben sie, nach einem gräßlichen Autodafe, des Landes verwiesen, das sic vor säst zwei Jahr- Hunderten nicht wieder betraten. Die anarchischen Zustände, welche in Mecklenburg von 1:379 bis ]480 herrschten *), wo Edelleute an der Spitze organisirter Räuberbanden Leben und Eigen- 0)11111 unsicher machten und mit ׳Raub und Mord das Land von einem Ende bis zum andern erfüllten, — Hanen eine grenzenlose Verwilderung der Sitten des Volks erzeugt. Dazu kam noch die bodenlose Unsittlichkeit einer ״Geistlichkeit ohne Geist", die bei ihrer erstaunlich enormen Zahl — ungefähr!4(100 Geistliche bei einer Bevölkerung von etwa 287,000 Seelen, mit einer Armee von etwa 0-114 Manu — ergeben der Hab und Genußsucht, den Aberglauben und die Verdummung des Volks ans alle nur mögliche Weise förderte, um daraus Kapital für sich selbst zu schlagen. Daß unter solchen Verhältnisscn ein neuer, die alten weit überstrahlender Wallsahrtsort mit reichen Einnahmsgnellen höchst willkommen und dem Volke nur zu leicht anfznbinden war ■— liegt ans der Hand. Die Gelegenheit dazu sollte sich bald darbieten. Von handschriftlichen .Duellen über dieses Ereigniß besitzt das Großherzogliche Archiv zu Schwerin: 1) das erste Verhör-Protokoll vom 20. August 1402, und 2) das Sehlnßbekenntniß oder die ״Urgicht" der Inden vom 22. Oktober 1492.') Von Druckschriften heben wir besonders hervor das in lateinischer Sprache geschriebene Büchlein Mons Stellarum!״Sternberg"), von dem in der Mecklcnburger Literaturgeschichte bekannten herzoglichen Rath und Professor an der Rostockcr Universität: Nikolaus Marschalk Thnrins, dessen erste Auflage 1510 oder 1512 in Rostock erschien ־); ferner Michael Gnzmer's, Predigers zu Sternberg, kurzer Bericht von den zu Sternberg verbrannten Inden, Güstrow 1029. Wir lassen nun zunächst das auf Grund und im Geiste und Sinne dieser Duellen von dem schon mehrfach angeführten Herrn Geheim Archivrath .141׳. Lisch zu Schwerin im 12. Jahrgang der Mecklenburger Jahrbücher!Seite 207—-2l7) erschienene Referat folgen: ״In Sternberg wohnte ein Jude Elcasar, welcher weitverzweigte Verbindungen im Lande hatte und diese zur Sättigung seiner Rache benutzte. Er versuchte seine Kunst zuerst in Penzlin. Hier lebte ein Franziskanermönch als Kaplan in weltlichen Kleidern. Diesen hatte * :׳ Bergt. E. Voll, ׳Gesch. MccNenb. I. 147 ff. י י') Diese ״llrgicht" mar auf einer Ijöt^crncit Tafel geschrieben,; welche bis l0׳'.;׳ im Nathhanse;11 Sternberg hing, wo sie dann? in einem Brande vernichtet wurde.; -) Nach einem Berichte von Lisch!Groß. Archivrath) —! Mecklenb. Jahrb. 1830, S.;><;--'.10 - - besitzt die Bibliothek der! Nosrocker Universität eine Aufgabe der Mono Steltarnm von! 1512 in Cnart, deren Titelseite ein Holzschnitt einnimmt, ans; welchem die Sleruberger Hostiengeschichtc dargestellt ist. 1 Die zweite Aufgabe erschien 1522 in seiner eigenen Druckerei; in Nostoa, neu ansgelegt von I. Hübner zu Hamburg 17.30.; Dieser tcVieren Aufgabe ist auch ba* älteste schriftstellerische \ Produkt über die Assaire beigegeben. die deutsche llebcrsetznng; des schon 1500 von!)> . Boghen in Nostock über diese Geschichte! erschienenen lateinischen Gedichts, wovon sich auch eine plattdeutsche . Nachbildung in der im Schweriner Archiv bewahrten Original-! chroiuk des E. von .Üirchenberg befindet. (Bergt. Lisch, Mecklenb.! Jahrbuch!817, Seite 210 s.'und Jahrg. 18:30, S. 8(i—00.)